Roxy-Tanzlabor
: Pablo Sansalvador bringt Ulm zum Tanzen

Seit fünf Jahren leitet er das Tanzlabor der Roxy-Kulturhallen. 2025 hat Pablo Sansalvador ein großes Festival über die Bühne gebracht. Das Stadtmagazin acht.neun porträtiert den Wahl-Ulmer.
Von
Julika Nehb
Ulm
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Immer in Bewegung: Pablo Sansalvador, der Leiter des Roxy-Tanzlabors.

Immer in Bewegung: Pablo Sansalvador, der Leiter des Roxy-Tanzlabors.

Lars Schwerdtfeger, Matthias Kessler
  • Pablo Sansalvador leitet seit 2020 das Roxy-Tanzlabor in Ulm, ein Zentrum für zeitgenössischen Tanz.
  • 2025 realisierte er das erste Ulmer Tanzfestival „Zant“ mit Workshops, Performances und Wettbewerben.
  • Der gebürtige Neuseeländer und Ex-Balletttänzer fördert vielseitige Tanzstile und internationale Vernetzung.
  • Das Tanzlabor erhielt rund 260.000 € Fördergelder und ist ein fester Bestandteil der Ulmer Kulturszene.
  • Das nächste „Zant“-Festival ist für den 25.–28. Juni 2026 geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die schwere Stahltür des Roxy, die von der Café Bar in den im Sommer geöffneten Biergarten führt, geht auf. Mit beschwingten Schritten und herzlichem Lächeln kommt Pablo Sansalvador heraus: „Hey, schön dich zu sehen! Kann ich dir was zu trinken holen?“

Der 39-jährige Neuseeländer ist ein Mensch, der einen beim ersten Treffen gleich mit einer freundschaftlichen Umarmung begrüßt, ohne dass es sich unpassend anfühlt. Es gibt gute Gründe für den Choreografen, Kulturmanager, ehemaligen Tänzer und künstlerischen Leiter des Roxy-Tanzlabors, gut gelaunt zu sein: Schon im Juli, als dieses Gespräch stattfindet, kann er auf ein äußerst ereignis- und erfolgreiches Jahr zurückblicken und freut sich auf einen Sommer, in dem er vor allem auf Reisen sein wird.

Seit 2024 am Start: acht.neun

Dieser Text erschien zuerst im Stadtmagazin acht.neun. Es ging im Juni 2024 an den Start. Jeden Monat gibt es darin Geschichten rund um Leute, Lifestyle, Kultur, Gastronomie und Stadtgeschehen. Den Link zur Online-Ausgabe gibt es hier.
acht.neun als gedrucktes Magazin ist an mehr als 250 Auslagestellen kostenlos zu haben. Es liegt an vielen hochfrequentierten Plätzen in der Doppelstadt aus: in der Gastronomie, im Einzelhandel, in Banken und Parkhäusern.

Er setzt sich auf eine Bierbank und erzählt, wie das Tanzen sein Leben geformt hat. Tanzen, das bedeutet immer in Bewegung zu sein, flexibel zu bleiben und neugierig. Das trifft auf den Körper zu und auf das Leben als Ganzes: „Tanz war und ist mein Fortbewegungsmittel durch die Welt. Er bringt mich an die verschiedensten Orte, lässt mich die unterschiedlichsten Menschen kennenlernen, meine Kreativität ausdrücken und er inspiriert mich. Die Kunst hat mir viele Türen geöffnet.“

Scheidung der Eltern als schmerzhafter Einschnitt

Dabei gab es auch Schlüsselmomente, die ihm neue Wege und Möglichkeiten erst dadurch eröffneten, dass eine Türe vor ihm zuging: Als Pablo sechs Jahre alt war, ließen sich seine Eltern, eine Neuseeländerin und ein Barcelonese, scheiden. Das war schmerzhaft – aber es brachte ihm neben dem neuseeländischen auch den spanischen Pass und öffnete ihm so die Tür nach Europa. „Mit 17 bewarb ich mich bei der New Zealand School of Dance – und wurde abgelehnt. Also zog ich nach Barcelona und bewarb mich von dort unter anderem nach London. Da bekam ich dann gleich mehrere Stipendien für verschiedene Tanzakademien.“

Pablo Sansalvador mit Reporterin Julika Nehb (acht.neun)

Pablo Sansalvador mit Reporterin Julika Nehb vom Stadtmagazin acht.neun.

