Sommerlektüre
: Abenteuer auch für Daheimbleiber – Buchtipps für den Urlaub

Die große Reise fällt aus? Keine Zeit, kein Geld oder keine Lust? Hier eine Auswahl der schönsten Abenteuer-Romane, die den Urlaub dennoch spannend machen.
Von
Welf Grombacher
Ulm
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Am Strand, in der Hängematte oder einfach daheim im Sessel: Lesen ist eine gute Sommerbeschäftigung.

IMAGO/Zoonar.com/Ian Iankovskii
  • Sommerlektüre: Tipps für Abenteuer-Romane, die Urlaubsgefühl auch daheim bringen.
  • Klassiker genannt wie „Robinson Crusoe“, „Moby Dick“, „Die Schatzinsel“ und „Wolfsblut“.
  • Neue Titel im Fokus – etwa Karigs „Dschungel“, Kehlmanns „Vermessung der Welt“ und Wackers „Stromland“.
  • Weitere Empfehlungen: Crichtons „Dragon Teeth“, Vanns „Goat Mountain“, Winks „Bärenzähne“.
  • Jubiläum: „Der Fänger im Roggen“ erschien am 16. Juli 1951 und verkaufte über 65 Mio. Exemplare.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Reisen gilt ja bekanntlich (neben dem Alter) als das letztes Abenteuer unserer Wohlstandsgesellschaft. Wer sich in den anstehenden Sommerferien allerdings keinen Urlaubstrip leisten kann, der hat immerhin die Möglichkeit als Sessel-Reisender die Welt erkunden, so wie schon Immanuel Kant das getan hat, der aus seinem Königsberg zeitlebens nicht hinauskam. Nicht von ungefähr erfreuen sich Abenteuer-Romane so großer Beliebtheit. Die Klassiker des Genres kennt jeder: Ob es Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ (1719) ist, Herman Melvilles „Moby Dick“ (1851), Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“ (1883) oder Jack Londons „Wolfsblut“ (1906). Aber es gibt auch neue Abenteuer-Romane, die erst noch entdeckt werden wollen. Hier eine kleine Auswahl der vergangenen Jahre.

Friedemann Karig, „Dschungel“ (2019): Auf der Suche nach einem verschollenen Freund ist auch der Ich-Erzähler in Friedemann Karigs raffiniert konzipiertem Roman. Allerdings in Kambodscha. Er trifft dort auf eine Hippiekommune und macht sich auf in ein sagenumwobenes Dorf, in dem Menschen leben sollen, die durch eine wundersame Droge ihre Erinnerungen verlieren und glücklich sind. Wie einem Phantom folgt der Erzähler den Spuren des Freundes. Oder handelt es sich bei dem in Wahrheit nur um ein Alter Ego, einer anderen Facette des Erzählers? Alle hetzen in diesem Roman den Zwängen der modernen Gesellschaft hinterher. „Es könnte immer irgendwo noch besser, noch schöner sein.“ (Ullstein, 384 Seiten, 13.99 Euro)

Humboldt zählt die Läuse

Daniel Kehlmann, „Die Vermessung der Welt“ (2005): Dieser Roman von Daniel Kehlmann ist selbst schon ein Klassiker. Launig erzählt er von Alexander von Humboldts 1802 erfolgter Besteigung des Chimborazo. Getrieben von unbändigem Forscherdrang zählt der die Kopfläuse der Eingeborenen und begegnet seltsamen Seeungeheuern, während der Astronom Carl Friedrich Gauß zu Hause auf andere Art das Universum kartiert. „Die Dinge sind, wie sie sind, und wenn wir sie erkennen, sind sie genauso, wie wenn es andere tun, oder keiner“, so am Ende das Fazit. Pfiffiger und doch lehrreich kann ein Roman nicht sein. (Rowohlt, 304 Seiten, 14 Euro)

