Ausbildungsmesse „Startklar“
: Justizvollzugsanstalt wirbt mit dem Slogan „Der schnellste Weg ins Gefängnis“

Am Donnerstag wurde die Ausbildungs- und Studienmesse „Startklar“ in der Sporthalle der Tailfinger Lutherschule eröffnet. Die Aussteller lockten mit interessanten Gadgets.
Von
Vera Bender
Albstadt
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Die Ausbildungs- und Studienmesse Startklar hat gestern in Ebingen eröffnet.

Die Ausbildungs- und Studienmesse Startklar hat gestern in Ebingen eröffnet.

Vera Bender
  • Ausbildungsmesse „Startklar“ in Tailfingen eröffnet.
  • Über 50 Aussteller mit Gadgets und Extras.
  • Justizvollzugsanstalt wirbt mit „Der schnellste Weg ins Gefängnis“.
  • Firmen kämpfen wegen Fachkräftemangel um Nachwuchs.
  • Praktika und individuelle Gespräche besonders wichtig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was soll man für den Beruf des Justizvollzugsbeamten an Handfestem zum Vorzeigen bei einer Ausbildungs- und Studienmesse mitbringen? Diese Frage stellte sich wohl auch die Justizvollzugsanstalt, die um junge Leute an ihrem Stand warb. Allein schon das überdimensionale Plakat mit der Aufschrift: „Der schnellste Weg ins Gefängnis. Eine Ausbildung“ zauberte den meisten Besuchern ein Grinsen auf das Gesicht. Die über 50 potenziellen Arbeitgeber hatten alle irgendeinen Hingucker, ein Gadget, ein Extra an ihren Ständen, um die Schülerinnen und Schüler an ihren Stand zu ziehen.

Ringen um Nachwuchskräfte

Schließlich trudeln Bewerbungen nicht mehr – wie früher – massenhaft in die Personalbüros. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels müssen die Betriebe um Nachwuchskräfte werben. Wie schwer das sein kann, davon kann Reinhold Junker, Ausbildungsleiter bei der Firma Rees Zerspanungstechnik ein Lied singen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es den Jugendlichen oft erst im September einfällt, dass man ja einen Beruf erlernen könnte. Oft vertrödle man dann nach dem Schulabschluss wertvolle Zeit, die man besser in die Ausbildung hätte investieren können. Erleichtert ist Reinhold Junker, dass die Praktikumsplätze gut nachgefragt werden. Denn nur so können sich die angehenden Auszubildenden auch etwas unter Berufen wie dem des Zerspanungsmechanikers vorstellen

Die Gamingstühle bei Interstuhl waren eigentlich ständig belegt.

Die Gamingstühle bei Interstuhl waren eigentlich ständig belegt.

Vera Bender

Als Beispiele liegen kleine Schlüsselanhänger in Würfelform auf dem Tisch, der Stuttgarter Fernsehturm ragt als Miniatur in die Höhe und hat die Restaurantebene sogar beleuchtet. Was die Leute aber tatsächlich an den Messestand zieht, das ist der aufgestellte Tischkicker, an dem sich die Besucher – und auch Aussteller – gerne mal ein Match liefern. Aber so kommt man eben mit der Zielgruppe ins Gespräch.

Eyecatcher als Gesprächseinstieg

Quasi dauerbelegt sind auch die beiden Gamingstühle der Firma Interstuhl. Eigentlich ist der Büromöbelhersteller eher bekannt für Stühle, mit denen man Büros, Labore und Werkstätten ausstattet oder insgesamt für das Einrichten von Büroräumen. Aber auf der „Startklar“ punkten sie natürlich mit den Gamingstühlen. Wer nicht gerade zockt, der kann sich über die 20 verschiedenen Ausbildungs- und Studienberufe von Martina Stadelbauer und Ruven Rexrodt informieren lassen. Klassiker hier sind die Ausbildung zum Industriemechaniker und zur Industriekauffrau.

Mit einem Pferd warben Nele Bentur, Lea Mosa und Mark Nemeth am Stand von Loesdau.

Mit einem Pferd warben Nele Bentur, Lea Mosa und Mark Nemeth am Stand von Loesdau.

Vera Bender

Und warum gerade die Nähmaschine am Stand der Firma Mey von vielen Mädels so umringt ist, hat auch einen einfachen Grund, den Personalreferent Yannick Narr erklärt. Wer beim Memoryspiel gewinnt, kann sich ein Oberteil nach Wunsch besticken lassen. Auch er weiß, dass das Ringen um Nachwuchskräfte zäher geworden ist, aber noch kann man die vier bis fünf Ausbildungsplätze zur Mode- und Textilnäherin und zur Mode- und Textilschneiderin regelmäßig besetzen. Individuelle Praktika und Werbung auf Messen wie der „Startklar“ tun laut Narr ihr Übriges.

