„Sancta“ in der Staatsoper Stuttgart: Blut und Sex auf der Bühne – Notarzt muss Opern-Zuschauer versorgen

Skandalträchtig, mit viel nackter Haut und jeder Menge Triggerwarnungen: die Performance Sancta in der Staatsoper Stuttgart.
Matthias BausDass ein Opernhaus die Altersfreigabe „ab 18 Jahren“ und diverse Warnhinweise fett auf den Spielplan druckt, das kommt eher selten vor. Aber im Falle von Florentina Holzingers Performance „Sancta“ gibt's so richtig Aufklärungsbedarf an der Staatsoper Stuttgart: „Diese Aufführung zeigt explizite sexuelle Handlungen sowie Darstellungen und Beschreibungen von (sexueller) Gewalt. Zudem sind echtes Blut sowie Kunstblut, Piercingvorgänge und das Zufügen einer Wunde zu sehen. In der Vorstellung werden Stroboskopeffekte, Lautstärke und Weihrauch eingesetzt.“
Doch entweder haben manche Zuschauerinnen und Zuschauer das nicht aufmerksam gelesen oder ihre Leidensfähigkeit überschätzt, jedenfalls musste sich der Besucherservice bei den ersten beiden Aufführungen um 18 Menschen kümmern, in drei Fällen wurde der Notarzt herbeigerufen.
Übelkeit, Kreislaufprobleme, eine Ohnmacht
Das sagte Pressesprecher Sebastian Ebling. Übelkeit, Kreislaufprobleme, eine Ohnmacht: Es gebe freilich auch in anderen Aufführungen immer wieder solche Fälle. Die Damen und Herren des Besucherservice seien jedenfalls in Erster Hilfe geschult. Was auch nicht leicht ist: Diese Performance dauert zweidreiviertel Stunden, und zwar ohne Pause.
„Sancta“ hatte im Mai in Schwerin Premiere, dann war die Performance bei den Wiener Festwochen zu sehen. Es ist eine internationale Koproduktion, auch mit der Volksbühne in Berlin und der Opera Ballet Vlaanderen. Im Zentrum des Abends stehen Spiritualität, Sexualität, Religionskritik, ein kritischer Blick auf religiöse und gesellschaftliche Gewalt. Stuttgarts Intendant Viktor Schoner sagt dazu: „Grenzen auszuloten und lustvoll zu überschreiten war von jeher eine zentrale Aufgabe der Kunst.“
Wer seine eigenen Grenzen ausloten möchte: Weitere Aufführungen von „Sancta“ sind in Stuttgart am 26. und 27. Oktober sowie am 1., 2. und 3. November geplant. Die Premiere war im Übrigen „total umjubelt“, wie Ebling sagt. Und man könne ja wegschauen, wenn's einem zu viel wird. Habe er selbst auch gemacht, als einem Akteur „Haut herausgeschnitten“ wurde.

