Salzburger Festspiele: Im dunklen Rausch der Klangfarben

Ausrine Stundyte in Schönbergs „Erwartung“.
Ruth Walz- Salzburger Festspiele zeigen „One Morning Turns into an Eternity“ mit Musik von Schönberg, Webern, Mahler.
- Regisseur Peter Sellars verbindet Schönbergs „Erwartung“ mit einer politischen Verfolgungsgeschichte.
- Bühnenbild: Schwarze, rotierende Säulen schaffen eine mystische Waldatmosphäre in der Felsenreitschule.
- Sopranistin Ausrine Stundyte und Dirigent Esa-Pekka Salonen sorgen für emotionale und klangliche Intensität.
- Mahlers „Abschied“ schließt mit einem Übergang ins Unbekannte – ein musikalischer Abschied von Tod und Schmerz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Alles beginnt mit dem Tod. Zwei Militärs legen einer Frau einen Leichensack zu Füßen. Es ist ihr Mann, im Widerstand gegen ein Gewaltregime getötet. Mit dieser beigefügten Geschichte rückt Regisseur Peter Sellars die Kurzoper „Erwartung“ (1909) von Arnold Schönberg in veränderte Kontexte. Aus der Figur der Frau, die sich nun in Verzweiflung und Wut auf die Suche nach Erinnerungen begibt, wird eine politisch Verfolgte. Mit dieser Szene beginnt bei den Salzburger Festspielen ein ambitioniert konzipiertes Bühnenprojekt aus drei Teilen: Schönbergs Oper, Anton Weberns Fünf Stücke für Orchester (1913) und Gustav Mahlers „Der Abschied“ (1908). Musik zwischen Spätromantik und Moderne, Nachhall und Aufbruch.
Sellars verknüpft die 70-minütige Trilogie durch ein gemeinsames Bühnenbild: Schwarze Säulen, die sich langsam und gespenstisch im Dunkel der Felsenreitschule um die eigene Achse drehen, schaffen atmosphärisch einen Wald als Fantasieraum. Die Sopranistin Ausrine Stundyte irrt durch diese Mondscheinwelt und übersetzt emotionale Stadien von Hoffnung, Angst und Trauer in intensive Gesangslinien zwischen Monolog, Albtraum und Aufschrei. Aus dem Graben zaubert Esa-Pekka Salonen am Pult der Wiener Philharmoniker seismographisch flirrende Musik, entfacht einen soghaften Rausch der Klangfarben. Nahtlos lässt er Schönbergs freie Atonalität in Weberns Minimalismus und Mahlers bittersüße Opulenz gleiten.
Dort ist es Fleur Barron mit warm leuchtendem Alt, die in Sellars‘ Szenerie an die Suchbewegungen bei Schönberg anknüpft. Die schwebende Ruhe ihres Tons – teils im Duett mit Flötist Karlheinz Schütz oben in den Arkaden – macht deutlich, dass Mahlers „Abschied“ auch ein Überschreiten bedeutet, ein Loslösen von Krankheit und Tod. Salonen überführt Mahlers aufrauschende Klangfülle vollends in eine schwerelose Sphäre mit offenem Ende auf das Wort „ewig“ – an der Schwelle zu etwas Neuem, Unbekanntem.
