Siemens Musikpreis
: Ein wertvolles Geburtstagsgeschenk für Sir Simon Rattle

Der britische Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks erhält in diesem Jahr den mit 250.000 Euro dotierten Siemens-Musikpreis.
Von
Jürgen Kanold
München
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Eine der großen Dirigent der Gegenwart: Sir Simon Rattle.

Eine der großen Dirigenten der Gegenwart: Sir Simon Rattle.

Siemens-Musikstiftung/Rui Camilo
  • Sir Simon Rattle erhält den mit 250.000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis.
  • Rattle feiert seinen 70. Geburtstag und ist Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.
  • Er war von 2002 bis 2018 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und engagierte sich stark für Musikvermittlung.
  • Rattle verließ das London Symphony Orchestra wegen Brexit und Kulturpolitik.
  • Er arbeitet intensiv mit dem BR-Symphonieorchester, neues Konzerthaus in München bleibt ungewiss.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seinen 70. Geburtstag feiert er am Sonntag, und ein ganz großes Geschenk darf er sich dann am 17. Mai im Herkulessaal der Münchner Residenz abholen: Sir Simon Rattle erhält in diesem Jahr den mit 250.000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis, ob der Summe gerne als Musik-Nobelpreis bezeichnet. Ein Heimspiel also für den Briten aus Liverpool, der mittlerweile auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt: Seit der Saison 2023/24 ist er Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Der ewig gute Laune ausstrahlende, umarmende, unelitäre, aber auch skrupulös arbeitende Lockenkopf war von 2002 bis 2018 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker gewesen. Eines seiner zentralen Anliegen damals war,  die klassische Musik möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Er etablierte Late-Night-Konzerte, baute die Digital Concert Hall auf (eine Online-Plattform der Philharmoniker) und engagierte sich für Educationprojekte: am bekanntesten, weil auch 2003 fürs Kino verfilmt, war „Rhythm is it“, als er mit Jugendlichen aus Berliner Brennpunktschulen Igor Strawinskys Ballett Le Sacre du Printemps einstudierte. Nicht zuletzt dieses „unvergleichliche Engagement“ in der Vermittlungsarbeit und die Offenheit gegenüber unterschiedlichen musikalischen Genres würdigt die Siemens-Stiftung und zeichnet Rattle für sein Lebenswerk aus.

Vertrieben durch den Brexit

Es war überraschend gewesen, als der so unelitäre Rattle seinen Abschied aus Berlin bekanntgegeben hatte: Er hatte ja schließlich den bedeutendsten (aber auch den härtesten) Job im weltweiten Orchester-Business inne, aber es hatte auch mit den Musikern teils gekriselt. Er suchte nach einer neuen Herausforderung, wurde Chef des London Symphony Orchestra. Doch reichte er bald wieder seinen Abschied ein: Der Brexit traf ihn tief, auch die regressive Kulturpolitik im Vereinigten Königreich, Sparexzesse. Und die Familie war sowieso in Berlin wohnen geblieben.

Jetzt also in der zweiten Saison das BR-Symphonieorchester: eine intensive musikalische Arbeit, ein Riesenrepertoire. Typisch Rattle. Aber ein neues Konzerthaus, ewig gewünscht und geplant, das bekommt er auch in München noch lange nicht.