Feiern in Albstadt: Drei Feste ganz unterschiedlicher Art: Kulinarik, Tradition und Herkunft
Der letzte Sonntag vor den Sommerferien scheint ein beliebter Termin zu sein. Einige Albstädter Vereine nutzten diesen Tag, um nochmal richtig zu feiern, bevor sich zahlreiche Familien in den Urlaub verabschieden. Der Verein Tal–Gang–Art lud zur Langen Tafel in Tailfingen (LaTaTa) ein, die Musikkapelle Frohsinn Lautlingen läutete ihr 220–jähriges Bestehen ein, und beim Sommerfest der Donauschwaben und Siebenbürger Gemeinschaft Albstadt, des Bunds der Vertriebenen Zollernalb und der Württemberger Schwaben–Freunde wurde es nicht minder traditionell.
Lange Tafel Thailand, Frankreich, Ungarn, Türkei, Iran, Afghanistan, Syrien, Mexiko, Vietnam, Griechenland, Ukraine, Afrika, China, Spanien, Deutschland — was klingt wie eine Aufzählung der Vereinten Nationen, versprach in Tailfingen ein Tag des kulturellen Austausches zu werden. Denn es ist die Liste der Nationen, aus denen Köche und Köchinnen Gerichte vorbereitet haben, um sie an der vierten Langen Tafel in der Ortsmitte anzubieten.
„Wir haben viele Stammköche“, sagt Susanne Feil vom Tal–Gang–Art–Verein. Dieses Jahr aber kamen neue dazu, weswegen es mehr Essen als sonst gab. Vietnam sei beispielsweise das erste Mal vertreten, so Feil. Dafür lohnt sich der große Aufwand, der nicht nur von Tal–Gang–Art betrieben wird. Das Kinder– und Jugendbüro Albstadt war beispielsweise mit einem Kunstatelier vertreten, der CVJM Tailfingen hat einen Flohmarkt organisiert, der Weltladen Ebingen hat unter anderem Kuchen verkauft, und die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen bot gemeinsam mit ihrem Familienzentrum ein Bastelangebot an. Zusätzlich hatte das Maschenmuseum kostenlos geöffnet, und auch das Café am Markt sowie das Kulturamt der Stadt unterstützten das Fest.
„Kultur ist der Herzschlag jeder Stadt und beginnt im Herzen jedes einzelnen“, sagte Erster Bürgermeister und dritter Vorsitzender des Vereins, Udo Hollauer, in seiner Begrüßungsrede. „Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten, und was wir sehen, beunruhigt viele und fordert uns alle heraus.“ Hollauer nutzte die Gelegenheit und das Zusammenkommen derart vieler Nationen und Menschen, um politisch zu werden. „Wir werden von einer Bundesregierung regiert, dessen Fähigkeiten zu Recht infrage gestellt werden, aber auch bei der Opposition herrscht viel Leere und wenig Kompetenz.“ Dafür erntet er Applaus von den Gästen. Es fehlen Antworten bei den Themen Klimaschutz, Integration, Demokratie, Bildung, Gesundheit und Mobilität, so der Bürgermeister. Dennoch sei dies kein Grund, sich „linken und rechten Ideologien zuzuwenden“, findet Udo Hollauer wenige Tage nach dem Stauffenberg–Gedenktag klare Worte. „Nehmen sie unsere Sorgen ernst und handeln sie dementsprechend“, fordert er von den großen Parteien.
Mit der LaTaTa soll ein Zeichen für Demokratie und Völkerverständigung gesetzt werden. „Wir möchten den Blick schärfen für gegenseitigen Respekt, Toleranz und Akzeptanz von Bürgerinnen und Bürgern unterschiedlicher internationaler Herkunft und verschiedener Religionen“, sagte Hollauer und fügte hinzu: „Wir wollen die Erfahrung vermitteln, dass Unterschiede auch bereichern können.“
220 Jahre MKL Den wenigsten ist es vergönnt, in einem Schloss zu feiern. So hatte die Musikkapelle Frohsinn Lautlingen (MKL) wahrscheinlich die beste Kulisse am Wochenende. Schließlich feierte der Verein sein 220–jähriges Bestehen im Schlosshof. So viele Jahre wird in Lautlingen bereits Musik gemacht und die stand natürlich am Sonntag im Vordergrund. Die Besucher mussten das Fest daher nicht suchen, sondern einfach der Musik folgen.
Zur Mittagszeit genossen die zahlreichen Besucher die Plätze im Hof und ließen sich von Vereinsmitgliedern und Helfern bedienen. Dabei stieg sehr schnell der Duft von brennendem Holz in die Luft, mit dem der Schwenkgrill angeheizt wurde. Musikalisch wurde es unter anderem mit dem Musikverein Ringingen, der zur Mittagszeit mit seinem Orchester auftrat, der eigenen Jugendkapelle und dem Musikverein Gruol.
220 Jahre, das lässt sich kaum gebührend festhalten, trotzdem gelang es der MKL: In der Gedenkstätte war eine Leinwand aufgebaut, auf der mit Fotos zumindest die jüngere Vereinsgeschichte präsentiert wurde. Dort sah man unter anderem die vielen Ausflüge, die der Verein seinen Mitgliedern anbieten konnte sowie diverse Konzertbilder. Die werden künftig etwas anders aussehen, schließlich beschenkte sich die Kapelle zum Geburtstag mit neuen Vereinsuniformen selbst.
Sommerfest Festliche Kleidung ganz anderer Art fanden die Gäste des Sommerfests der Donauschwaben und Siebenbürger Gemeinschaft Albstadt vor, beispielsweise eine ungarische Bauerntracht. Mit Musik der Donauschwäbischen Blaskapelle Pforzheim wurde diese tanzend auf dem ausgelegten Parkett präsentiert. Diese Gelegenheit nutzten auch die Besucher. „Es sind mehr Besucher gekommen als angenommen“, sagte Ortsverbandsvorsitzender der Albstädter Donauschwaben Matthias Schwarz. Aufgrund des starken Windes ging er von weniger aus.
Der sollte die Reutlinger Donauschwäbische Tanz– und Folkloregruppe nicht davon abhalten, einige Tänze zu präsentieren. Die Reutlinger Gruppe ist eine der ältesten donauschwäbischen Tanzgruppen. Hoher Besuch also am Sonntag auf Langenwand, der unter anderem vom Vizepräsident des Weltdachverbands der Donauschwaben, Jürgen Harich, beehrt wurde.


























