Demonstration in Albstadt
: 800 Menschen gegen die Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle

Am Sonntag demonstrierten etwa 800 Menschen gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der Kreissporthalle in Ebingen.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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  • Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.⇥

    Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.⇥

    Rena Weiss
  • Oberbürgermeister Roland Tralmer (rechts) und Grünen-Stadtrat Markus Ringle beobachten die Demonstranten vom Rathauseingang aus.

    Oberbürgermeister Roland Tralmer (rechts) und Grünen-Stadtrat Markus Ringle beobachten die Demonstranten vom Rathauseingang aus.

    Rena Weiss
  • Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

    Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

    Rena Weiss
  • Die Gegendemonstranten sind mit Polizeibeamten von der eigentlichen Demonstration getrennt.

    Die Gegendemonstranten sind mit Polizeibeamten von der eigentlichen Demonstration getrennt.

    Rena Weiss
  • Die Gegendemonstranten sind mit Polizeibeamten von der eigentlichen Demonstration getrennt.

    Die Gegendemonstranten sind mit Polizeibeamten von der eigentlichen Demonstration getrennt.

    Rena Weiss
  • Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen. Am Mikrofon: Marco Stumpp, der die Demo angemeldet hatte.

    Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen. Am Mikrofon: Marco Stumpp, der die Demo angemeldet hatte.

    Rena Weiss
  • Unter den Gegendemonstranten ist Grünen-Stadtrat Friedrich Rau und seine Frau Gabriele Knupe (rechts).

    Unter den Gegendemonstranten ist Grünen-Stadtrat Friedrich Rau und seine Frau Gabriele Knupe (rechts).

    Rena Weiss
  • Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

    Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

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  • Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

    Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

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  • Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

    Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in der Kreissporthalle in Ebingen.

    Rena Weiss
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Oberbürgermeister Roland Tralmer blickt vom Eingang des Ebinger Rathauses auf die Demonstranten. Neben ihm stehen mehrere Polizeibeamte, nicht aber zu seinem Schutz, sondern um den erhöhten Blick auf die Menge zu nutzen. Schutz brauche er keinen, sagt Tralmer am Sonntag gelassen. Er habe erwartet, dass zahlreiche Menschen erscheinen, um von ihrem Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen. „Wir können froh sein, in einer Demokratie zu leben, in der sich Menschen versammeln und ihre Meinung kundtun dürfen.“ In Russland wäre dies sicherlich nicht so möglich, ergänzt er.

Jetzt handelt das Landratsamt – Kreissporthalle Albstadt wird vorübergehende Ankunftsstation

Entspannt ist der Oberbürgermeister auch deswegen, weil sich die Demonstration gegen die ungebremste Zuwanderung in ganz Deutschland richtet – ein Problem, für das auch die AfD keine Lösung habe, ist Tralmer überzeugt. „Das Problem ist auf Bundesebene angesiedelt. Die Bundespolitik muss sich im Immigrationsbereich entschieden ändern. Es kann nicht so weiter gehen.“ Das aber habe mit der Kreissporthalle nichts zu tun, so Tralmer. Der Fokus der Stadt liege nun darauf, eine Lösung für den Schulsport und die Vereine zu finden.

Dass es so nicht weitergehen kann, sehen auch die rund 800 Demonstranten. Darunter Marco Stumpp. Der Albstädter und die „Albstadt steht auf“ stecken hinter den Sonntagsspaziergängen, die seit Beginn der Pandemie regelmäßig durch die Ebinger Innenstadt ziehen und nicht etwa die AfD. Gegenüber unserer Redaktion betonte Marco Stumpp mehrmals, dass „Albstadt steht auf“ zu „Deutschland steht auf“ gehört und nichts mit der Partei zu tun hat. Trotzdem rief AfD-Landtagsabgeordneter Joachim Steyer ebenfalls zur besagten Demo auf und durfte im Anschluss noch einige Worte sagen, für die Stumpp zu Beginn der Demo Werbung machte.

AfD darf sprechen, aber nicht mit veranstalten

In diesen Reden wurden von Ängsten gesprochen. „Es sind Ängste da, dass es nicht gut geht“, erklärt Stumpp. „Hier werden Bürger hintergangen“, fügt er hinzu. Niemand habe die Bürgerschaft gefragt, ob sie in der Kreissporthalle eine Flüchtlingsunterkunft wollen. „Und keiner denkt an die Risiken.“ Außer Stumpp, der von den jungen Schülerinnen der Walther-Groz-Schule spreche und impliziert, dass sich diese vor den jungen Männern, die in der Sporthalle untergebracht werden sollen, wohl fürchten müssen. „Wir wissen, was diesen jungen Mädchen ständig passiert.“ Trotzdem seien man „absolut nicht fremdenfeindlich.“

Während sich die Demonstranten um Stumpp am Rathaus scharen, finden sich etwa 15 Gegendemonstranten auf Höhe der Buchhandlung ein. Näher lässt sie die Polizei aus Sicherheitsgründen nicht heran. Gabriele Knupe und ihr Mann, Grünen-Stadtrat Friedrich Rau, haben die spontane Gegendemo organisiert. Auf ihren Plakaten stehen „Wir schaffen das“, „Solidarität mit den Geflüchteten“ und „Omas gegen Rechts“.

Roland Tralmer stellt sich Demonstranten

Zum Ende stellte sich Roland Tralmer der demonstrierenden Menge, obwohl einem davon stets abgeraten werde. „Vor dem Albstädter Rathaus möchte ich aber der AfD nicht die Straße überlassen.“ Er wolle keine unberechtigte Migration in Deutschland. „Wir müssen vor Ort Sorge tragen, dass die Situation nicht ausartet.“ Die Stadt habe ein Hallenproblem. Unter der Entscheidung des Landratsamtes leiden die Schülerinnen und Schüler und Vereine. Die Stadtverwaltung seie an einer Lösung dran und die Nutzung möglichst kurz bleibe. „Gemeinsam mit der Polizei und dem kommunalen Ordnungsdienst werden wir für Sicherheit sorgen, so gut es überhaupt möglich ist.“ Doch die Demonstranten unterbrechen Roland Tralmer immer wieder mit Zwischen- und Buhrufen.

Der gesamte Landkreis in der Pflicht

Oberbürgermeister Roland Tralmer appellierte kürzlich in einem Video an die Kommunen im Zollernalbkreis, die ihrer Unterbringungspflicht noch nicht nachgekommen sind. „Ich erwarte schlicht und ergreifend vom Landkreis wie auch den anderen Kommunen unseres Kreises Solidarität und eine entsprechend anteilige Übernahme der Lasten.“

Auch ihm und der Stadtverwaltung sei dieser Vorgang des Landratsamts ein Dorn im Auge. Der sei letztlich notwendig geworden, weil andere Immobilien, auch in anderen Städten und Gemeinden dieses Kreises, bis dato nicht zur Verfügung gestanden sind, ergänzt Tralmer. In Burladingen wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung mitgeteilt, dass die Stadt jetzt 37 Plätze zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung hat. Von denen seien allerdings 16 schon wieder verplant. Das Burladinger Konzept, so Bürgermeister Davide Licht, scheitere, wenn der Landkreis der Stadt schneller Personen zuweise, als man die unterbringen könne.

Zudem verurteilte Roland Tralmer den Ton in den sozialen Medien. Seit bekannt wurde, dass die Kreissporthalle zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wird, wurde dieses Thema mit Hasskommentaren, Beleidigungen, Unwahrheiten und Anschuldigungen diskutiert. Von Sachlichkeit keine Spur. Dagegen wolle der Oberbürgermeister vorgehen.