Ulmer Theaterpreis 2026
: Das Publikum wählt „Mephisto“ zur Aufführung der Saison

Eine fröhliche, auch wehmütige Gala: Theaterpreise für Maya Mayzel, Markus Hottgenroth und Joshua Spink. Und trotzig verabschieden sich Ensemblemitglieder.
Von
Jürgen Kanold,
Marcus Golling
Ulm
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Eine Ulmer Theaterpreis-Gala auch der Abschiede: Maya Mayzel und Magnum Phillip verlassen nach der Saison das Haus. Die Russin erhielt den mit 1000 Euro dotierten Preis als herausragendes Ensemblemitglied in der Sparte Tanztheater.

Eine Ulmer Theaterpreis-Gala auch der Abschiede: Maya Mayzel und Magnum Phillip verlassen nach der Saison das Haus. Die gebürtige Russin erhielt den mit 1000 Euro dotierten Preis als herausragendes Ensemblemitglied in der Sparte Tanztheater.

Armin Buhl
  • Publikum kürte „Mephisto“ zur besten Aufführung der Saison 2025/2026 – starke Konkurrenz inklusive.
  • Schauspielpreis ging an Markus Hottgenroth, im Musiktheater siegte Tenor Joshua Spink.
  • Maya Mayzel erhielt den Tanztheaterpreis und beendet ihre Karriere nach acht Jahren.
  • Nachwuchspreis bekam Veranstaltungstechniker Michl Zechendorff, Ehrenpreis ging an Andreas Lonsinger.
  • Gala markierte Abschiede im Ensemble, zugleich sammelten Theaterfreunde rund 225.000 Euro für den Fundus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Stimmt schon: Wie soll man da noch galant sein? „Jammervolle Grimassen schnitt ich,/ Nicht zu zeigen, wie mir zu Mut,/ Nahm es spaßhaft zwar,/ doch im Innern litt ich./ Mir war gar nicht gut“, singt Cornelius Burger mit großer Inbrunst. Und wahrscheinlich geht es dem Bass aus dem Musiktheater-Ensemble ein bisschen so wie Oberst Ollendorf in der Millöcker-Operette „Der Bettelstudent“. Gute Miene zeigen, dass muss ein Opernsänger können. Auch dann noch, wenn seine Zeit zu Ende geht. Burger ist einer von denen, die mit dem Intendantenwechsel das Theater Ulm verlassen müssen. Andere gehen freiwillig.

So wird man nie wieder zusammenkommen wie zu dieser Theaterpreis-Gala am Dienstag (7. Juli 2026) im voll besetzten Foyer, der letzten von Intendant Kay Metzger, auch der letzten seines Chefdramaturgen Christian Katzschmann, der wieder als Moderator auftritt, um „Essig in den Feiertagswein zu gießen“. Er stellt nüchtern fest, dass man im Theater auch als unbescholtener Mensch wie Burger manchmal einen „Tritt in den Hintern bekommt“. Dabei habe ihm sein Chef sogar gebeten, nicht zu sarkastisch zu werden. Ja, auch das ist Theater: Auch dann noch galant zu sein, wenn das Leben ein Mistkerl ist.

Ulrich Becker, Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE, überreicht Markus Hottgenroth den mit 1000 Euro dotierten Theaterpreis für das herausragende Ensemblemitglied in der Sparte Schauspiel.

Ulrich Becker, Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE, überreicht Markus Hottgenroth (rechts) den mit 1000 Euro dotierten Theaterpreis für das herausragende Ensemblemitglied in der Sparte Schauspiel.

Armin Buhl

Der Ton also: trotzig bis wehmütig. Speziell das künstlerische Programm: Gunther Nickles gibt einen Auszug aus Peter Zadeks Erinnerungen an Ulm („eine ganz eingeschlafene, überschaubare Stadt“), Korrepetitorin Giordana Rubria Fiori spielt melancholisch „Muss i denn zum Städtele hinaus“ und sogar „Time To Say Goodbye“, Stephan Clemens singt „Wohin ist das alles, wohin?“. Der Schauspieler kam 2018 mit Kay Metzger aus Detmold nach Ulm, unter dessen Nachfolgerin Greta Calinescu wird er nicht mehr zum Ensemble gehören. „Ich hoffe, dass das Theater nicht lange auf Stephan Clemens verzichten muss, auch wenn es nicht in Ulm ist“, wünscht Katzschmann dem langjährigen Weggefährten.

