Caritas in Albstadt
: Integrationsmanagement bedarf ein hohes Maß an Empathie

Die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau bietet kostenlose Sozialberatung für Geflüchtete an. Eine Arbeit, die viel Empathie erfordert, so die Leiterin der Dienste, Cyra Scharnberger.
Von
Rena Weiss
Albstadt
Jetzt in der App anhören

Die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau bietet kostenlose Sozialberatung an. Geht es dabei um Geflüchtete, kümmert sich das Integrationsmangament (von links): Cyra Scharnberger, Leiterin der Caritas-Dienste Integratio, und Julian Stauß, Integrationsmanager.⇥

Rena Weiss

Zwischen Januar und April 2023 wurden in Deutschland fast 111 000 Asylanträge gestellt, davon knapp 102 000 Erstanträge. Nicht darin inbegriffen sind ukrainische Schutzsuchende. Seit Ende Februar 2022 wurden rund 1,06 Millionen ukrainische Staatsbürger in Deutschland registriert, teilt der Mediendienst Integration mit. Im Zollernalbkreis wurden 2397 registrierte Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit aufgenommen. Derzeit sind 258 ukrainische Staatsangehörige im Ankunftszentrum Meßstetten untergebracht, in Albstadt leben 479. Für diese Menschen bietet die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau kostenlose Sozialberatung an und der Bedarf wächst.

Einheitliche Integrationspolitik

Das Integrationsmanagement (IM) der Caritas kümmert sich dabei nicht nur um Ukrainer, sondern um alle Geflüchteten, vornehmlich diejenigen, die in der Anschlussunterbringung leben. Das IM ist entstanden, um die Integration von Geflüchteten zu beschleunigen, erklärt Wladislaw Gerschanik, einer der Integrationsmanager. Allerdings entspricht dies einem Beschluss auf Landesebene, daher gibt es unterschiedliche Formen des IM. Es gibt jedoch Überlegungen, das IM auf Bundesebene auszuweiten. „Es fehlt eine einheitliche Integrationspolitik“, prangert Gerschanik, der ukrainische Wurzeln hat, an. „Die Verbände sind sich eigentlich einig, dass das anders gesteuert werden sollte“, ergänzt Cyra Scharnberger, Leiterin der Caritas-Dienste Integration.

Es ist, wie in vielen Bereichen in Deutschland, die Bürokratie, die Prozesse verlangsamt. Das merken auch die Caritas-Mitarbeiter. Manche Anträge umfassen mehr als zehn Seiten und alles muss belegt werden. Das überfordert auch Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind. „Es existieren eigentlich keine Schulungen oder Fortbildungen dafür“, sagt der Ukrainer. Mittlerweile aber habe die Caritas Handreichungen mit den wichtigsten Informationen, auch für ehrenamtliche Helfer. „Ich bin fast schon ehrfürchtig, wie das unsere Mitarbeiter schaffen“, so Scharnberger.

„Es bedarf eines hohen Maßes an Empathie, gesunden Menschenverstands und Fachlichkeit“, beschreibt sie eine Arbeit, bei dem das IM-Team oft mit Schicksalen konfrontiert wird. „Es gibt Tage, an denen Personen zu uns kommen, die wirklich gar nichts mehr haben. Da geht es ums nackte Überleben.“

Meist geht es bei den Klienten um Leistungen wie Bürgergeld, Wohnungs- und Jobsuche, Schwangerschaften und Arztsuche sowie Familienzusammenführung. „Unsere Palette ist breit“, sagt Gerschanik, „selten werden wir mit etwas Außergewöhnlichem konfrontiert.“ Bei diesen Themen können die Mitarbeiter helfen, Formulare auszufüllen oder sie an weitere Träger wie Landratsamt, Auslandsbehörde, Vereine und Ehrenamtliche vermitteln. „Wir sind in Albstadt sehr gut aufgestellt, was die Zusammenarbeit mit den Trägern anbelangt“, betont Scharnberger, „alle arbeiten sehr gut zusammen.“

Sprachbarriere ist ein große Problem

Doch vieles steht und fällt mit der Sprachbarriere und da wird ein Problem deutlich: Es gibt zu wenige Sprachkurse für alle Geflüchteten. „Die Jobsuche beispielsweise ist eine extreme Hürde, selbst mit Sprachkenntnissen“, erklärt Julian Stauß, ebenfalls Integrationsmanager.

Ein Grund für nicht ausreichende Sprachkurse ist mangelndes Lehrpersonal. Wie bei jedem Fachpersonal lassen sich diese nicht einfach aus dem Boden stampfen. „Die Volkshochschulen suchen händeringend Dozenten.“ Ein weiterer Grund ist fehlende Kinderbetreuung. Gerade aus der Ukraine sind viele Mütter geflohen, die an den Kursen nur mit Betreuung teilnehmen können. Die Caritas versucht, mit verschiedenen niederschwelligen Angeboten einen Ausgleich zu schaffen.

Und was sagt das IM zu kritischen Stimmen, die sich ein solches Angebot auch für deutsche Staatsbürger wünschen? „Unsere Sozialberatung ist für alle“, betont Cyra Scharnberger. „Es geht bei uns niemand ohne Hilfe hinaus, wenn wir helfen können.“ Julian Stauß ergänzt: „Bei jeder Krise gibt es Stimmen, die behaupten, wir können nicht mehr. Aber wir kommen jedes Mal als Land, als Gesellschaft wieder raus aus der Krise und das als eines der wohlhabendsten Länder in Europa.“

Finanzierung des Integrationsmanagements

Das kostenlose Angebot der Caritas im Bereich des Integrationsmanagements wird von den Kommunen und dem Landkreis finanziert. Die Zahl der Klienten nimmt jedoch zu. Deswegen würde sich die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau eine bessere personelle Ausstattung wünschen.

Für die Zukunft hofft das Team einhellig darauf, „dass Integration nicht mehr nötig ist, weil alle einfach so zusammenleben.“ Das sei die Wunschvorstellung, realistischer ist die Aussicht, dass eine Integration in der Gesellschaft, Arbeit, Gesundheit, Sozialleben und Bildung weiter ermöglicht wird. „Und, dass der soziale Wohnbau weiter gefördert sowie die Bürokratie abgebaut wird, um Prozesse zu beschleunigen.“