Umfrage „BaWü-Check“: Das Interesse an Kunst und Kultur hängt stark von der Schulbildung ab

Besonders beliebt: Vier Prozent der Baden-Württemberger gehen mehrmals im Monat ins Kino. Nur 21 Prozent schauen sich nie einen Film im Lichtspielhaus an.
bernardbodo - stock.adobe.com- Zwei Drittel der Bürger glauben, dass Baden-Württemberg bei Kultureinrichtungen sparen könnte.
- 93% der Befragten möchten mehr Geld in Gesundheitseinrichtungen investieren.
- 39% empfinden Eintrittspreise für staatliche Kultureinrichtungen als zu hoch.
- 78% der Menschen mit höherer Schulbildung interessieren sich stärker für Kunst und Kultur.
- Das Land plant 599,3 Millionen Euro für Kultur im Jahr 2024 ein.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Baden-Württemberg, kurz: The Länd, möchte sich ja nicht nur als das Land der Autobauer und Tüftler, sondern auch als das der Dichter und Denker bezeichnen. Das Kulturangebot ist tatsächlich enorm. Aber das kostet. Sollte man daran sparen? Oder anders gefragt: Wofür sollte Baden-Württemberg mehr Geld ausgeben? Für das naturgemäß, was im Alltag besonders wichtig ist, meinen die Befragten im neuen „BaWü-Check“: Gesundheit, Schulbildung, öffentliche Sicherheit, Straßen- und Bahnverkehr. Investiert werden sollte vor allem in Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen (93 Prozent) und in die Ausstattung von Schulen (91 Prozent). Das könnte ein Auftrag an die Politik sein.
Wo man eher sparen könnte? Beim weniger Lebensnotwendigen, beim Freizeitangebot: bei Kultureinrichtungen wie Theater und Museen. Das sagen 63 Prozent. Nur bei „großen Bauprojekten“, ganz allgemein, sieht man ein noch größeres Sparpotenzial. Andererseits ist jeder Zweite davon überzeugt, dass die Förderung und Unterstützung von Kultureinrichtungen eine Aufgabe des Staates sein müsse. Jeder Vierte ist sogar der Meinung, dass Baden-Württemberg dafür mehr Geld ausgeben sollte.
Und wenn es an den eigenen Geldbeutel beim Kulturkonsum geht, steigen die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger noch: 39 Prozent empfinden die Eintrittspreise für staatliche Kultureinrichtungen als zu hoch. 58 Prozent sind sowieso der Meinung, dass der Staat Tickets bezuschussen sollte; nur 23 Prozent finden das nicht gut.

Grafik: Peters
Quelle: IfD-Allensbach
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Quelle: IfD-AllensbachWer aber sollte vor allem Fördermittel erhalten? Das Meinungsbild ist ambivalent, 32 Prozent der Bevölkerung sagen, dass vor allem Kultureinrichtungen gefördert werden sollten, die ein breites Publikum anziehen, 28 Prozent würde möglichst viele Einrichtungen finanziell unterstützen, 22 Prozent aber vor allem solche, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Besonders viel Geld soll in den nächsten Jahren für „kulturelle Aushängeschilder“ ausgegeben werden, etwa für die Sanierung der Staatsoper Stuttgart – was sagt die Bevölkerung dazu? Bemerkenswerte 45 Prozent finden das richtig, 34 Prozent aber nicht, 21 Prozent stehen unentschieden dazu. Aber es kommt darauf an, wer gefragt wird: die an Kultur besonders Interessierten sind zu 71 Prozent dafür.
Stadt-Land-Gefälle
Mehr „kulturelle Teilhabe“, also Kultur für alle, nicht nur für Bildungsbürger und Besserverdienende, das ist ein bekanntlich selbst gestecktes Ziel der Landesregierung und vieler Kommunen. Der „BaWü-Check“ bietet dazu indirekt einige aufschlussreiche Analysen. Zunächst ist ein Stadt-Land-Gefälle evident. Insgesamt bewerten die Baden-Württemberger das Kulturangebot sehr positiv: 16 Prozent als sehr gut, 63 Prozent als gut, macht zusammen 79 Prozent. Das sieht in Städten und Dörfern mit weniger als 5000 Einwohnern ganz anders aus, dort sind es nur 46 Prozent. Wenn dann zum Beispiel 64 Prozent der Befragten angeben, dass sie niemals in eine Oper gehen, liegt das wohl teils auch an der Gelegenheit, am zeitlichen Aufwand. Am zufriedensten, so die Umfrage der Allensbacher Demoskopen, sind die Bewohner von Großstädten mit dem Angebot an Kunst und Kultur: zu 76 Prozent.
Und das Interesse an Kunst und Kultur hängt stark von der Schulbildung ab. 78 Prozent der Menschen mit einem höheren Abschluss gaben an, sich „sehr“ (27 Prozent) oder „etwas“ (51 Prozent) für Kunst und Kultur zu interessieren. Bei Personen mit einer einfachen Schulbildung waren es nur 51 Prozent; lediglich 10 Prozent interessieren sich „sehr“ dafür.

Grafik Peters
Quelle: IfD-Allensbach
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Quelle: IfD-AllensbachNoch deutlicher fallen die Unterschiede aus, betreffs des Bildungsgrades, bei der Frage: „Was macht einen Ort besonders lebenswert?“ Zunächst mal die Antworten aus der Gesamtbevölkerung, und auf Platz eins steht mit 77 Prozent „viel Natur, Grünanlagen, Parks“. Im schaffigen Baden-Württemberg liebt man es offenbar ruhig und erholsam. Es folgt dicht darauf das, was Lebensqualität im Alltag ausmacht: viele Ärzte und gute medizinische Versorgung (75 Prozent), gute Einkaufsmöglichkeiten (75 Prozent), gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (71 Prozent). Mit etwas Abstand dann: gute Schulen, viele Arbeitsplätze, gute Kinderbetreuung. Dann erst beginnt die Freizeit: Restaurant und Kneipen, Schwimmbad, reges Vereinsleben. Und ziemlich am Ende der Wunschliste: ein gutes Kulturangebot, zum Beispiel Museen und Theater (30 Prozent) und ein gutes Angebot an Büchereien (28 Prozent).
Bei Personen aber, die sich ausgeprägt für Kunst und Kultur interessieren, sieht das anders aus. Sie schätzen ein gutes Kulturangebot mehr als doppelt so hoch ein wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, für 62 Prozent macht ein gutes Kulturangebot (beispielsweise Museen und Theater) den Wohnort besonders lebenswert. Kulturkonsum, das ist allemal eine Frage der Bildung, der möglichen Teilhabe.
Die Umfrage der Tageszeitungen
Der „BaWü-Check“ ist eine Umfrage der Tageszeitungen in Baden-Württemberg. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) befragt viermal im Jahr rund 1000 zufällig ausgewählte Bürger ab 18 Jahren. Der Zeitraum für die Online-Befragung war jetzt der November 2024. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen.
Noch eine Zahl aus dem baden-württembergischen Kunstministerium: Der Haushalt für die Kultur umfasst 599,3 Millionen Euro für das Jahr 2024; seit 2011 konnte der Kunstetat um mehr als 50 Prozent gesteigert werden.
