Wahlkreis Tübingen-Hechingen
: Neues Wahlrecht sorgt für Spannung im Rennen um das Ticket nach Berlin

Es ist eine ganze Sammlung an Gründen, warum es im Wahlkreis 290 erstmals der direkt gewählte Bewerber oder die Bewerberin nicht automatisch in den Bundestag schaffen muss und das Ergebnis auf sich warten lassen kann.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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Schwarz-Grünes Tete-a-Tete im Doppelpack: CDU-Bundestagskandidat Christoph Naser (links) begrüßt seine Grüne Konkurrentin Asli Kücük; dahinter die scheidende CDU-Bundestagsabgeordnete, Staatsministerin a. D. Annette Widmann-Mauz, und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Cindy Holmberg.

Das war beim Neujahrsempfang in Hechingen CDU-Bundestagskandidat Christoph Naser (links) ganz eng mit seiner Konkurrentin Asli Kücük (rechts) von den Grünen. Dahinter die scheidende CDU-Bundestagsabgeordnete, Staatsministerin a. D. Annette Widmann-Mauz, und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Cindy Holmberg.

Hardy Kromer
  • Bundestagswahlkreis Tübingen-Hechingen: Ergebnis steht erst Montagmorgen fest.
  • Neue Wahlrechtsreform könnte direkt gewählten Kandidaten ausschließen.
  • CDU-Kandidat Christoph Naser und Grüne Asli Kücük im engen Rennen.
  • "Zweitstimmendeckung" lässt Ergebnis auf sich warten.
  • Linke-Kandidat Ralf Jaster könnte überraschen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den zurückliegenden Tagen wurde es in ausgewählten Wahlkreisen mehr und mehr zum beherrschenden Thema: Wegen des neuen Wahlrechts kann es durchaus passieren, dass ein Kandidat mit den meisten Erststimmen doch nicht Mitglied des Bundestags wird. Der Wahlkreis Tübingen-Hechingen gehört dazu.

Deshalb gibt es auch nicht Übliches von den Wahlorganisatoren: Das Landratsamt Tübingen hat am Tag vor der Bundestagswahl in einer Pressemitteilung, verschickt am Samstag um 10.11 Uhr, ein weiteres Mal betont, dass der direkt gewählte Bewerber beziehungsweise die direkt gewählte Bewerberin voraussichtlich erst am Montagmorgen feststehen könnten. Wer für Tübingen-Hechingen im neuen Bundestag zukünftig als Direktkandidat vertreten sein wird, steht demnach erst mit Bekanntgabe des vorläufigen beziehungsweise endgültigen Ergebnisses durch die Bundeswahlleiterin fest. In den frühen Morgenstunden soll man es da erfahren: https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/opendata.html

Für diese ungewohnte Spannung sorgt das neue Wahlrecht. Das soll den Bundestag deutlich verkleinern. Das Gremium ist in der Vergangenheit durch Ausgleichsmandate zu einem Riesenparlament geworden. Damit ist jetzt Schluss.

Die Zweitstimmendeckung

Allerdings dauert es in ausgewählten Wahlkreisen jetzt allerdings deutlich länger, bis es eine Antwort auf die Frage gibt, wer das Ticket nach Berlin bekommt. Es ist vergleichbar mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg und nennt sich „Zweitstimmendeckung“. Die Parteien bekommen nur so viele Abgeordnete, wie ihnen nach dem Landesergebnis zusteht. Deshalb ist ein überdurchschnittliches Wahlkreisergebnis so wichtig: Bekommt heute in Tübingen-Hechingen der CDU-Kandidat Christoph Naser zwar die meisten Erststimmen, kann er trotzdem erst aufatmen, wenn ihn nicht zu viele Christdemokraten in anderen Wahlkreisen übertrumpfen. Naser selbst ist nicht auf der Landesliste vermerkt, weil er auf seine Wählerschaft vertraut, wie er sagt.

Kann Grün Schwarz schlagen?

Die Grüne Asli Kücük ist auf der Landesliste ihrer Partei, allerdings nicht eben weit vorne. Sie hätte eine richtige Chance, wenn sie Christoph Naser bei den Erststimmen schlagen würde. Das wäre gleichzusetzen mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis, mit dem sie grüne Konkurrenz hinter sich lassen könnte. Die CDU hat im Wahlkreis nur ein einziges Mal ihr Direktmandat verloren. Das war bei der Wahl nach der Helmut-Kohl-Ära, als Herta Däubler-Gmelin (SPD) sensationell siegte.

Kompliziert? Einen haben wir noch: Sollte die Linke weiterhin im Aufschwung sein, gar zweistellig werden, hätte deren Tübinger-Hechinger Bewerber Ralf Jaster ebenfalls Chancen. Er ist auf Listenplatz 8 seiner Partei.