„Die Assistentin“: Caroline Wahl trifft im neuen Roman mit Witz die Wirklichkeit

Caroline Wahl in München bei der Filmpremiere von „22 Bahnen“ – am 4. September kommt die Verfilmung ihres Bestsellers in die Kinos. Aber zuvor veröffentlicht die Autorin ihren dritten Roman: „Die Assistentin“.
Felix Hörhager/dpa- Bestsellerautorin Caroline Wahl veröffentlicht am 28. August 2025 ihren Roman „Die Assistentin“.
- Thema: Eine junge Frau in einem toxischen Arbeitsverhältnis mit einem exzentrischen Verlagschef.
- Wahl verarbeitet eigene Erfahrungen als Assistentin in einem Verlag – Realität und Fiktion vermischt.
- Roman bietet sarkastisches Porträt der Verlagswelt, erzählt mit Selbstironie und literarischem Kniff.
- Verfilmung ihres Romans „22 Bahnen“ startet am 4. September 2025 in den deutschen Kinos.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Interviews erzählt sie gerne, dass sie „keinen Bock“ darauf habe, falsche Bescheidenheit vorzutäuschen. Warum dürfe eine junge Frau nicht sagen, dass sie die Beste sein wolle – die beste deutsche Autorin der Gegenwart? So spricht Caroline Wahl. Sie ist jetzt 30, ein Star der Literaturszene mit Girlie-Image und riesiger Fangemeinde. Und auch eine Hoffnungsträgerin des Buchhandels: Nach den Bestsellern „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ erscheint an diesem Donnerstag (28. August 2025) ihr dritter Roman „Die Assistentin“, und zwar mit einer Startauflage von rund 150.000 Exemplaren.
Ein Hype, den Wahl frech, emotional, gekonnt und sehr schlau für ein Lesepublikum der Instagram-Welt bedient, eines, das auch weiß, wer Cathy Hummels ist. Schon bei „Windstärke 17“ hatte die Autorin mit der Prinz-Eisenherz-Frisur beklagt, dass sie nicht für den Deutschen Buchpreis nominiert worden sei, auch „Die Assistentin“ steht nicht auf der Longlist 2025. Was freilich kein Qualitätsurteil sein muss. Aber um den Ehrgeiz, um den Hunger nach Lob und Bestätigung geht es in diesem neuen Roman explizit.
Schickeria-Allüren im Büro
Charlotte heißt die Heldin: Eigentlich will sie Musikerin werden, mit einem Studium an der Popakademie aber hat es nicht geklappt. Und weil sie die Eltern nicht enttäuschen will (Vaterkomplex), bewirbt sie sich als Assistentin in einem renommierten, großen Münchner Verlag. Sie kriegt die Stelle, tolle Sache. Ganz oben sein, im Vorzimmer der Macht: Doch ihr Chef, Ugo Maise, ist ein paranoides Ekel mit zahllosen Marotten und Schickeria-Allüren, die in einem Handbuch fixiert sind, das die Mitarbeiterin auswendig lernen muss.
Anfangs findet es Charlotte „noch ein wenig ulkig“, dass der Chef „seine Bowls und Suppen nur mit dem schweren WMF-Löffel und nicht mit dem biegsamen IKEA-Löffel essen wollte, dass im Hotelbett kein Daunenkissen liegen durfte und vor jedem Check-in außerdem abgeklärt werden musste, dass die Fernbedienung auch desinfiziert worden war“. Sie fühlt sich, als sei sie in eine „Indie-Variante“ von „Der Teufel trägt Prada“ geraten.
Aber es ist die Hölle. Ein brutales wie kurioses, sarkastisches Porträt zeichnet Caroline Wahl von diesem launischen Verleger, der lobt und flucht, schmeichelt und kindisch ausflippt, sie scharf an der #MeToo-Grenze anmacht. Maximaler Stress für Charlotte, wie lange hält sie das durch? Ein Katastrophenszenario.
Auch Caroline Wahl hatte so einen „Kackjob“
Realitätspointe: Caroline Wahl hat selbst nach dem Studium als Assistentin in einem Verlag gearbeitet, bei Diogenes in Zürich. Da könnte man mal boulevardesk nachforschen, aber okay, es ist ein Roman. In einem Interview hat die Autorin gesagt, dass das damals ein „Kackjob“ gewesen sei und sie dann mit dem Schreiben begonnen habe, für den seelischen Ausgleich. „Kackjob“, das Wort taucht jetzt auch im Buch auf. Charlotte aber lässt in die Musik alles einfließen, was sich in ihr aufstaut, sie textet und komponiert Songs, um durchs Leben zu kommen. Wäre ja sonst auch eine zu banale Analogie zur Autorin Wahl. Allerdings wirkt dieser Musikerinnen-Background von Charlotte recht konstruiert.
Kein großer Roman, aber die gewollte hektische Oberflächlichkeit trifft mit Witz die Wirklichkeit. Caroline Wahl schreibt die Story nicht nur flott und populär herunter, sie verpackt sie mit dramaturgischem Anspruch, mit einem literarischem Trick. Denn da ist eine kommentierende Erzählerin am Werk, die nicht nur Charlottes Erlebnisse ausbreitet und sich kaum bremsen kann („aber der Reihe nach“, entschuldigt sie sich gelegentlich), sondern mit den Leserinnen und Lesern spielt. Fehlt da nicht noch eine Liebesgeschichte?, fragt sie aus dem Off. So wechselt sie den schönen Bo aus Friesland ins Geschehen ein. Die Heldin muss ja auch ein Privatleben haben.
Schon auf Seite 110 hätte die Story zu Ende sein können. „Wieso nicht einfach hier in die Schlusskurve einbiegen? Charlotte geht nach der ersten Kündigung zurück nach Köln. Sie hat ja gemerkt, dass das ein Scheißladen ist. Basta. Novellenlänge erreicht.“ Aber es geht weiter, denn die Erzählerin weiß: „Novellen verkaufen sich nicht gut und sind ja auch irgendwie scheiße. Wenn, dann ein Roman.“ Sagen wir mal anerkennend: lustige Selbstironie der Autorin Caroline Wahl. Aber ein Roman, der es dann auf 368 (sehr locker gesetzte) Seiten bringt, verkauft sich tatsächlich viel besser. Und „Die Assistentin“ hat natürlich ein gut geplantes Happy End. Auch das gehört dazu, wenn man Erfolg haben will.

Caroline Wahl: Die Assistentin. Rowohlt, 368 Seiten, 24 Euro.
RowohltBestseller und ein Kinofilm
Caroline Wahl, geboren 1995 in Mainz, wuchs in der Nähe von Heidelberg auf. Sie hat Germanistik in Tübingen und Deutsche Literatur in Berlin studiert. Danach arbeitete sie in mehreren Verlagen. 2023 debütierte die Autorin mit dem Roman „22 Bahnen“, auch ihr zweiter, ebenfalls bei Dumont verlegter Roman „Windstärke“ 17“ stand auf den Bestsellerlisten. Ihr dritter Roman „Die Assistentin“ kommt nun bei Rowohlt an diesem 28. August mit einer Startauflage von rund 150.000 Exemplaren heraus.
In den deutschen Kinos ist von 4. September an die Verfilmung von „22 Bahnen“ zu sehen (Regie: Mia Maariel Meyer). Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über zwei Schwestern, die bei einer verwahrlosten, alkoholsüchtigen Mutter aufwachsen und unerschütterlich an die Schönheit des Lebens glauben.

