Es ist eine neue Masche von Kriminellen. Sie geben sich als vermeintliche Tochter ihrer Opfer aus, schreiben den Zielpersonen eine WhatsApp und bitten diese um finanzielle Hilfe. So erging es einer 60-jährigen Frau aus Albstadt vor Kurzem – sie überwies das Geld – eine vierstellige Summe –, bevor der Betrug aufflog.
Diese Betrugsmasche wird aktuell häufig von den Tätern eingesetzt. Sie ist eine von vielen. Eine besonders tückische Variante: Die Kriminellen geben sich beim ersten Anruf als Neffe des Seniors aus, beim zweiten als Landeskriminalpolizist, der den Telefonbetrügern angeblich auf der Spur sei. Bevorzugte Ziele der Betrüger sind Senioren. Und: „In 50 Prozent der Fälle haben die Geschädigten das Geld bei der Bank abgehoben“, erklärt Polizeisprecher Michael Schaal vom Reutlinger Präsidium. An den Automaten können meistens nur geringere Beträge abgehoben werden, was bedeutet: Vor der Geldübergabe haben die Opfer Kontakt mit einer realen Person am Schalter der Geldinstitute – werden sie dort nicht nochmals gewarnt?

Schulen und sensibilisieren

„Wir informieren, schulen und sensibilisieren unsere Mitarbeiter gerade im Kundenkontakt regelmäßig zum Thema Betrugsprävention“, erklärt Ralf Hirmer, Leiter Kommunikation der Sparkasse Zollernalb. Aus Sicherheitsgründen könne man keine konkreten Angaben zu Maßnahmen und Verhaltensvorgaben machen – hier besteht ansonsten die Gefahr, Betrügern unbeabsichtigt Tipps zu geben, „mit denen sie dann ihr Vorgehen auf unsere Maßnahmen hin anpassen“.

Kunden sind mündige Bürger

Dennoch nimmt das Thema bei der Sparkasse Zollernalb einen hohen Stellenwert ein. „Bei einem Verdachtsfall sprechen wir die Kundinnen und Kunden an und berichten ihnen von Betrugsmaschen. Auch fragen wir, wofür das Geld bestimmt ist. Gerade, wenn ein älterer Kunde eine auffällig hohe Summe ausgezahlt haben möchte“, sagt Hirmer. Teils mit Erfolg: „Es ist schon mehrfach gelungen, Betrugsversuche aufgrund unseres sensiblen Vorgehens erfolgreich zu verhindern.“
Die hohen Summen liegen im fünfstelligen Bereich, also ab 10 000 Euro. Doch die Täter reagieren am Telefon schnell und versuchen im Gespräch mit den Opfern möglichst viele Informationen zu gewinnen. „Die Täter fordern im Rahmen der entsprechenden Lügengeschichte bereits einen bestimmten Betrag, der meistens im fünfstelligen Bereich liegt“, erklärt Michael Schaal. „Im Verlauf des Gesprächs mit den Geschädigten wird dann deren tatsächliche Vermögenssituation erfragt.“
Doch wie der Polizei sind auch den Banken ab einem bestimmten Punkt die Hände gebunden. Warnen, warnen, warnen – doch darüber hinaus wird es schwierig. „Rechtlich gesehen dürfen wir nicht eingreifen“, sagt Sparkassen-Sprecher Hirmer. Denn: „Unsere Kunden kommen als mündige Bürger zu uns.“ Was auch bedeutet, dass die Opfer keine Chance haben, ihr Geld zurückzuverlangen.
Andere Geldinstitute geben indes – ebenfalls aus Sicherheitsgründen – kaum Informationen heraus. Denn auch die Täter wissen, dass ihre potenziellen Opfer am Schalter nach dem Grund für die Abbuchung gefragt werden. „Sie sollen dann einen anderen Grund angeben und verneinen, dass sie im Vorfeld angerufen wurden“, erklärt Polizeisprecher Schaal. Die Polizei rät daher immer: Gar nicht erst auf ein Gespräch am Telefon einlassen (siehe Info-Kasten).

Ältere Namen, kurze Nummern

Die Betrugsmaschen am Telefon sind folglich oft kaum zu durchschauen und für jeden Bürger gefährlich.
Dass die Täter vorzugsweise ältere Frauen und Männer auswählen, ist keinesfalls ein Vorurteil, sondern Realität. Die Senioren werden gezielt ausgesucht, „sämtliche Geschädigte stehen im Telefonbuch, teilweise mit komplettem Namen und Anschrift“, erklärt der Reutlinger Polizeibeamte Michael Schaal. Die Kriminellen achten auf älter klingende Vornamen und kurze Rufnummern, die darauf schließen lassen, dass der Telefonanschluss schon lange besteht.

Gar nicht auf ein Gespräch einlassen

Immer wieder stellt die Polizei unterschiedliche Kombinationen von Betrugsmaschen fest. Auf die vielen Tricks, mit denen es den Tätern gelingt, selbst Opfern, die die Betrugsmaschen kennen, das Geld doch aus der Tasche zu ziehen, kann nicht immer einzeln eingegangen werden. Wichtig für die Bürger ist: Die Polizei wird Bürgerinnen und Bürger nie zur Übergabe von Geld oder Wertsachen auffordern. „Lassen Sie sich deshalb auf derartige Gespräche nicht ein! Die Betrüger finden auf Ihre Fragen und Einwände immer eine passende Antwort, um Ihre Zweifel zu zerstreuen“, betont das Reutlinger Polizeipräsidium.
Das heißt: Sofort auflegen, keine Nummern wählen, die von den Anrufern zur Überprüfung der Richtigkeit der erlogenen Geschichte angeboten wird. Stattdessen selbst die Nummer der Polizei in der Nähe heraussuchen und dort anrufen. Auch die Notrufnummer 110 erst wählen, wenn man aufgelegt hat.