Vor 150 Jahren geboren
: Tarzan machte Edgar Rice Burroughs reich und berühmt

Der US-Amerikaner erfand den Dschungel-Helden und mit ihm das wohl erste Multimedia-Phänomen. Dabei hat er Afrika nie betreten.
Von
Holger Spierig, epd
Ulm
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Johnny Weissmüller als Tarzan und Maureen O'Sullivan als Jane in dem Film "Tarzan der Affenmensch" (Tarzan the Ape Man; USA 1932; Regie: W.S. van Dyke nach Motiven aus den Büchern von Edgar Rice Burroughs).  Der legendäre Dschungelheld Tarzan feiert am 27. August 2012 in irgendeinem Urwaldgebiet seinen 100sten Geburtstag. Erdacht hat ihn - lange bevor er in der Welt der Comics Fuß fasste - der amerikanische Autor Edgar Rice Burroughs. Sein erster Tarzan-Roman mit dem Titel "Tarzan bei den Affen" erschien am 27. August 1912 im Pulp Magazin "All-Story" in Fortsetzungen. Der sofort einsetzende Erfolg des Romanhelden sorgte dafür, dass Burroughs insgesamt 24 weitere Abenteuer seines Urwaldkönigs zu Papier brachte, die in über 60 Sprachen übersetzt wurden uund bis heute in einer Weltauflage von deutlich über 100 Millionen Exemplaren erschienen sind. Es dauerte nur sechs Jahre nach dem Erstlings-Tarzan, bis sich Hollywood erstmals auf den Stoff stürzte. Und seitdem hat der Siegeszug Tarzans durch sämtliche Medien bis heute nicht nachgelassen. Weltweit sind seit 1918 über 100 Filme mit dem Wort "Tarzan" im Titel gedreht worden. Die bekanntesten Schauspieler, die Tarzan mehrmals spielten, waren Johnny Weissmüller (Foto), der spätere Old Shatterhand-Darsteller Lex Barker und Gordon Scott, der der erste Farbfilm-Tarzan wurde.   (Siehe epd-Feature vom 16.08.2012) EPD-Bild: 00278544

Johnny Weissmüller als Tarzan und Maureen O'Sullivan als Jane in dem Film „Tarzan der Affenmensch“ (1932). Erfunden hat den Dschungel-Helden der Autor Edgar Rice Burroughs.

epd-bild/akg-images
  • Tarzan wurde 1912 von Edgar Rice Burroughs geschaffen – inspiriert von Mythen und Abenteuerliteratur.
  • Mit rund 50 Filmen und TV-Serien zählt Tarzan zu den meistverfilmten Romanfiguren weltweit.
  • Burroughs machte Tarzan zum ersten Multimedia-Phänomen: Bücher, Filme, Comics, Produkte und mehr.
  • Trotz Rassismus und Kolonialismus-Kritik bleibt Tarzan bis heute populär – u. a. als Disney-Musical.
  • Burroughs gründete 1923 eine eigene Firma und ließ „Tarzan“ als Marke schützen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Ich glaube nicht, dass meine Arbeiten Literatur sind“, sagte Edgar Rice Burroughs (1875-1950) einmal: Autoren wie er gehörten in die Klasse von Akrobaten, Step-Tänzern und Clowns. Bekannter als der Name des US-Schriftstellers ist heute die seiner berühmtesten Romanfigur: Tarzan. Der hellhäutige Urwaldmensch wurde eine weltweite Pop-Ikone, war auch im Film und als Comic erfolgreich und versorgt noch heute Burroughs Erben. Vor 150 Jahren, am 1. September 1875, kam der Autor in Chicago zur Welt.

Mit rund 50 Kinofilmen und mehreren TV-Serien ist Tarzan neben Dracula die am häufigsten verfilmte Romanfigur. Der berühmteste Darsteller bleibt der Olympiasieger Johnny Weismuller, der ab 1932 in zwölf Leinwand-Abenteuern zu sehen war. Der erste Leinwand-Tarzan war Elmo Lincoln, der sich bereits im Jahr 1918 in dem Stummfilm „Tarzan bei den Affen“ durch den Dschungel schwang. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden 1934 die beliebten Tarzan-Filme verboten, weil sich ein Aufwachsen unter Affen nicht mit der Rassenideologie der Nazis vereinbaren ließ.​

Tarzan ist die Geschichte eines Kinds einer britischen Adelsfamilie, das im afrikanischen Dschungel von Affen großgezogen wird. Angeregt wurde Burroughs nach eigenen Worten vom Mythos der Gründer Roms, Romulus und Remus, die von einer Wölfin gesäugt worden sein sollen. Andere Einflüsse waren sehr wahrscheinlich die Abenteuerberichte des Afrikaforschers Henry Morgan Stanley („Im dunkelsten Afrika“) und das berühmte „Dschungelbuch“ von Joseph Rudyard Kipling.