Florian Wacker, „Stromland“ (2018): In Südamerika ist auch Irina unterwegs in Florian Wackers spannendem Roman. Sie ist mit ihrem Freund Hilmar im Amazonas auf der Suche nach ihrem Bruder Thomas, der sich nach dem Dreh von Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ dort absetzte. Seit zwei Jahren gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm. Jetzt folgen sie dem Lauf des Ucayali hinauf und begegnen Drogenkurieren und aus Hessen ausgewanderten Siedlern, die den Traum vom Paradies schon lange aufgegeben haben. Alle Figuren in diesem Buch, das an herrlichen Anekdoten über Klaus Kinski nicht spart, sind auf der Suche. Hilmar bringt es einmal auf den Punkt: „Es ist alles so weit weg von unserem Leben. Und deshalb viel näher dran.“ (Berlin Verlag, 352 Seiten, 20 Euro)

Michael Crichton, „Dragon Teeth“ (2018): Wie ein Abenteuerroman von Jack London liest sich dieser posthum erschienene Roman von Michael Crichton. 1974 entstanden, aber nicht veröffentlicht, beschäftigte sich der Schöpfer von „Jurassic Parc“ darin zum ersten Mal mit Sauriern. Allerdings nur mit Fossilien. Zu einer wildern Expedition in den Wilden Westen schickt er 1875 seinen Helden William Johnson. Der muss mit seinem kostbaren Fund eines Brontosaurus-Kopfes bald vor den Sioux und brutalen Pistoleros fliehen. Nicht so gelungen wie seine späteren Romane, überzeugt die Geschichte doch durch immer neue Wendungen, die der Held meistern muss. (Heyne, 320 Seiten, 10.99 Euro)

David Vann, „Goat Mountain“ (2014): Der US-Amerikaner David Vann hat viele tolle Abenteuer-Romane herausgebracht. Neben seinem Debüt „Im Schatten des Vaters“ (2011) ist dieser der eindrucksvollste. Auf der Jagd soll der elfjährige Erzähler seinen ersten Hirsch erlegen und zum Mann werden. Dann aber erschießt er einen Wilderer. Was tun? Den Unfall dem Sheriff melden? Der Großvater will den Jungen umbringen, um „das Böse aus der Welt“ zu schaffen. Der Vater den Mord einem Freund in die Schuhe schieben. Zwei lange Tage streifen die Männer durch die Wildnis und belauern sich. Das Buch hinterfragt die atavistischen Gesetze des Tötens und zeigt auf, dass Männer die Quelle aller Gewalt sind. Ein echtes Erlebnis. (Suhrkamp, 270 Seiten, 22.95 Euro)

Callan Wink, „Bärenzähne“ (2025): In der Wildnis von Montana spielt der Roman von Callan Wink, der von zwei Brüdern erzählt, die nach dem Tod ihres Vaters mehr schlecht als Recht als Holzfäller leben. Um an Geld zu kommen, schießen sie ab und an einen Schwarzbären, weil dessen Galle als Potenzmittel hoch gehandelt wird, oder schmuggeln Wapiti-Geweihe aus dem Yellow Stone Nationalpark. Während Thad nach dem Vater kommt und traditionsbewusst die Verantwortung des Erwachsenen annimmt, schlägt der jüngere Hazen seiner Hippiemutter nach. Ein großartiger Roman über vergangene Werte, Ausbruchsversuche und die nie endende Sehnsucht nach Freiheit. (Suhrkamp, 254 Seiten, 25 Euro)

Ein Romanklassiker wird 75

Kein Abenteuerroman, aber doch ein Klassiker: Vor genau 75 Jahren, am 16. Juli 1951, erschien „Der Fänger im Roggen“ ("The Catcher in the Rye") von J.D. Salinger. In seinem einzigen Roman erzählt der Autor in der Ich-Form die Geschichte von Holden Caulfield, einem Teenager, der an der Welt der Erwachsenen verzweifelt und mit deren Erwartungen hadert. Das Buch hat sich bis heute mehr als 65 Millionen Mal verkauft.