Theater Ulm: Opernwelt kürt „Tristan“ zur Uraufführung des Jahres

„Uraufführung des Jahres“: „La Légende de Tristan“ mit Markus Francke in der Titelpartie.
Jochen KlenkDas Theater Ulm gehört nicht zu den Schauplätzen der Großkritiker, aber Charles Tournemires „Le Légende de Tristan“ hat dann doch nicht wenige angelockt. Und zwar wirkungsvoll: In der Umfrage des internationalen Fachblatts „Opernwelt“ ist die von Felix Bender dirigierte und von Kay Metzger inszenierte Produktion jetzt zur „Uraufführung des Jahres“ gewählt worden. Ein Prestigeerfolg!
42 Kritikerinnen und Kritiker haben die Saison 2022/2023 bilanziert, darunter Opernkenner von New York bis Bremerhaven, von London bis München, weshalb die Nennungen subjektiv–vielfältig ausfallen. Fünf Voten aber gingen ans Theater Ulm für den „Tristan“ (darunter von „FAZ“-Kritiker Jan Brachmann) — und fünf auch an die Oper Frankfurt für die Uraufführung von Vito Zurajs „Blühen“. Der Kommentar: „Beide Schöpfungen ,berühren‘ den Topos ,Tod‘ auf eine Art und Weise, die nicht nur beeindruckt, sondern auch dazu anregt, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Und das kann fürwahr nicht das Schlechteste sein, was sich über eine Oper sagen lässt.“
Die Ulmer haben mit dem „Tristan“ jedenfalls viel Aufmerksamkeit gewonnen. Im Jahrbuch der „Opernwelt“ findet sich ein Essay über den französischen Komponisten Tournemire, bebildert mit Szenen aus der Ulmer Produktion. Seltsamerweise befasst sich der Artikel fast nur mit dem sinfonischen Werk des „einsamen Apokalyptikers“. Intendant Metzger hat freilich, wie berichtet, schon eine weitere Oper Tournemires im Blick, die noch nie gespielt worden ist: ein 1939 entstandenes Werk über den heiligen Franz von Assisi — 2025 könnte es in Ulm uraufgeführt werden.
Lob für Konstantin Krimmel
Und auch der „Nachwuchssänger des Jahres“ kommt aus Ulm: Konstantin Krimmel. Der 30–jährige Bariton wird von den Kritikern geradezu mit hymnischem Lob überschüttet. Krimmel, der als Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper in München vor allem mit der Partie des Guglielmo in Mozarts „Così fan tutte“ Aufsehen erregte, wird im „Opernwelt“-Jahrbuch auch als Liedsänger gefeiert. In Ulm live zu erleben ist Krimmel, begleitet von dem Pianisten Daniel Heide, am 24. Januar im Stadthaus: in der Reihe „klassisch!“ mit Werken von Schubert und Loewe (der Vorverkauf läuft).