Malin Knese

Wie er zum Tanzen kam, sei eine recht klassische Geschichte: Mit acht Jahren wartete er auf seine kleine Schwester, um sie vom Ballettunterricht abzuholen. Eine Lehrerin sprach ihn an, ob er es nicht auch einfach ausprobieren wolle, anstatt nur zu warten. Ballett vereint strenge Disziplin mit extremer Körperlichkeit und hohem künstlerischen Anspruch – im Unterschied zum zeitgenössischen Tanz sehr rigide, streng und formal. Pablo fing Feuer: „Ich bin ein sehr bewegungsfreudiger Mensch. Zu tanzen ist gut für mein Gehirn, gut für meine psychische Gesundheit – ich fühle mich immer gleich besser, wenn ich mich bewege. Gerade die künstlerische Seite des Balletts hat meinem Leben damals eine Würze hinzugefügt, von der ich vorher nicht wusste, dass sie existiert. Choreografie, musikalische Elemente, auf einer Bühne aufzutreten – als ich mit 16 beschloss, das beruflich zu machen, war das erstmal recht naiv, es gibt so viele wahnsinnig begabte Tänzer, die dasselbe wollen. Und als professioneller Tänzer gibt man seinen Körper vollständig dieser einen Sache hin, und das jeden Tag. Es hat fast schon etwas Religiöses.“

Nach zwei Jahren in London lebte und tanzte er für verschiedene Engagements und Projekte meistens in Deutschland, aber auch in der Schweiz, in Dänemark und in Südafrika. Barcelona war dabei immer ein Anker. „Ich liebe die Geschichte, die Kultur, die Komplexität Europas.“ Viel aus dem Koffer zu leben erfordert den Mut, sich immer wieder auf Neues einzulassen; neue Menschen, Kulturen, Umgebungen, Sprachen, unterschiedliche Einstellungen, soziale Infrastrukturen. „Eine schöne Herausforderung, jedes Mal“, findet Pablo, auch wenn er es bedauert, viele seiner Freunde, die über die ganze Welt verstreut leben, nicht so häufig sehen zu können.

Zur Person

Pablo Sansalvador (*1985 in Wellington, Neuseeland) ist ausgebildeter klassischer Ballettänzer. Seit 2020 ist er künstlerischer Leiter des Tanzlabors im Roxy. Im Juni 2025 organisierte er das erste Ulmer Tanzfestival „Zant“.

2013 bis 2017 kam dann das Engagement als festes Mitglied des Ensembles der Tanzkompanie am Ulmer Theater. Seither lebt und arbeitet er vorwiegend in der Donaustadt. Noch während der Zeit am Ulmer Theater begann Pablo, eigene kreative Tanzprojekte auf die Beine zu stellen, baute ein Netzwerk auf, machte sich einen Namen in der Stadt und öffnete sich immer mehr auch anderen Tanzrichtungen. „So viele Tanzstile – Tango, Flamenco, Breakdance – sind erst entstanden, weil Menschen unterdrückt oder ausgegrenzt wurden. Wenn man genau hinschaut, entwickelten sich Tänze oft als eine Form des Widerstands. Ich möchte die Menschen unterstützen und sichere Orte schaffen, um sich auszudrücken.“

Im Moment ist im Roxy noch wenig los, doch bald sollen hier Tänzer und Choreografen neue Performances entwickeln: Das Team um  Geschäftsführer Christian Grupp und Pablo Sansalvador (rechts) baut im Roxy ein Tanzlabor auf. ⇥

Kultur arbeitet weiter: Pablo Sansalvador baut im Roxy ein Tanzlabor

Pablo Sansalvador beschwingt vor fünf Jahren zum Start seines Herzensprojekts. Gemeinsam mit Roxy-Geschäftsführer Christian Grupp baute er das Tanzlabor auf.

