Opernfestspiele Heidenheim
: Sturmlauf mit „Otello“ und „Macbeth“

Auf der Ostalb wollen auf jeden Fall die Opernfestspiele erstklassig bleiben: Unter dem Motto „MachtMenschen“ dirigiert Marcus Bosch im Sommer 2026 Werke von Verdi.
Von
Jürgen Kanold
Heidenheim
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Mit der Cappella Aquileia führt Marcus Bosch in diesem Jahr bei den Opernfestspielen Heidenheim Verdis "Macbeth" auf.

Mit der Cappella Aquileia führt Marcus Bosch in diesem Jahr bei den Opernfestspielen Heidenheim Verdis "Macbeth" auf.

Franca Wrage
  • Opernfestspiele Heidenheim bleiben erstklassig: Motto „MachtMenschen“ mit Verdi-Werken.
  • „Otello“ hat am 3. Juli Premiere auf der Freilichtbühne, mit den Stuttgarter Philharmonikern.
  • „Macbeth“ im Festspielhaus: Bosch dirigiert die Urfassung von 1847 mit Cappella Aquileia.
  • Fragen nach Entstehung und Missbrauch von Macht prägen die Inszenierungen.
  • Rahmenprogramm mit Kinderoper „Holle!“ und Galakonzert am 15. Juli – Infos unter opernfestspiele.de.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Fußballer des 1. FC Heidenheim sind ja nun leider abgestiegen in die 2. Bundesliga. Es wird ruhiger auf dem Schlossberg. Aber die Opernfestspiele nebenan wollen auch in diesem Sommer, vom 6. Juni bis 26. Juli, erstklassig bleiben. „Ja, wir wollen unserem Ruf gerecht werden“, sagt Intendant Marcus Bosch, „doch die Messlatte liegt hoch, es ist nicht leicht, jedes Jahr noch eine Schippe draufzulegen“.

Kann man nachvollziehen, denn 2025 hatte Bosch eine spektakuläre Idee realisiert: Giacomo Puccinis komödiantischen Einakter „Gianni Schicchi“ und die archaisch-blutrünstige Tragödie „Elektra“ von Richard Strauss zum Doppelabend verbunden. Der erste Teil drinnen im Festspielhaus, der zweite auf der Open-Air-Bühne im Rittersaal von Schloss Hellenstein. Ein künstlerisch weithin beachteter Erfolg, auch beim Publikum, mit mehr als 90 Prozent Platzbelegung.

Und jetzt? Wird es sehr italienisch. Mit zwei Opern Giuseppe Verdis, die auf Dramen William Shakespeares basieren: „Otello“ und „Macbeth“. So heißt das Motto der Saison: „MachtMenschen“. Der „Otello“ (Premiere am 3. Juli) also auf der Freilichtbühne, inszeniert von Rosetta Cucchi: Ein gekränkter Mensch, Jago, zerstört einen anderen Menschen, und zwar mittels Eifersucht. Otello, das Opfer, übersteht einen furchtbaren Sturm, er besiegt als Feldherr die feindliche Flotte, er wird von Desdemona geliebt – aber weil er ein Schwarzer ist in einer rassistischen Gesellschaft, muss er seinen Abstieg befürchten.

„Wie entsteht Macht?“

Im Festspielhaus ist die Verdi-Reihe mit Frühwerken des Komponisten nun bei „Macbeth“ angekommen. Wobei Bosch dann die selten zu hörende Urfassung von 1847 mit der Cappella Aquileia aufführen wird (in der Regie von Andreas Baesler). „Wie entsteht Macht? Wie wird sie missbraucht? Wie zerbrechen Menschen daran? Und vor allem: Wie leicht lassen sich Gesellschaften durch Angst, Gerüchte und gezielte Manipulation lenken?“ Mit solchen Fragen beschäftigt sich Bosch in den Opernproduktionen. Die Welt „als Spielball narzisstischer Machtmenschen“: ein leider sehr aktuelles Thema.

Draußen, bei „Otello“, sitzen wieder die Stuttgarter Philharmoniker im Graben. Die Zusammenarbeit mit den Opernfestspielen ist bis 2030 verlängert worden. Eine Win-win-Musikalie: Das Orchester hat einen gewichtigen Sommer-Termin und erfüllt, subventionstechnisch, „einen wichtigen Auftrag des Landes Baden-Württemberg, nämlich in den wichtigen Musikstätten des Landes außerhalb der Hauptstadt Präsenz zu zeigen“. So drückt es Philharmoniker-Intendant Christian Lorenz aus.

Noch eine Schippe drauflegen? Die Opernfestspiele auf der Ostalb haben ihr Angebot in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut zum Klassik-Festival, trotz „exorbitant gestiegener Kosten für die Technik“, wie Bosch sagt. So konzertiert etwa die Deutsche Radio Philharmonie unter der Leitung von Pietari Inkinen in Heidenheim. Man kennt und schätzt sich: Beide sind an der Neuproduktion von Wagners „Ring“ in Peking beteiligt, der Finne dirigierte die „Walküre“, Bosch jetzt im Frühjahr den „Siegfried“.

Die Kinderoper „Holle!“

Ein wichtiger Programmpunkt ist auch die Kinderoper: Mit „Holle!“ von Sebastian Schwab, einem Werk über den Klimawandel nach Motiven des Grimmschen Märchens, kooperieren die Festspiele mit der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg. Schwab war Student in der Dirigierklasse von Marcus Bosch an der Musikhochschule in München und später etwa Kapellmeister in Bern, aber mittlerweile ist er als Komponist enorm gefragt (für Stuttgart schrieb er den „Räuber Hotzenplotz“).

Apropos Fußball. Da kennen sich die Heidenheimer aus, und deshalb haben die Opernfestspiele extra das Galakonzert vorverlegt, auf den Mittwoch, 15. Juli – denn sonntags steht das WM-Finale an. Die Cappella Aquileia spielt Beethovens 6. Sinfonie und Péter Eötvös‘ „Speaking drums“ mit dem Perkussionisten Alexej Gerassimez.

Klassik-Festival auf der Ostalb

Die Opernfestspiele Heidenheim bietet vom 6. Juni bis 26. Juli 2026 ein großes Programm, vom „Jazzfrühstück“ und Konzerten bis zur dramatischen Oper. Giuseppe Verdis „Otello“ hat am 3. Juli Premiere, „Macbeth“ am 16. Juli. Alle Infos, auch zum Kartenverkauf, unter opernfestspiele.de.