Das Fest einer Theaterfamilie

Es ist das letzte gemeinsame Fest einer Theaterfamilie, aber eben doch: ein Fest. Und es gibt ja auch etwas zu feiern. Zunächst acht manchmal schwierige (Corona, Fundusbrand), aber erfolgreiche Jahre der Intendanz Metzger mit „durch die Bank sehr hoher künstlerischer Qualität“, wie Bürgermeisterin Iris Mann lobt. Und zuvorderst die Menschen, die diese in der zu Ende gehenden Spielzeit 2025/2026 möglich gemacht haben. Dafür sind die von den Theaterfreunden und der SÜDWEST PRESSE ausgelobten Theaterpreise da.

Große Ehre für den Tenor Joshua Spink. Die Vorsitzende der Theaterfreunde, Johanna Kienzerle, überreicht ihm den Theaterpreis in der Sparte Musiktheater.

Große Ehre für den Tenor Joshua Spink. Die Vorsitzende der Theaterfreunde, Johanna Kienzerle, überreicht ihm den Theaterpreis in der Sparte Musiktheater.

Armin Buhl

Auch die sind manchmal Abschiedsgeschenke, zumindest beim Tanztheater, wo die Jury Maya Mayzel den Preis für das herausragendes Ensemblemitglied zuerkannte. Die gebürtige Russin beendet ihre Karriere. „Vielen Dank für die wunderschönen acht Jahre“, sagt sie bei der Dankesrede. „Ich zittere gerade.“ Ebenfalls nominiert waren Gaëtan Chailly und Gabriel Mathéo Bellucci, der in der kommenden Spielzeit Trainings- und Probenleiter an der Seite von Spartenchefin Annett Göhre wird. Im Musiktheater geht der Preis an den jungen Tenor Joshua Spink, der in dieser Saison etwa in der Titelrolle von „Roberto Devereux“ oder auch als David in „Die Meistersinger von Nürnberg“ überzeugte und sich gegen die Sopranistinnen Maryna Zubko und Maria Rosendorfsky durchgesetzt hatte. Das Theater Ulm sei ein toller Arbeitsort, „es gibt echte Freundschaft hier“, sagt Spink gerührt.

Das Publikum wählte "Mephisto" zur Aufführung der Saison 2025/2026. Regisseur Malte Kreutzfeldt freute sich auch über eine Flasche Champagner, gespendet von den Theaterfreunden (links Vorstandsmitglied Detlef Czypulovski). Chefdramaturg Christian Katzschmann (rechts) moderierte die Theaterpreis-Gala.

Das Publikum wählte "Mephisto" zur Aufführung der Saison 2025/2026. Regisseur Malte Kreutzfeldt freute sich auch über eine Flasche Champagner, gespendet von den Theaterfreunden (links Vorstandsmitglied Detlef Czypulovski). Chefdramaturg Christian Katzschmann (rechts) moderierte die Theaterpreis-Gala.

Armin Buhl

Im Schauspiel holt sich – gegen die junge Konkurrenz in Gestalt von Emma Lotta Wegner und Vincent Furrer – ein alter Hase den Preis, Markus Hottgenroth, der in dieser Spielzeit in der Hauptrolle von „Mephisto“ brillierte. „Lieber Kay, das waren 21 Jahre volles Vertrauen“, wendet sich der Geehrte an den scheidenden Intendanten, der ihn 2018 nach Ulm mitgebracht hatte. Malte Kreutzfeldts Inszenierung von „Mephisto“ ist dann auch der große Gewinner der Publikumswahl zur „Besten Aufführung der Saison“, gegen die starke Konkurrenz des Balletts „Giselle“, der Operette „Im Weißen Rössl“ und Wagners „Meistersinger“, Metzgers Abschiedsinszenierung in Ulm.

„Schöne Sache, dass man auch hinter die Kulissen schaut“

In der Kategorie „Podium/auswärts“ gewinnt „Taxi nach drüben“, Philipp Löhles Stück über die wahre Kalte-Kriegs-Geschichte des Ulmer Doppelagenten Hermann Reisch. Weil Löhle gerade in Berlin an seinem nächsten Stück für Ulm schreibt („Magic – Die (fast) fantastischen fünf“), Premiere im Januar 2027), nimmt Reisch an seiner Stelle die Schaumwein-Flasche entgegen.