Foto: Lars Schwerdtfeger

Seit November 2020 ist er als Leiter des Tanzlabors fest beim Roxy angestellt – eine Stelle, die er sich selbst geschaffen hat. Während der Corona-Pandemie stellte der Bund zur Unterstützung der Kulturszene verschiedene Hilfsprogramme bereit. Pablo hatte gelernt: In Deutschland läuft so etwas auf sehr geregelte Weise, es gibt eine Ausschreibung, man verfasst einen Antrag. „Ich habe sehr viele Anträge für alle möglichen Förderungen geschrieben, wir hatten das Glück, mit dem Tanzpakt reconnect die größte davon zu bekommen – und das gleich zwei Jahre hintereinander.“ Die offizielle, staatliche Anerkennung, mit seinem Konzept in der Gesellschaft etwas beizutragen, sorgte bei Pablo für einen großen Energieschub.

Profis und Tanzbegeisterte kommen auf ihre Kosten

Insgesamt waren es Gelder in Höhe von rund 260.000 Euro, mit der das Roxy Strukturen für professionellen Tanz im Ulm stärken sollte. Aus Tanz einen Schwerpunkt im Programm zu machen, war ohnehin schon lange eine Vision des Geschäftsführers Christian Grupp. Herausgekommen ist das Tanzlabor, das aus vier Veranstaltungsformaten besteht, die professionelle Tänzer, Tanzbegeisterte und Künstler aus anderen Disziplinen vernetzen. Je größer und vielfältiger die künstlerische Bandbreite, desto besser, lautet Pablos Devise: „Ob klassisch, modern, zeitgenössisch oder urban, ob Breakdance oder Ballett – je vielseitiger die Tanzstile und je größer die Experimentierfreude, desto besser.“

Heute ist das Tanzlabor ein fester Bestandteil des Programms im Roxy, es gibt Künstlerresidenzen, Aufführungen innerhalb der Reihe #show me your moves und vieles mehr. Die Gelder kommen inzwischen aus verschiedenen Töpfen, unter anderem von der EU, vom Land und der Stadt. Das Tanzlabor hat sich in der freien, internationalen Tanzszene einen Namen gemacht. Das hat auch dazu beigetragen, dass Pablo im Juni 2025 mit „Zant“, einem viertägigen Tanzfestival, einen großen Traum realisieren konnte. Gemeinsam mit Projektleiterin Kathrin Maier bespielte er als künstlerischer Leiter das gesamte Areal der Donaubastion: Mit einem Flashmob einer Ulmer Kindertanzgruppe zum Auftakt, einer spektakulären und international hochkarätig besetzten Gala, unterschiedlichen Workshops, Performances von Profis und Amateurgruppen und einem zeitgleich stattfindenden Breakdance-Wettbewerb in der Reithalle.

Zant - das neue Tanzfestival in Ulm, veranstaltet vom Roxy Tanzlabor. Interview im Vorfeld mit Pablo Sansalvador

Für das Tanzfestival Zant stellte sich Sansalvador sogar auf den Kopf.

Matthias Kessler

Wie das alles zustande kam? „Vier Jahre Hausaufgaben: Förderungsanträge, Strategien, Verhandlungen, Planungstreffen. Wir haben wirklich viel Arbeit hineingesteckt und konnten mit dem Festival dann erleben, wie die vielen Blumen, die wir gepflanzt haben, anfingen zu blühen“, freut sich Pablo.

Das nächste Zant-Tanzvestival ist schon in Planung

Die Latte für das nächste Zant vom 25. bis zum 28. Juni 2026 hängt hoch, aber die Motivation ist groß: „Es liegt in meiner Verantwortung, für alle ansprechbar zu sein.“ Der beständige Antreiber für Pablo ist der Wunsch, möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie lebhaft, vielseitig und bunt zeitgenössischer Tanz ist – ein Türöffner eben.