Berufsbilder breit gefächert

Während die Elektrorollstühle der Firma Alber durch die Halle sausen und auch mal der Minenaufspürroboter der Bundeswehr einem über den Weg läuft, kann man sich bei der SÜDWEST PRESSE einen Schnappschuss aus der Fotobox holen. Lena Brock und Inken Scheel informieren über Volontariat und Praktika, Ausbildungen zum Medienkaufmann oder das Duale Studium der Medien- und Kommunikationswirtschaft.

Inken Scheel und Lena Brock informieren über Ausbildungsmöglichkeiten bei der SÜDWEST PRESSE.

Inken Scheel und Lena Brock informieren über Ausbildungsmöglichkeiten bei der SÜDWEST PRESSE.

Vera Bender

Um körperliche Arbeit geht es definitiv bei der Firma Stingel Straßenbau. Sina Beck von der Personalabteilung berichtet, dass viele Menschen einfach nicht mehr mit vollem Körpereinsatz arbeiten wollen. Dabei gebe es schon viele Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern. Wer an den Stand kommt, das sind vor allem junge Männer, die sich ihren Jungentraum vom Baggerfahrer verwirklichen wollen und die Ausbildung zum Baugeräteführer oder zum Land- und Baumaschinenmechatroniker nachfragen. Straßenbauer ist kaum noch gefragt, dabei handelt es sich um einen krisensicheren Job, wie Sina Beck erläutert. Eben ein Job mit Zukunft und nicht von der Privatwirtschaft abhängig. Die Ausbildungsvergütungen sind hoch und es gibt reichlich Benefits sowie eine betriebliche Altersversorgung.

Jungs- und Mädchenträume

Bleiben wir doch bei den Klischees. Wenn Jungs gerne Bagger fahren, was machen dann Mädels? Genau. Und deshalb hat die Firma Loesdau ein Ausstellungspferd in Originalgröße mit in der Halle, begleitet vom Schäferhund-Modell. Vor allem die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel ist hier sehr gefragt, verrät Ausbildungsleiterin Lea Mosa. Warum das so ist, davon berichtet strahlend Mark Nemeth, der in Kürze diese Ausbildung abgeschlossen haben wird: „Es ist einfach eine gute Basisausbildung. Man durchläuft viele Stationen wie das Marketing, das Lager oder die Finanzbuchhaltung.“ Er wird im Unternehmen bleiben und dann in der Personalabteilung arbeiten.

Auch eine Möglichkeit für die Jobs bei der Justizvollzugsanstalt Rottweil zu werben.

Auch eine Möglichkeit für die Jobs bei der Justizvollzugsanstalt Rottweil zu werben.

Vera Bender

Nicole Schaal vom Veranstalter artistic werbewelten freut sich, dass die Aussteller Zeit haben für individuelle Gespräche mit den jungen Besuchern. Ihrer Erfahrung nach – und das sei auch Meinung der Industrie- und Handelskammer – sind Messen mit über 80 Ausstellern wenig geeignet, weil man dann nur noch im Pulk durchgeschleust werde. Man hatte ein kleines Foyer eingerichtet, wo sich die Besucher niederlassen und auf Leinwand verschiedene Firmenpräsentationen sehen konnten. Außerdem wurden Workshops angeboten. Viel Lob gab es auch für die Bewirtung des Vereins Tanzfabrik aus Balingen, der Getränke und Snacks zu günstigen Preisen im Programm hatte. Heute bewirtet der Club Handicap aus Albstadt.

Und die jungen Leute selbst? Interessieren sie sich wirklich nur für die kostenlosen Give-Aways, die Spiele und die schulfreien Stunden während des Messebesuchs? Nicht unbedingt. Lara möchte beispielsweise Architektin werden, könnte sich aber auch einen Job in der Pflege im Krankenhaus vorstellen. Ihre Freundin Jana interessiert sich für eine Ausbildung zur Erzieherin. Beide sind aber offen und wollen mal sehen, was es sonst noch so gibt.

Die vier Schulkameradinnen der Realschule Bisingen, Melina, Anna, Lill und Ruth sind prinzipiell für alles offen. Vor allem aber sind sie gespannt auf „Firmen, die man noch nicht so kennt“. Für sie soll es ein sozialer Beruf oder etwas im medizinischen Bereich sein. Werbetechnik hat Ruth im Sinn. Ihnen kann auf alle Fälle bei der „Startklar“ geholfen werden.

Tag zwei der Messe „Startklar“

Auch am heutigen Freitag hat die Ausbildungs- und Studienmesse wieder von 9 bis 16 Uhr in der Sporthalle der Lutherschule Tailfingen geöffnet.