Burroughs hat Afrika nie betreten

Burroughs, der selbst nie in Afrika war, verbreitete in den Tarzan-Geschichten damals populäre Mythen und Klischees einer unheimlichen Welt mit abergläubischen und kannibalistischen „Eingeborenen“. Zu behaupten, dass Burroughs nicht mehr oder weniger vorurteilsbehaftet als andere Weiße zu der Zeit gewesen sei, entschuldige jedoch nicht seinen Rassismus, merkt John Taliaferro in der Biografie „Tarzan Forever“ kritisch an. „Männerbild, Rassismus, Kolonialismus: Die Figur des Urwald-Vorzeigeweißen Tarzan ist aus heutiger Sicht ziemlich problematisch“, hieß es 2022 im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Das Schreiben von Geschichten war ein letzter verzweifelter Versuch für Burroughs: Der Sohn eines Batterie-Fabrikanten und einer Lehrerin war als junger Mann nach der Militärakademie in die US-Kavallerie eingetreten, musste den Dienst aber wegen eines Herzfehlers beenden. Als er 35 Jahre alt war, erwartete seine Frau Emma das dritte Kind. Um Essen und Kohlen zu kaufen, hatte er bereits den Schmuck seiner Frau im Pfandhaus veräußert. Zuvor hatte er sich als Cowboy, Eisenbahn-Polizist und Gold-Sucher durchgeschlagen. Zuletzt war Burroughs in ein Geschäft mit Bleistiftanspitzern eingestiegen.

Edgar Rice Burroughs
American writer and producer of two Tarzan films in 1935
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Ein erfolgreicher Autor und ein guter Geschäftsmann: Edgar Rice Burroughs wurde vor 150 Jahren geboren.

AFP/Photo12/Collection 7e Art

Während er auf die Rückkehr seiner erfolglosen Vertreter wartete, schrieb er an einer Geschichte über einen amerikanischen Soldaten, der sich in den Kriegswirren auf dem Mars wiederfindet. Sein Erstling „Die Prinzessin vom Mars“ wurde 1912 in sechs Teilen im „All Story“-Magazin veröffentlicht und stieß bei den Lesern auf Begeisterung.

Noch im selben Jahr veröffentlichte „All Story“ – eines der damaligen „Pulp“-Magazine, das für 15 Cent die Leser monatlich mit spannenden Geschichten fesselte – auch den ersten Tarzan-Roman „Tarzan bei den Affen“. Die erste Buchausgabe erschien 1914.

Weitere Buch-Reihen des Autors spielten auf der Venus oder in einer Hohlraum-Welt unterhalb der Erdoberfläche. Aber keine war annähernd so erfolgreich wie Tarzan. Deshalb schrieb Burroughs bis zu seinem Lebensende weiter Tarzan-Romane – nach Angaben der offiziellen Tarzan-Internetseite insgesamt 27.

Tarzan wurde auch das erste Multimedia-Phänomen. Nach dem Abdruck in Magazinen und Zeitungen erschienen die Romane als Bücher, es folgten Kino, Comics und eine Radioserie. Es gab „Tarzan-Benzin“, Tarzan-Eiscreme und -Kaugummi sowie Spielfiguren, Gürtel, Jacken und Tassen.

Letzte Woche für das Disney-Musical

In Stuttgart geht die Zeit von „Tarzan“ zu Ende: Nur noch bis Sonntag, 7. September, ist das Disney-Musical im Stage Palladium Theater zu sehen. Zum Abschied gibt es laut Veranstalter Ticket-Rabatte von bis zu 40 Prozent. Mehr dazu auf stage-entertainment.de. Ab 20. November ist „Tarzan“ dann in Hamburg zu sehen.

Von den Tantiemen konnte Burroughs bereits 1919 einen Landstrich mit einer herrschaftlichen Ranch in Südkalifornien kaufen. Der Autor verfügte über bemerkenswertes geschäftliches Geschick: Er setzte durch, dass er beim Verkauf seiner Storys lediglich die Rechte für die Erstverwertung abtrat. Als einer der ersten Schriftsteller gründete er 1923 eine eigene Firma. Den Namen Tarzan ließ er als Marke schützen. Die Gemeinde „Tarzana“ im San Fernando-Valley ist bis heute Sitz der Firma „Burroughs Inc“. Der Autor starb mit 74 Jahren am 19. März 1950 an einem Herzinfarkt.

Die inzwischen 111 Jahre alte Geschichte Tarzans hat viele Wandlungen durchlaufen und bleibt bis heute präsent: Als Zeichentrickfigur Walt Disneys begeistert der Urwaldmensch Kinder, als Musical ist er auf vielen Bühnen in Deutschland zu erleben. Ob sich Tarzan auch im Kino wieder von Liane zu Liane schwingen wird, ist ungewiss. Im Internet kursieren zumindest Videos von Fans, die Dwayne „The Rock“ Johnson in der Hauptrolle sehen wollen.