„Pause“ von Lena Kupke: Bitte Hausschuhe anziehen!

Die Autorin Lena Kupke hat den Roman "Pause" veröffentlicht.
Daniel Dittus- Debütroman „Pause“ von Lena Kupke: eine 36-jährige Illustratorin bricht zusammen.
- Hanna kehrt zu den Eltern nach Lüneburg zurück – Kinderzimmer, alte Routinen, Konflikte.
- Beziehung scheitert, Freunde sind beschäftigt. Die Eltern werden zur letzten Stütze.
- Angedeuteter Ur-Schmerz: eine Fehlgeburt. Arztbesuch bei der früheren Hausärztin.
- Ton und Stil: direkte Ich-Perspektive, gefühlig mit Humor. „Pause“ erschien bei dtv.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sie habe ein Idol, gesteht die Stand-up-Comedienne Lena Kupke in einem TV-Auftritt beim großen Kollegen Till Reiners in dessen „Happy Hour“: Nein, ihr Idol sei nicht Taylor Swift, sondern Christine Westermann, die Journalistin und Grimme-Preisträgerin. Also wenn Christine Westermann, „die Beyoncé von 3Sat“, ein Buch empfehle, dann werde es ein Bestseller, erklärt Lena Kupke einem jungen Publikum, das nicht weiß, wer Christine Westermann ist und nicht so auf Hochkultur steht: „Das ist ihr Level der Macht, aber nicht auf toxische Art und Weise, denn sie hat keinen Pimmel.“
Lustig, wie Lena Kupke diese Comedy-Nummer erzählt. Aber jetzt hat die 40-jährige selbst einen Bestseller geschrieben, „Pause“, und zwar ohne ein Testimonial ihres Idols. Der Verlag dtv hat jedoch ein Zitat von Caroline Wahl fürs Cover parat: „Dieses Buch ist wie eine feste Umarmung, nachdem es einen richtig zerlegt hat.“ Und das trifft's sehr gut.
Lena Kupkes Debütroman handelt von einer 36-jährigen Ich-Erzählerin, Hanna, einer in Berlin lebenden Illustratorin, die im wahrsten Sinne am Boden liegt: Krampfanfall, Nervenzusammenbruch, Ohnmacht im Büro vor Kunden bei einer Präsentation, Notarzteinsatz, Krankenhaus. Dann wacht sie auf. „Scheiße! Ich atme schwer aus und blicke in die trostlose Raufasertapete.“ Nur schnell weg! Aber wer hilft?
Wer hilft Hanna?
Mit ihrem Freund Paul hat Hanna ernsthaften Stress. Nö, keine Zeit, ein Konzertbesuch ist ihm wichtiger. Er verabschiedet sich, bald dauerhaft. Die Freundinnen? Auch mit sich selbst beschäftigt. Bleiben nur, als letzte Lösung, die Eltern. Sie holen Hanna ab, fahren sie nach Lüneburg. Der Vorgarten ist wie immer perfekt gepflegt, nur „einzelne Gänseblümchen haben es trotz Rasenmäher geschafft zu überleben“. Sie schläft im alten Kinderzimmer, das der Vater eigentlich als Büro nutzt. Mit 36 Jahren dorthin zurückkehren, wovon man sich eigentlich längst abgenabelt hatte?
Wobei Hanna – sehr nah am Wasser gebaut, sehr emotional – so vieles nicht verarbeitet hat: „Es ist, als wenn mein Elternhaus das Eingangstor zur Gerührtheit wäre. Manchmal weine ich aus Stolz darauf, wie sehr ich mich entwickelt habe, seit ich nicht mehr die kleine Hanna bin, die mir ihrem Hollandfahrrad nach Haus fährt. Manchmal aber auch vor Sehnsucht nach der Liebe zu meiner Familie, die ich nicht alltäglich um mich habe.“
Alles nicht so einfach. Besser gesagt: Es ist wie früher. Die Rivalität mit der Schwester. Das kleinbürgerliche Milieu. Die alten Routinen. Bitte Hausschuhe anziehen! Die Spülmaschine einräumen? „Lass mich das mal machen, ich hab da mein eigenes System“, sagt die Mutter. Und das wären die kleinsten Konflikte, die jetzt zurückkehren.
Hanna aber bleibt, weil sie keine Alternative hat: „Ich bin nun das Sorgenkind meiner Eltern. Mit Mitte dreißig.“ Aber was ist eigentlich die Ursache für Hannas Krise? Die Autorin Lena Kupke thematisiert es nicht explizit, deutet jedoch immer wieder an: Eine Fehlgeburt, ein verlorenes Kind ist offenbar Hannas Ur-Schmerz. Ihre Mutter ahnt zumindest, dass etwas nicht stimmt, schickt sie zu Frau Polten, der Allgemeinärztin, bei der Hanna zum letzten Mal mit fünfzehn war, als sie starke Bauchmerzen hatte nach dem ersten gemeinsamen Wochenende mit ihrem Freund.
Unverblümte Sprache
Hanna, die Ich-Erzählerin, öffnet den Leserinnen und Lesern ihr Herz: unverblümt, jung, sehr weiblich, im umgangssprachlich direkten Ton. Das ist manchmal so nervig wie ihr Leben: Es klingt sehr realistisch, sehr echt. In einem Interview charakterisiert Lena Kupke ihre Protagonistin: „Sie ist so in gewisser Weise eine typische Millennial-Frau, sehr gut im Funktionieren und auf ein Mal klappt das alles nicht mehr. Ich habe ihr den Roman gewidmet, weil ich so berührt davon bin, dass sie sich immer so bemüht, sie will sich selber helfen, aber kommt an Grenzen.“
Trotzdem ist „Pause“ kein Lebensratgeber, kein dramatischer Gesellschaftsroman. Lena Kupke, die Comedienne, schreibt gefühlig mit Humor.
Auftritte bei Till Reiners
Lena Kupke, geboren 1986, hat English Studies und Geschichte in Bonn studiert. Sie ist Autorin und Stand-up-Comedienne. 2021 erschien ihr Stand-up Comedy Special im ZDF sowie ihr Sachbuch „Wahrheit oder Pflicht“. Sie ist häufig zu sehen bei Till Reiners' ‚Happy Hour‘ auf 3Sat und bei „Falsch, aber anders lustig“ in der ARD Mediathek. „Pause“ ist ihr Debütroman.

Lena Kupke: Pause. dtv, 320 Seiten, 23 Euro.
dtv
