80 Jahre Stauffenberg-Attentat: Gedenken an den Widerstandskämpfer

Die Akteure der Stauffenberg-Gedenkfeiern laden zu den Veranstaltungen ein: Eventmanagerin Angelika Berenbrink, Kulturamtsleiter Martin Roscher, Oberbürgermeister Roland Tralmer, Uwe Baur, Leiter Vermögen und Vorsorge bei der Sparkasse Zollernalb, Oberst Michael Frick, Oberstabsfeldwebel Sandro Döring, Kulturamtsmitarbeiter Julian Köhnlein, Zollernalb-Kino-Betreiber Ralf Merkel und die Museumsmitarbeiter Tim Delle und Carina Rosenlehner (von links).
Vera Bender„Operation Walküre“ ist nicht nur der Titel eines im Jahr 2008 gedrehten US-Kinofilms mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Es ist zugleich das Codewort für das am 20. Juli 1944 verübte Attentat auf Adolf Hitler mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Hauptrolle. Jeder kennt die Geschehnisse vor 80 Jahren, als sich einige Offiziere um Stauffenberg zum Ziel setzen, Hitler zu töten und Deutschland, das unter der Diktatur des NS-Führers steht, politisch neu zu ordnen. Mithilfe der Wehrmacht sollte das Regime gestürzt werden. Doch das Attentat scheitert, Hitler überlebt die Bombenexplosion in der Wolfsschanze und die Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht werden im Hof des Bendlerblocks standesrechtlich erschossen.
Andenken wird hochgehalten
Hitler schäumt vor Wut und will die Männer, die im weiteren Kreis beteiligt waren, „wie Schlachtvieh aufgehängt“ sehen. Himmler kündigt bei der Gauleitertagung in Posen zwei Wochen später an: „Die Familie Graf Stauffenberg wird ausgelöscht werden bis ins letzte Glied.“ Dazu kam es glücklicherweise nicht. Ziel der Nationalsozialisten war es unter anderem, jedes Andenken an die Widerstandskämpfer zu vernichten. Auch das ist ihnen nicht gelungen.
Heuer jährt sich das Stauffenberg-Attentat zum 80. Mal. Und deshalb wird man nicht nur, wie jedes Jahr, am 20. Juli eine Gedenkstunde einlegen, sondern es soll noch mehr Programmpunkte zu Ehren Stauffenbergs geben, wie die Beteiligten in ihrer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten. „Wichtig ist, dass wir das Jubiläum des Attentats auf Adolf Hitler in einem größeren und würdigerem Rahmen feiern“, erläuterte Oberbürgermeister Roland Tralmer bei der Zusammenkunft auf dem Areal des Stauffenberg-Schlosses in Lautlingen.

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg.
dpaZwei Gründe für die Bedeutsamkeit in der heutigen Zeit gebe es nach Ansicht des Oberbürgermeisters: Einerseits stehe derzeit die parlamentarische Demokratie von außen durch autoritäre Regime unter Druck und andererseits werde der Wert des Gesellschaftssystems nicht mehr richtig geschätzt. Der Umstand, dass Deutschland von 1933 bis 1945 in einer Diktatur leben musste, werfe zahlreiche Fragen auf, so Tralmer. Stauffenberg und andere hätten damals in Erwägung gezogen, Widerstand zu leisten, sie hätten einen Mord in Erwägung gezogen.
Filmrechte für einen Abend
Die genauen Umstände und Abläufe des 20. Juli 1944 kann man am Donnerstag, 18. Juli, noch einmal auf Großleinwand verfolgen, wenn im Schlossgarten das Open-Air-Kino zum Spielfilm „Operation Walküre“ einlädt. Kinobetreiber Ralf Merkel ist es wichtig, dass der Film an historischer Stätte gezeigt wird. Im Schlossgarten werden zwischen 200 und 250 Stühle aufgebaut sein. „Bei gutem Wetter kann man auch auf der Wiese sitzen. Wir werden niemanden wegschicken, der kommen möchte“, versichert der Inhaber der Zollernalb Kinos. Merkel hat sich entschlossen, die aktuellste Version mit Tom Cruise zu zeigen, obwohl dieser Streifen eigentlich nicht mehr an Kinos verliehen werde. „Ich habe die Rechte für einen Abend bekommen“, zeigt sich Ralf Merkel stolz und ehrfürchtig zugleich: „Es ist unglaublich, was damals riskiert wurde.“
Ebingen im Film erwähnt
Außerdem ist der Spielfilm überaus authentisch. Sogar Albstadt wird darin zweimal erwähnt: „Wir erreichen Ebingen nicht. Ebingen wird wahrscheinlich gerade bombardiert.“ Claus Schenk Graf von Stauffenberg war ein Berufssoldat und deshalb wird auch das Heeresmusikkorps Ulm am Mittwoch, 10. Juli, um 19 Uhr wieder ihr traditionelles Benefizkonzert geben. Im vergangenen Jahr zählte man über 1100 Besucher, so Oberst Michael Frick, und es seien über 6000 Euro an Spenden zusammengekommen. In diesem Jahr sollen diese Spenden zur Hälfte an die Vinzentinischen Ersthelfer und zur Hälfte an das Bundeswehr-Sozialwerk weitergeleitet werden. „Es ist für den Bundeswehrstandort wichtig, mit der Gesellschaft immer weiter zusammenzurücken“, so der Oberst.
