Württembergisches Kammerorchester
: Beethoven in Ulm, mit voller Energie

Im Kornhaus gibt das WKO aus Heilbronn ein bejubeltes Konzert mit der „Eroica“ und auch dem erstklassigen Pianisten Herbert Schuch.
Von
Jürgen Kanold
Ulm
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Risto Joost und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn

Risto Joost und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn.

Marit Jüriado
  • Im Kornhaus in Ulm gab das WKO Heilbronn ein gefeiertes Konzert mit „Eroica“.
  • Programm „(Fast) nur Beethoven“: Auftakt mit „Illusion“ für Streicher von Erkki-Sven Tüür.
  • Herbert Schuch spielte Beethovens 3. Klavierkonzert – kraftvoll und im Largo sehr besonnen.
  • Zugabe von Schuch: langsamer Satz aus Mozarts letzter Sonate – großer Applaus.
  • Risto Joost dirigierte die „Eroica“ direkt und kantig – Trauermarsch klang stark und plastisch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das große Beethoven-Jahr 2020, also der 250. Geburtstag des Komponisten, ist ja leider von der Corona-Pandemie unfeierlich zerlegt worden. Doch jetzt steht schon das nächste Gedenkjahr an: 2027, der 200. Todestag. Diverse Veranstalter fürchten dann den Beethoven-Gau, weshalb sie schon mal vorauskonzertieren, wie jetzt das Württembergische Kammerorchester (WKO) im Ulmer Kornhaus. Aber man darf sagen: Beethoven langweilt nie, jedenfalls nicht, wenn er so rau und kantig gespielt wird wie unter dem WKO-Chefdirigenten Risto Joost. Und die 3. Sinfonie, die „Eroica“, muss man sowieso immer wieder neu erleben.

Die „Eroica“? Ja, die ist wirklich keine Kammersinfonie. Die Heilbronner waren am Donnerstagabend (23. April 2026) verstärkt und mit Bläseraufgebot (und Pauke) angereist. „(Fast) nur Beethoven“ war das Programm überschrieben. „Fast“ bedeutete: Mit einer rhythmisch-energievollen „Illusion“ für Streicher seines estnischen Landsmannes Erkki-Sven Tüür eröffnete Joost den Abend. Mal die Ohren freipusten, für Beethoven. Und auch das Orchester wurde aufgerüttelt und streng rangenommen für nachfolgende Aufgaben.

Dann also Beethoven: zunächst das 3. Klavierkonzert von 1803 mit dem Solisten Herbert Schuch. Dessen Klasse haben die Ulmer vergangenes Jahr schon als Einspringer bei den Philharmonikern im CCU erlebt, mit dem monströsen 2. Klavierkonzert von Brahms. Auch jetzt im Kornhaus: so herzhaft rustikal wie klangfarbig an den Tasten, titanisch demonstrativ und dann im sehr besonnenen Largo auch skrupulös verträumt. Der „heldenhaft-wilde“ Beethoven: Den bevorzugt Risto Joost, es war eine sehr kraftvolle Aufführung. Und Schuch wollte und konnte dann auch den nachdenklich-poetischen Pianisten geben: in der Zugabe, dem langsamen Satz aus Mozarts letzter Sonate. Riesenapplaus.

Mit Attacke

Prometheisch, sturm- und drängerisch, revolutionär heroisch: Beethovens „Eroica“ ist immer ein Ereignis. Die eher kleine Besetzung (mit erstklassigen Bläsern, einem starken Horn-Trio fürs Scherzo) entsprach Joosts Impetus, diese Sinfonie direkt bis ungestüm, geradezu historisch informiert aus der Zeit heraus zu dirigieren, entschlackt, fast vibratolos. Im Zweifel: Attacke, aber nie extrem. Stark der abgründige Trauermarsch (Marcia funebre). Das klang im Kornhaus sehr plastisch, sehr überzeugend. Jubel.