Tollwood München 2025: Air und ihre Fans kreisen in den Spiralen der Erinnerung

Mondsafari in München: Air bei ihrem Konzert auf dem Tollwood.
Marcus Golling- Air spielt das Debütalbum „Moon Safari“ (1998) vollständig auf dem Tollwood-Festival in München.
- Rund 5500 Fans erleben ein musikalisch und visuell beeindruckendes Konzert in der Musik-Arena.
- Hits wie „Kelly Watch The Stars“ begeistern, ergänzt durch Stücke späterer Alben wie „Talkie Walkie“.
- Im September 2025 erscheint eine Neuauflage der Filmmusik zu „The Virgin Suicides“ (2000).
- Air bleibt stilprägend, bietet aber keine neuen Werke – Nostalgie steht im Fokus ihrer Auftritte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Um gleich einen Franzosen ins Spiel zu bringen: Marcel Proust wusste schon, wie eine sinnliche Erfahrung die Nostalgie triggern kann. Auf seine Landsmänner von Air übertragen, müsste „Moon Safari“ noch heute, 27 Jahre nach der Veröffentlichung, die Erinnerung an den Geschmack von Kaffee hervorrufen. Kuhmilch, Hafer und Soja waren Ende der 90er noch kein großes Ding, das Duo Air schon, sein Debüt lief in gefühlt jedem Café in Dauerschleife. Aktuell spielen Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel ihr erfolgreichstes Album wieder in Gänze, auch auf dem Münchner Tollwood-Festival.
Der Millionenseller erschien Anfang 1998, fast alle der rund 5500 Fans in der nahezu ausverkauften Musik-Arena dürften sich gerne an diese Zeit erinnern. Vielen mag diese im Rückblick sogar als eine gute alte erscheinen, trotz Kosovokrieg und Monica-Lewinsky-Skandal. Man kaufte Musik noch bei Müller und checkte Fußball-Ergebnisse im Videotext. „Moon Safari“ war schon damals aktuell und retro zugleich. Es klang mit seinen warmen analogen Sounds und den Vocoder-Stimmen nach 60ern, 70ern und 80ern, nach spaciger Psychedelik und nach „La Boum“-Romantik. Perfekter, aber eigenwilliger Pop.
Sie spielen die Songs, als wären diese ganz neu
Godin und Dunckel sind inzwischen Mitte 50, Pariser Kunst-Dandys in weißen Bühnenoutfits. Sie – Dunckel an den Synthesizern, Godin auch mit Bass und Gitarre, dazu ein Drummer – spielen die Songs und Instrumentals in der Album-Reihenfolge ohne Extra-Verkultung. So, als wären diese gerade erst erschienen. Das ist akustisch berauschend – und auch optisch: Die Band agiert in einem verspiegelten Kasten, dessen Hintergrund mit LED-Elementen verkleidet ist. Zu „Kelly Watch The Stars“ blitzen die Sterne auch fürs Publikum.
Nach rund 45 Minuten endet die Mondsafari, die Fans sind euphorisiert. Sie bekommen noch einmal so viel Konzertzeit, dann mit Stücken aus späteren Alben wie „10.000 Hz Legend“ (2001) und „Talkie Walkie“ (2004). Kantiger, vertrackter, aber nicht schlechter als die Hits des zeitlosen Klassiker. Man sollte diese Band nicht auf „Moon Safari“ reduzieren.
Neues sollte man aber auch nicht erwarten. Im September bringen Air eine neue Fassung ihrer im Jahr 2000 veröffentlichten Filmmusik zu Sophia Coppolas „The Virgin Suicides“ heraus. Die Mondflieger Air kreisen heute in den Spiralen der Erinnerung. Aber ja, das fühlt sich gut an.

Jean-Benoît Dunckel von Air beim Konzert in München.
Marcus Golling
