Opernfestspiele 2025: Lachen und Weinen in Heidenheim

Blutiges Beil auf dem Plakat: Marcus Bosch, der künstlerische Direktor der Opernfestspiele Heidenheim.
Jürgen Kanold- Die Opernfestspiele Heidenheim unter Marcus Bosch bieten im Sommer das Motto „Lachen und Weinen“.
- Es gibt einen spektakulären Doppelabend mit „Gianni Schicchi“ und „Elektra“ am 4. Juli.
- Bosch erhielt den „Oper! Award“ für das beste Festival.
- Das Budget der Festspiele beträgt 3,5 Millionen Euro, unterstützt von Sponsoren und Fördervereinen.
- Premiere von Verdis „Attila“ am 17. Juli.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Lachen und Weinen“ lautet das Motto der Saison, aber das bezieht sich vor allem auf einen ungewöhnlichen, ja spektakulären Doppelabend. Auf den lustigsten Operneinakter folgt der blutigste: Jedenfalls dirigiert Marcus Bosch hintereinander „Gianni Schicchi“ von Giacomo Puccini und „Elektra“ von Richard Strauss. Und das Publikum darf sich entsprechenden Emotionen hingeben. Als künstlerischer Direktor der Opernfestspiele Heidenheim ist Bosch jedoch absolut fröhlich gestimmt. Der 55-Jährige sagt: „Ich habe ein Gefühl von Ernte.“
Seit 15 Jahren leitet der gebürtige Heidenheimer, der schon Generalmusikdirektor in Aachen und Nürnberg war, die Opernfestspiele auf der Ostalb, und zwar immer mit Blick aufs ganz Große. „OH!“, zwei Großbuchstaben im Kreis mit Ausrufezeichen, ist das Logo, was auch als „Oha!“ gelesen werden könnte. Wobei, meint Bosch, in der Opernwelt so langsam keiner mehr staunt. Bei den internationalen „Oper! Awards“, die im Februar sehr prominent in der belgischen Hauptstadt Brüssel vergeben wurden, durfte sich Bosch stolz den Preis für das „beste Festival“ abholen. In dieser Klasse möchte er spielen, und so sagt er gerne, angesprochen auf den Erfolg der Fußballer des 1. FC Heidenheim, den Nachbarn auf dem Schlossberg, dass sein Festival ja schon lange der Bundesliga angehöre.
Ernte heißt auch: Baden-Württemberg hat im Doppelhaushalt 2025/26 den Zuschuss für die Opernfestspiele fast verdoppelt, um 195.000 Euro auf 425.000 Euro. Nur noch die Burgfestspiele in Jagsthausen erhalten so viel Geld vom Land, gefolgt von den Freilichtspielen Schwäbisch Hall mit 365.000 Euro. Insgesamt verfügen die Heidenheimer über ein Budget von 3,5 Millionen Euro, das auch Fördervereine und Sponsoren mitfinanzieren. Wer im Kuratorium die Vorstandsvorsitzenden von Weltfirmen wie Hartmann, Voith und Zeiss sitzen hat, muss sich offenbar keine großen Sorgen machen.
Auch nicht selbstverständlich: Die gerade mal 50.000 Einwohner große Stadt Heidenheim lässt sich die Opernfestspiele in jedem Sommer rund 1,3 Millionen Euro kosten. Allerdings hat die Duale Hochschule Heidenheim in einer Studie die Umwegrentabilität ausgerechnet (für 2023): Das Festival könnte auch als ein städtisches Investitionsprogramm betrachtet werden, denn es spüle 3,3 Millionen Euro in die Kassen der lokalen Wirtschaft.
Starke Familiengeschichten
Just auf dieser Erfolgswelle wagt Bosch in diesem Sommer ein besonders ambitioniertes Projekt: „Gianni Schicchi“ und „Elektra “ an einem Abend, inszeniert von Vera Nemirova. Zwei Familiengeschichten: Einmal streitet sich die scheinheilig trauernde Verwandtschaft sehr komisch am Bett des toten Patriarchen ums Erbe, dann folgt eine antike Tragödie. Elektra, die Tochter des griechischen Königs Agamemnon, fordert besinnungslos Rache für ihren von der Mutter Klytämnestra erschlagenen Vater.
Der dramaturgische Clou: Zunächst soll „Gianni Schicchi“ (aus Puccinis „Il Trittico“) drinnen, im Festspielhaus CCH, über die Bühne gehen, dann wandert das Publikum nach der Pause weiter zum Open Air in den Rittersaal von Schloss Hellenstein. Marcus Bosch kann sich vorstellen, dass sein Ensemble vorangeht, mit theaterbluttriefenden Beilen… Premiere ist am 4. Juli, mit Ava Dodd als Lauretta (sie singt die berühmte Arie „O mio babbino caro“) und Christiane Libor als Elektra. Es spielen die Stuttgarter Philharmoniker.
Mit seinem Festspielorchester Cappella Aquilleia wiederum setzt Bosch im CCH die viel beachtete Reihe mit den frühen Verdi-Opern fort: „Attila“ hat am 17. Juli Premiere, inszeniert von Matthias Piro, bekannt als Co-Regisseur von Tobias Kratzer, dem Hamburger Opernintendanten, mit dem er nicht zuletzt in München an einem neuen Wagner-„Ring“ arbeitet. Mit dabei ist dann auch wieder der Tschechische Philharmonische Chor Brünn, der im Übrigen jetzt am Samstag unter Kyrill Petrenko in Baden-Baden bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker für „Madama Butterfly“ im Einsatz ist. Wie im vergangenen Jahr in Heidenheim bei dieser Puccini-Oper. „Da sieht man den Rang dieses Chors“, sagt Marcus Bosch – und strahlt.
Opern, aber noch viel mehr
Unter dem Motto „Lachen und Weinen“ bieten die Opernfestspiele Heidenheim von 5. Juni bis zum 27. Juli 2025 ein vielfältiges Programm. Beim Eröffnungskonzert am 5. Juni dirigiert Marcus Bosch die Deutsche Radio Philharmonie, Leah Gordon singt die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss. Alle Infos online unter opernfestspiele.de Telefonischer Ticket-Service: 07321/327 7777.