Die beste Aufführung der Saison 2025/2026 im Podium: "Taxi nach Drüben" - es ist die wahre Geschichte des Ulmer Doppelagenten Hermann Reisch (links). Zu den Darstellern gehörte Maurizio Miksch.

Die beste Aufführung der Saison 2025/2026 im Podium: „Taxi nach Drüben“ – es ist die wahre Geschichte des Ulmer Doppelagenten Hermann Reisch (links). Zu den Darstellern gehörte Maurizio Micksch.

Armin Buhl

Die Publikumspreise sind nicht dotiert, die Darstellerpreise mit jeweils 1000 Euro, der von Mediziner Winfried Haerer gestiftete Nachwuchspreis mit 500 Euro. Letzteren nimmt der junge Veranstaltungstechniker Michl Zechendorff entgegen, der es in gerade einmal fünf Jahren vom Azubi zum Ausbilder gebracht hat. „Eine schöne Sache, dass man auch mal hinter die Kulissen schaut“, freut der sich.

Niemand wird vergessen an diesem Abend. Den Ehrenpreis bekommt Werkstättenleiter Andreas Lonsinger, stellvertretend für all die Menschen im Technikteam des Theaters, die Urlaub opferten und Überstunden anhäuften, um nach der Brandkatastrophe in der Paketposthalle, die im Juni 2025 neben dem Kostümfundus und Teilen des Möbellagers ja auch zwei Probebühnen zerstört hatte, den Betrieb zu sichern. Er betrachte seinen Beruf nicht als Arbeit, sondern als Passion, sagt Lonsinger, der schon 30 Jahre am Theater tätig ist.

Den Nachwuchspreis erhielt Veranstaltungstechniker und Beleuchter Michl Zechendorff. Der Technische Direktor des Theaters Ulm, Peter Perkovac (links),hielt die Laudatio.

Den Nachwuchspreis erhielt Veranstaltungstechniker und Beleuchter Michl Zechendorff. Der Technische Direktor des Theaters Ulm, Peter Perkovac (links), hielt die Laudatio.

Armin Buhl
Der Ehrenpreis nahm Andreas Lonsinger, Teamleiter der Werkstätten am Theater Ulm, entgegen.

Der Ehrenpreis nahm Andreas Lonsinger, Teamleiter der Werkstätten am Theater Ulm, entgegen.

Armin Buhl

Ausgestanden sind die Brandfolgen freilich noch nicht, aber die Theaterfreunde-Vorsitzende Johanna Kienzerle hatte ein schwerwiegendes Argument für Optimismus mit auf die Gala geschleppt. Einen Sack mit fast 225.000 Euro in Münzen und Scheinen, das erstaunliche Ergebnis der Fundus-Spendenaktion, an der sich laut Kienzerle rund 700 Menschen beteiligt hatten, einzelne sogar mit fünfstelligen Summen. Geld, auf welches das Theater in dieser schwierigen Phase nicht verzichten kann.

Auf Maryna Zubko wird es aber verzichten müssen, die Ukrainerin verlässt das Theater aus freien Stücken, ihr gebührt das letzte Stück des Abends, der sich mit rund zweieinhalb Stunden ohne Pause wagnerianischem Umfang nähert. Aber die Sopranistin singt nicht Wagner, sondern die berühmte Arie „Ebben? Ne andrò lontana“ aus „La Wally“ von Alfredo Catalani. Zu Deutsch: „Nun denn, so werd ich in die Ferne ziehen.“ Schon traurig das alles. Traurig und schön.

Auch wehmütige Stimmung bei der Theaterpreis-Gala: Stephan Clemens singt „Wohin ist das alles, wohin?“.

Wehmütige Stimmung bei der Theaterpreis-Gala: Stephan Clemens singt „Wohin ist das alles, wohin?“. Unter der künftigen Intendantin gehört der Schauspieler nicht mehr dem Ensemble an.

Armin Buhl
„Nun denn, so werd ich in die Ferne ziehen.“ Maryna Zubko verabschiedet sich mit einer Arie aus "La Wally".

„Nun denn, so werd ich in die Ferne ziehen.“ Maryna Zubko verabschiedet sich mit einer Arie aus "La Wally".

Armin Buhl