Zusammenrücken kann man am Samstag, 13. Juli, ab 19.30 Uhr auch im Saal des Stauffenbergschlosses. Denn dann wird Tim Pröse aus seinem neuen Buch „Wir Kinder des 20. Juli – Gegen das Vergessen: Die Töchter und Söhne des Widerstands gegen Hitler erzählen ihre Geschichte“ lesen. Der wissenschaftliche Museumsmitarbeiter Tim Delle erklärt: „Die Zeitzeugen sterben weg. Es liegt an uns allen, die Erinnerung wach zu halten. Der Spiegelbestseller-Autor beschreibt Stauffenberg sehr nahbar und ungewöhnlich privat.“
Sehr ungewöhnlich geht Museumspädagogin Carina Rosenlehner an die Person Claus Graf Schenk von Stauffenberg heran. In einem Schulprojekt sollen sich die jungen Leute mit dem Familienvater, Soldaten, Widerstandskämpfer und Attentäter auseinandersetzen. Als Influencer seiner Zeit sollen die Schülerinnen und Schüler je eine Facette seiner Persönlichkeit beleuchten, sich mit Stauffenberg differenziert auseinandersetzen, historische Orte finden und Fotos nachstellen. „Die Diskussionskultur geht heutzutage mehr und mehr verloren. Stauffenberg war ein sehr vielschichtiger Mensch“, so die Social-Media-Expertin. Schulen aus Balingen und Rottenburg haben sich laut Rosenlehner bereits angemeldet.
Uwe Baur, Leiter der Sparte Vermögen und Vorsorge bei der Sparkasse Zollernalb, ist es ein großes Anliegen, dass man über Geschichte spreche und davon nicht nur aus Geschichtsbüchern lese, weshalb die Sparkasse – genauso wie die Bundeswehr – als Sponsor auftritt. „Es ist zeitgemäßer denn je, dieses Thema zu beleuchten.“
Gedenkstunde in der Kirche
Die Gedenkstunde am Samstag, 20. Juli, um 18 Uhr in der Kirche St. Johannes Baptista in Lautlingen wird dann den Reigen der besonderen Veranstaltungen zum Höhepunkt bringen. Die Gedächtnisrede wird Professorin Merith Niehuss von der Universität der Bundeswehr München unter dem Titel „Das Attentat und der schwierige Weg zum Staatsbürger in Uniform“ halten. Wie Kulturamtsleiter Martin Roscher versicherte, sei auch die Familie Stauffenberg eingeladen und man erwarte einen Vertreter. Zeitgleich findet allerdings auch eine Feier im Wendlerblock in Berlin statt, zu der ebenfalls die Familie Stauffenberg geladen ist. Man bedauere, dass der verstorbene Ortsvorsteher Heiko-Peter Melle nicht mehr mit dabei ist, so Roscher.
Die einzelnen Veranstaltungen
Benefizkonzert „Bundeswehr meets Brass“ am Mittwoch, 10. Juli, um 19 Uhr im Schlosshof, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.
Lesung mit Spiegelbestseller-Autor Tim Pröse aus seinem neuen Buch „Wir Kinder des 20. Juli“ am Samstag, 13. Juli, um 19.30 Uhr im Stauffenberg-Schloss. Tickets über Reservix.de oder in der Tourist-Information Albstadt.
Open-Air-Kino „Operation Walküre“ am Donnerstag, 18. Juli, um 21.45 Uhr im Schlosshof. Tickets über die Kino-Homepage www.albstadt.zollernalb-kinos.de.
Gedenkstunde mit Vertretern der Stadt, des Landkreises und der Bundeswehr am Samstag, 20. Juli, um 18 Uhr in der Kirche St. Johannes Baptista in Lautlingen. Anschließend Stehempfang in der Schloss-Scheuer.
Schulprojekt unter dem Hashtag „operationstauffenberg“ für Schulen Albstadts und darüber hinaus.

