Stadtarchiv Ulm
: Eine Urkunde erzählt von einem politischen Skandal des Jahres 1513

Stadtrat Hans-Walter Roth übergibt dem Stadtarchiv ein Schreiben von Kaiser Maximilian I. an die Stadt Ulm.
Von
Jürgen Kanold
Ulm
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Schwörhaus: Stadtrat Hans-Walter Roth übergibt dem Stadtarchiv eine Urkunde Kaiser Maximilians I. aus dem Jahr 1513

Stadtrat Hans-Walter Roth übergibt dem Stadtarchiv eine Urkunde Kaiser Maximilians I. aus dem Jahr 1513 (links Mittelalter-Expertin Mareikje Mariak, rechts Direktorin Antje Diener-Staeckling).

Matthias Kessler
  • Ulm erhielt eine Urkunde Kaiser Maximilians I. aus dem Jahr 1513 – nun im Stadtarchiv.
  • Hans-Walter Roth übergab das Schreiben, das er auf dem Antiquariatsmarkt erwarb.
  • Inhalt: Ulm schützte Handwerker, verbot Fuggern/Welsern die Niederlassung und Patriziern Handel.
  • Drei Ulmer handelten heimlich mit einer Fugger-Filiale in Stuttgart und klagten beim Kaiser.
  • Maximilian I. nahm Ulms Entschuldigung zur Kenntnis und ließ keine Klage gegen die Stadt zu.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ex-Bürgermeister machen heimlich Geschäfte! Ein politischer Skandal in Ulm! Aber keine Sorge, der Fall liegt gut 500 Jahre zurück.

Kürzlich hat Hans-Walter Roth, der Augenarzt und Stadtrat, Privathistoriker und Sammler, wieder das Ulmer Stadtarchiv beschenkt: mit einer von ihm auf dem antiquarischen Markt erstandenen Urkunde Kaiser Maximilians I. (1459-1519), die eine spannende Lokalgeschichte erzählt. Dieser Habsburger regierte von 1508 bis zu seinem Tod in unruhigen Zeiten – ins Jahr 1517 etwa fällt Martin Luthers Thesenanschlag. Er hatte aber auch immer erheblich Ärger mit seinen Reichsstädten.

Keine Geschäfte mit den Fuggern erlaubt

Besagtes Schreiben, das 1513 mit einem Siegel verschlossen verschickt wurde, wirft ein Licht auf die Wirtschaftspolitik im international vernetzten Ulm des frühen 16. Jahrhunderts. Mareikje Mariak, Leiterin des Sachgebiets für Mittelalter und Frühe Neuzeit im Stadtarchiv, erklärt die Hintergründe: Ulm verfuhr damals restriktiv gegenüber großen Handelsgesellschaften. Den Fuggern und Welsern war es nicht erlaubt, sich in Ulm niederzulassen – und den Patriziern verboten, Handelsgeschäfte zu betreiben. So sollten die heimischen Handwerker geschützt werden. Dann aber kam heraus, dass drei namhafte Ulmer heimlich mit einer Fugger-Filiale in Stuttgart dealten. Große Aufregung – die Akteure hatten jedoch kein Einsehen und beschwerten sich von Augsburg aus beim Kaiser. Was Maximilian I., wie Mariak ausführt, in die Bredouille brachte: Ulm war für ihn politisch wichtig, aber mit den Fuggern, seinen Geldgebern, wollte er es sich auch nicht verscherzen.

Und davon handelt das Dokument: Der Kaiser nimmt zur Kenntnis, dass sich Ulm quasi entschuldigt für seinen Protektionismus, er versichert aber auch, keine Klage gegen die Reichsstadt zuzulassen. Maximilian I. unterzeichnete das Schreiben persönlich, mit dem „kleinen Handzeichen“, mit der Formel „per regem per se“ (durch den König selbst).

Eine ganz andere Frage ist, wie dieses Schreiben überhaupt zum Sammlerobjekt werden konnte. Tatsächlich weiß das Stadtarchiv von erheblichem Dokumentenschwund in der Zeit, als Napoleon mit seinem Kriegen Deutschland neu sortierte und die Freie Reichsstadt Ulm 1802 zunächst Bayern und dann 1810 Württemberg zugeschlagen wurde. Dank Hans-Walter Roth ist diese Urkunde nun wieder im Besitz des Stadtarchivs.