„Sister Europe“ von Nell Zink: Lost in Berlin und auch sonst irgendwie verloren

Nell Zink: Sister Europe. Übersetzt von Tobias Schnettler. Rowohlt, 272 Seiten, 24 Euro.
Rowohlt- Nell Zinks Roman „Sister Europe“ spielt in Berlin und erzählt die Geschichte einer Nacht mit skurrilen Charakteren.
- Die Gruppe umfasst Nicole, ein Transmädchen, ihren Vater Demian, und die glamouröse Livia mit ihrem Pudel.
- Sie erleben seltsame Abenteuer, von Drogendealern bis zur dunklen deutschen Geschichte.
- Der Roman ist eine leichte Satire auf das Großstadtleben und verwirrte Identitäten.
- Die Protagonisten treffen sich bei einer Literaturpreisverleihung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Berlin sind viele schräge Vögel unterwegs, wie es sich für eine Metropole gehört. Aber die Truppe, die Nell Zink in ihrem Roman „Sister Europe“ einen Abend und eine Nacht lang durch die Stadt schickt, ist trotzdem ein besonders seltsamer Haufen. Das Transmädchen Nicole, das auf erste sexuelle Erfahrungen hofft, aber seinen Vater Demian dabei hat, einen Architekturkritiker; dessen beste Freundin, die glamouröse Nazivermögen-Erbin Livia mit ihrem Pudel Mephisto, kurz Fisti; der alternde amerikanische Expat Toto und seine eigentlich viel zu junge Online-Bekanntschaft Avianca, beide auf ihre Weise Lebenskünstler; schließlich der arabische Ölprinz Radi aus der Schweiz, der primär auf (homo)sexuelle Abenteuer aus ist. Und dann folgt dieser Clique auch noch der korrupte und AfD-mäßig eingestellte Polizist Klaus, der glaubt, einem Pädophilen-Ring auf der Spur zu sein.
Könnte ein ziemlicher Käse werden, doch die Amerikanerin Zink, die selbst seit 25 Jahren in Deutschland lebt, schafft es, aus diesem Setting eine leichte Satire auf das Leben in der internationalen Großstadt Berlin, verwirrte Identitäten und auch ein wenig über den Kulturbetrieb zu formen. Denn die Kultur führt die Protagonisten zusammen: Sie treffen sich auf der Verleihung eines Literaturpreises an den mit Demian befreundeten arabisch-norwegischen Autor Masud in einem Nobelhotel.
Auf der Suche nach Pommes oder der Liebe
Es ist Ende Februar in Berlin, die Preisstifterin hatte wegen des erwartbaren Ekelwetters ihren Enkel Radi geschickt. Und die anderen sind eigentlich nur da, damit überhaupt jemand zu der so exklusiven wie öden Gala kommt. Danach bricht die Gruppe gemeinsam auf, auf der Suche nach einem „Burger King“, nach Erlebnissen, nach der Liebe. Sie finden unter anderem gewaltbereite Drogendealer und die Spuren der dunklen deutschen Geschichte. Und unterhalten sich etwa darüber, ob Sophie Scholl heiß war, allen Ernstes.
Warum Nell Zink, bekannt geworden durch „Der Mauerläufer“ (2016), dieses Buch geschrieben hat? Es ist nicht leicht zu sagen, aber wenn man diese Frage erst einmal für sich abgehakt hat, bereitet die Lektüre zunehmend Freude. Wegen der sympathisch-verpeilten Figuren, des lässig-ironischen Tonfalls, der schönen Sprachbilder („Nicole ließ die Hüften kaum wahrnehmbar kreisen wie eine Kerzenflamme, die sich im Lufthauch bewegt“) und der erfrischend lebensbejahenden Grundannahme: Menschen können sich verändern, sich verbessern, nicht nur gemeinsam durchs nächtliche Berlin, sondern vielleicht auch in die Zukunft gehen.
Nell Zink: Sister Europe. Rowohlt, 272 Seiten, 24 Euro.

