Blasrohrsport in Albstadt
: Schützengilde bietet neue Sportart an

Früher wurde das Blasrohr zur Jagd verwendet, als Sportgerät ist es weniger bekannt. Das möchte Thorsten Bouillon von der Schützengilde Tailfingen ändern. Er ist begeisterter Blasrohrschütze.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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  • Thorsten Bouillon ist Schießleiter bei der Schützengilde Tailfingen und seit Neuestem auch Kreisobmann für den Blasrohrsport. Diesen bietet die Schützengilde jetzt an.⇥

    Thorsten Bouillon ist Schießleiter bei der Schützengilde Tailfingen und seit Neuestem auch Kreisobmann für den Blasrohrsport. Diesen bietet die Schützengilde jetzt an.⇥

    Rena Weiss
  • Am besten trifft man die Mitte, erklärt Thorsten Bouillon.

    Am besten trifft man die Mitte, erklärt Thorsten Bouillon.

    Rena Weiss
  • Die neuen Blasrohre für die Schützengilde Tailfingen sind bereits in der Mache.

    Die neuen Blasrohre für die Schützengilde Tailfingen sind bereits in der Mache.

    Thorsten Bouillon
  • Thorsten Bouillon beim Blasrohrschießen im Tailfinger Schützenhaus.

    Thorsten Bouillon beim Blasrohrschießen im Tailfinger Schützenhaus.

    Rena Weiss
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Südamerika, 977 vor Christus, ein Mann schleicht barfüßig durch den Amazonas-Regenwald auf der Suche nach Nahrung. Seine Hände umklammern ein Blasrohr, in dem sich ein Giftpfeil befindet. Präzise visiert er ein Tier an, holt Luft und pustet den Pfeil durch das drei Meter lange Rohr. Ein solches Bild hat sich bei vielen Menschen in den Köpfen eingebrannt, wenn sie Blasrohrschießen hören. Dass es aber auch ganz anders aussehen kann, zeigt die Schützengilde Tailfingen.

Mit der Jagd hat das moderne Blasrohrschießen in Deutschland nichts zu tun. „Die Jagd mit einem Blasrohr ist in Deutschland absolut verboten. Nicht mal Jäger dürfen das“, stellt Thorsten Bouillon klar. Er ist Schießleiter der Schützengilde und seit Mitte März auch Kreisobmann für den Blasrohrsport. „Wir distanzieren uns von der Jagd mit Blasrohr. Bei uns gibt es nur eine Jagd nach Punkten.“ Denn beim Deutschen Schützenbund (DSB) wird Blasrohrschießen als Sport gelistet und als solcher wird er künftig auch bei der Schützengilde angeboten.

Als Kind mit Erbsen geschossen

Daran ist Bouillon nicht unbeteiligt. „Das Blasrohr hat mich eigentlich schon seit meiner Kindheit begleitet.“ Er verbrachte viel Zeit draußen in der Natur. Als seine Freunde und er dann auf dünne, lange Rohre aus der Aquaristik gestoßen sind und feststellten, dass man mit ihnen wunderbar getrocknete Erbsen schießen kann, entwickelte sich das Hobby. „Für 1,50 D-Mark hat sich dann jeder im Aquaristik-Handel so ein Ding besorgt und ein Päckle Erbsen im Supermarkt für 50 Cent. Da waren wir den ganzen Mittag beschäftigt“, erinnert sich der Obmann.

Wie es beim Älterwerden so ist, schlief das Hobby zunächst ein, bis der Trend des Blasrohrschießens aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland schwappte. „Die Amerikaner nutzen das Blasrohr gerne zur Kleintierjagd. Als Sport war es zunächst nicht weit verbreitet.“ In Bayern gebe es mehr Fans der jungen Sportart. „Ich habe dort viele Freunde. Wir streifen dann durch die Natur und an der Isar entlang und versuchen, den Leuten diesen Sport zu vermitteln.“ Es werde gut angenommen, so Bouillon. „Der Sport steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.“

Wahrscheinlich der erste Verein in der Region

Damit der Bekanntheitsgrad auch in Baden-Württemberg zunimmt, bietet die Schützengilde Tailfingen künftig den Sport bei sich an – „als wahrscheinlich erster Verein in der Region“.

