Wolfegger Konzerte 2026
: Geweihe, ausgestopfes Wild und die „Freischütz“-Ouvertüre

Eine Landpartie nach Oberschwaben zu fürstlicher Klassik. Im Rittersaal von Schloss Wolfegg dirigiert Manfred Honeck die Deutsche Radio Philharmonie.
Von
Jürgen Kanold
Wolfegg
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Manfred Honeck, künstlerischer Leiter der Internationalen Wolfegger Konzerte.

Manfred Honeck, künstlerischer Leiter der Internationalen Wolfegger Konzerte.

Todd Rosenberg Photography
  • Internationale Wolfegger Konzerte: Orchester- und Kammermusik in Schloss Wolfegg und Kirchen.
  • Manfred Honeck dirigierte im Rittersaal die Deutsche Radio Philharmonie – „Freischütz“-Ouvertüre.
  • Pablo Ferrández spielte Haydns C-Dur-Cellokonzert auf dem Stradivari-Cello „Archinto“.
  • Weitere Programmpunkte: Fibonacci Quartet und Bruckners f-Moll-Messe in St. Katharina.
  • Abschluss mit Mozarts „Jupiter“-Sinfonie, die Aufführung galt als kraftvoll und überwältigend.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Unzählige Geweihe an den Wänden, große und kleine. Trophäen, ausgestopftes Wild. Im anschließenden Rittersaal, dessen offene Fenster einen weiten Blick in die oberschwäbische Landschaft ermöglichen, erklingt dann Carl Maria von Webers „Freischütz“-Ouvertüre. Wobei man hofft, dass bei den Fürsten von Waldburg-Wolfegg und Waldsee und ihrem Gefolge einst keine teuflischen Freikugeln im Spiel waren, kein Samiel geholfen hat. Und keine alten Jagdgesetze mehr gelten. Aber bitte: Lässt sich stimmungsvoller solche waldromantische Musik erleben?

Es waren am brütend heißen Wochenende die schon 36. Internationalen Wolfegger Konzerte, die ein Freundeskreis um Fürstin Viviana veranstaltet: in der Alten Pfarr das Fibonacci Quartet, in der Pfarrkirche St Katharina Anton Bruckners f-Moll-Messe. Und im Rittersaal von Schloss Wolfegg dirigierte Manfred Honeck, der künstlerische Leiter, am Samstag (27. Juni 2026) ein Orchesterkonzert mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserlautern, das tags zuvor auch im Ludwigsburger Forum auf dem Programm der Internationalen Schlossfestspiele gestanden hatte.

Honeck, das ist die oberste Liga. Der 67-Jährige Österreicher aus dem nahen Vorarlberg war schon Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart, ist Chef des Pittsburgh Symphony Orchestra und bei allen Weltklasseorchestern gefragt, von den Berliner und Wiener Philharmonikern abwärts. In diesem Sommer dirigiert er bei den Salzburger Festspielen die Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“. Gut schlug sich jetzt in Wolfegg auch die Deutsche Radio Philharmonie. Extrem langsam nahm Honeck den Anfang der „Freischütz“-Ouvertüre, um die C-Dur-Apotheose dann um so rasanter, triumphaler zu entfalten.

Mit einem Stradivari-Cello

Die fürstliche Familie wohnt selbst im Renaissanceschloss Wolfegg (Kreis Ravensburg), Konzerte sind eine seltene Möglichkeit, den prunkvollen, langgezogenen Rittersaal mit seiner barocken Deckenausmalung von Franz Georg Herrmann und Johann Martin Zick zu besichtigen. 24 waffengerüstete Ritterstatuen samt Pauken, Trompeten, Jagdhörnern zieren martialisch die Wände. Es sind lebensgroße Holzskulpturen der Truchsesse von Waldburg. Zwischen 1691 und 1700 entstand das Inventar. In jener Zeit, 1689, fertigte Antonio Stradivari in Cremona ein Cello, das heute unter dem Namen „Archinto“ bekannt ist – und das der Spanier Pablo Ferrández als Leihgabe der Stretton Society spielt.

Schöne Historie, aber eine ungemein virtuose Gegenwart: Ferrández führte das C-Dur-Cellokonzert Joseph Haydns mit seinem außergewöhnlichen Instrument auf, das deutlich auf seine barocke Vergangenheit verweist. Knorrige Tiefe, fein-dünne Höhe und dazwischen ungemein vielfältige Klangfarben. Mitreißend, wie Ferrández lustvoll nun wirklich „molto allegro“ im 3. Satz attackierte, so lässig, als wär's der reinste Spaß. War es auch: Riesenjubel, und als Zugabe einen Bach-Satz.

Die göttliche Klassik schließlich, im doppelten Sinne: Mozarts „Jupiter“-Sinfonie. Honeck dirigierte sie nicht allein als Gipfelwerk in vollkommener Souveränität, sondern führte sie mit dem Orchester enorm kraftvoll, antreibend, überwältigend auf. Stürmische Musik, kaum ein Lüftchen draußen in der lauen, sich nur langsam abkühlenden Sommernacht. Eine herrliche Landpartie.