Bundesweiter Vorlesetag: Von Yetis und vorlauten Katern

SWP-Redakteur Sebastian Buck liest am bundesweiten Vorlesetag den Dritt- und Viertklässlern in der Ignaz-Demeter-Schule in Laufen aus dem Buch „Bitte nicht öffnen – bissig“ vor.⇥
Vera BenderWar es nicht immer schön, wenn man als kleines Kind von den Eltern oder Großeltern eine schöne Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekommen hat? Früher, als vor dem Abend kein Fernsehprogramm lief – tagsüber war auf dem Röhrenbildschirm das berühmte Testbild oder „Schneetreiben“ zu sehen – und es überhaupt nur drei Programme gab.
Früher, als man Internet, Smartphone oder Tablet als Konstruktionen in einem Science-Fiction-Film verortet hätte. Und es in Sachen Spielekonsolen den berühmten Commodore 64 gab, bei dem man ein weißes Quadrat auf grünem Hintergrund von einer Seite zur anderen schicken konnte, was sich Tennis genannt hat. Zu dieser Zeit konnte man sich wahrlich nichts Schöneres vorstellen, als dass ein Erwachsener einem etwas Spannendes vorliest und man das Geschehen vor seinem geistigen Auge fantasievoll aufleben lassen kann.
Zahlreiche Lesebotschafter
Aber auch wenn es heute Playstation, Netflix und Nintendo Switch gibt, so ist das Lesen immer noch eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen. Um dies jedem Kind zugänglich zu machen, gibt es seit dem Jahr 2004 den bundesweiten Vorlesetag. An diesem Tag wird vorgelesen: an Kindergärten und Schulen, an Hochschulen, Bibliotheken, sozialen und anderen Einrichtungen. Gestern war dieser bundesweite Vorlesetag, und in ganz Deutschland gab es über eine Million Lesebotschafter – ob Politiker, Prominente oder „ganz normale“ Leute.
So haben sich auch SÜDWEST-PRESSE-Redakteur Sebastian Buck und seine Kollegin Vera Bender mit Büchern unter dem Arm auf den Weg gemacht. Ziel war die Ignaz-Demeter-Schule in Laufen, wo die beiden schon freudig erwartet wurden. Viel haben sich die Grundschüler schon in den Tagen zuvor mit Büchern und Lesen beschäftigt. So erhielten die Erst- und Zweitklässler durch ihre Klassenlehrerin Larissa Zug bereits Einblicke in Kapitel aus dem Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler. Dies ist auch eines der Lieblingsbücher aus der Kindheit von Redakteurin Bender. Kein Problem. Sie schwenkte kurzerhand auf eine andere Geschichte um: Pettersson und Findus.
Kapitel um Kapitel gefordert
Auch diese Geschichte, wie sich der kleine, freche Kater und der tüftelnde alte Mann auf das Weihnachtsfest vorbereiten und Pettersson plötzlich eine Weihnachtsmannmaschine bauen will, kannten viele der Mädchen und Jungen schon. Trotzdem forderten sie ein Kapitel ums andere ein und lauschten eine Stunde lang gespannt dem Geschehen, obwohl die meisten ja schon wussten, wie das Geschehen weitergeht.
„Bitte nicht öffnen – bissig“ von Charlotte Habersack war den Dritt- und Viertklässlern von Klassenlehrerin Karin Wieland dann doch nicht wirklich bekannt. Zwei der Schüler hatten schon einmal gelesen, was Sebastian Buck seinen jungen Zuhörern vortrug. Gespannte Stille herrschte im Klassenzimmer, als der Redakteur von dem ominösen Paket vorlas, dessen Inhalt bei seinem Besitzer für allerlei Trubel sorgt.
Motto dieses Jahr: Vorlesen verbindet
Jedes Jahr am dritten Freitag im November setzt der Aktionstag ein öffentliches Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens. Er soll Kinder und Erwachsene für Geschichten begeistern. Das Motto des diesjährigen Vorlesetages lautete „Vorlesen verbindet!“.
Laut einer repräsentativen Befragung von „Vorlesemonitor 2023“ lesen ein Drittel der Eltern ihrem Nachwuchs kaum vor.