Das Schöne am Blasrohrschießen ist, dass generationenübergreifend trainiert werden kann. „Der Sport eignet sich bereits für Kinder ab dem siebten Lebensjahr und kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden. Jeder, der einen Luftballon aufblasen kann, ist für den Sport geeignet.“ Behinderungen seien ebenfalls kein Hindernis, solange das Rohr gehalten werden kann. „Ich möchte alle erreichen.“

Ausprobieren am Ostereierschießen

Damit dies gelingt, können Interessierte am Sonntag, 2. April, beim traditionellen Ostereierschießen der Schützengilde im Schützenhaus auch Blasrohrschießen ausprobieren. Am Montag fand sich die Vorstandschaft zusammen und stimmte positiv über die Anschaffung mehrerer Blasrohre, Ständer und Zielscheiben ab. Etwa 700 Euro investiert der Verein in den neuen Sport.

Vier kurze (C-Klasse) und zwei lange (B-Klasse) Blasrohre können in Tailfingen ausprobiert werden. Die kurzen haben eine Länge von 1,20 Meter und eignen sich eher für die Kinder, die langen mit etwa 1,60 Meter Länge für Jugendliche und Erwachsene. „Kinder können die Kurzen besser hantieren.“ Der DSB erlaubt jedes Rohr zwischen 1 und 1,70 Meter. Beim Blasrohr-Sportverband Deutschland sind andere Längen erlaubt.

Tochter Erste in der C Jugend

Bouillon kennt sich mit den unterschiedlichen Regularien bestens aus, war er schon auf einigen Meisterschaften. Zuletzt bei der Deutschen Meisterschaft. Dort trat auch seine Tochter Julia Bouillon an. Die 14-Jährige erlangte den ersten Platz in Klasse C Jugend. „Als sie sechs Jahre alt war, habe ich ihr erstes Blasrohr gekauft. Ich bin stolz darauf, was sie in kurzer Zeit erreicht hat.“

Solche Erfolgserlebnisse seien in dem jungen Sport keine Seltenheit. Bouillon hofft, dass die Schützengilde auch bei der Landesmeisterschaft im Juli erfolgreich vertreten sein wird. 2024 ist zudem die Europameisterschaft in Frankreich. Dort gibt es mittlerweile auch Meisterschaften für behinderte Menschen.

Info Am Sonntag, 2. April, findet das traditionelle Ostereierschießen der Schützengilde Tailfingen im Schützenhaus, Schönbuch 3, statt. Geschossen wird mit dem Luftgewehr auf zehn Meter Distanz und mit dem Blasrohr. Weitere Infos gibt es online.

www.schuetzengilde-tailfingen.de

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Was braucht es zum Ausüben des Sports?

„Blasrohrschützen sind Improvisationstalente“, sagt Thorsten Bouillon, „außerdem ist es kein teurer Sport“. Theoretisch lassen sich Blasrohre selbst bauen, aber sie sind auch kostengünstig zu kaufen. Ab 40 Euro bekomme man schon ein wettbewerbsfähiges Blasrohr, so der Schütze. Nach oben hin gibt es allerdings kaum Grenzen. Pulverbeschichtet, mit Lederumwicklungen und selbst konstruierte Mundstücke haben ihren Preis. Da kann es auch dreistellig werden.

Zusätzlich benötigt es einen Scheibenträger. „Dafür eignen sich Staffeleien aus dem Künstlerbedarf.“ Diese sind meist aus Holz, es gibt aber auch welche aus Aluminium. Als Auflage für die Zielscheibe benötigt es noch Schaumstoff, der mindestens so dick ist, wie die Pfeile lang sind. „Darauf kommt ein Sechserspiegel und dann ist man im Prinzip schon so weit.“

Für den Vereinssport ist allerdings Putzzeug und Desinfektionsmittel unabdingbar. Denn jeder Schütze hat das Mundstück, wie der Name schon sagt, am Mund. Allerdings gibt es auch Wechselmundstücke.

Im Waffengesetz ist das Blasrohr zwar als Waffe gelistet, aber nicht als Schusswaffe, deswegen ist auch keine Waffenbesitzkarte notwendig. „Es zählt offiziell als Spielzeug und wird auch als solches verkauft“, erklärt Bouillon. Zudem beruhigt er: „Es wird akribisch auf Sicherheit geachtet“, sowohl bei der Schützengilde als auch bei Turnieren.