Neues Album von The Notwist: „Hinter jedem Schaufenster sitzt jemand allein vor dem Bildschirm“

Wollten das Live-Gefühl auf die Platte holen: The Notwist, hier mit Sänger Markus Acher (rechts) und Cico Beck bei einem Konzert in Reutlingen.
IMAGO/Alexander Gonschior- The Notwist kündigen „News From Planet Zombie“ für den 13. März 2026 an.
- Erstes Live-Setting-Album seit 30 Jahren, aufgenommen im „Import Export“ in München.
- Ziel: gemeinsames Musizieren gegen Isolation und für internationalen Austausch.
- Songs in einer Woche mit sieben festen Mitgliedern und Gästen eingespielt.
- Tour geplant: u. a. 25. April Heidelberg, 9. Juni München, 2. November Stuttgart.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Über den Titel muss man eigentlich gar nicht reden: Natürlich geht es auf „News From Planet Zombie“ um die besorgniserregende Lage der Welt. Aber The Notwist setzen dem globalen Wahnsinn bayerischen Gemeinsinn entgegen: Erstmals seit 30 Jahren haben die Indie-Vorbilder ein Album in einem Live-Setting aufgenommen, bei sich daheim in München. Am 13. März 2026 erscheint es bei Morr Music (im Vertrieb von Indigo). Das Kerntrio aus Markus (Gesang, Gitarre) und Micha Acher (Bass) sowie Cico Beck (Elektronik) traf sich mit unserer Zeitung vorher zum Zoom-Interview.
Momentan ist es ziemlich schwierig, NICHT über den Zustand der Welt nachzudenken. Kann Musik zur Besserung beitragen oder ist das Problem, dass sie genau das nicht kann?
Markus Acher: Musik kann insofern etwas beitragen, als sie Gefühlen, der Wut, der Verzweiflung, dem Ärger, aber auch der Hoffnung Ausdruck verleihen kann. Und das auf eine emotionellere, intuitivere Art als die Nachrichten. Ich bin froh, dass wir das haben.
Welche Rolle spielt das auf „News From Planet Zombie“?
Markus Acher: Einerseits war es uns ein politisches Bedürfnis, an einem Ort zusammenzukommen und zusammenzuarbeiten, auch mit Leuten, die aus den USA, China oder Japan stammen. Andererseits ging es uns darum, die Isolation aufzubrechen. Politiker versuchen aktuell, Grenzen dichtzumachen. Für den Fortbestand der Welt ist aber am wichtigsten, dass es Bewegung gibt, dass wir von überall Inspiration und Ideen bekommen. Und wenn man durch die Straßen geht, sitzt mittlerweile hinter jedem Schaufenster jemand alleine vor dem Bildschirm. Dann ist es toll, sich so treffen zu können wie wir.
Der Vorgänger „Vertigo Days“ war von internationalen Gästen mitgeprägt, „Planet Zombie“ ist ein München-Album. Warum ist der Notwist-Planet kleiner geworden?
Cico Beck: Es war auf jeden Fall eine sehr bewusste Entscheidung. München spielt eine sehr große Rolle für uns. Wir sind auch mit anderen Bands unterwegs in der Szene. Und das „Import Export“, in dem wir aufgenommen haben, ist für uns ein wichtiger Ort, weil dort unkonventionelle und unkommerzielle Veranstaltungen gemacht werden.
Wie hat es sich angefühlt, diesen Ort in ein Studio zu verwandeln?
Micha Acher: Das Lustige war, dass Markus geträumt hatte, dass wir dort aufnehmen. Dann hatten wir angefragt, ob es dafür einen Zeitraum geben würde – und es hat genau gepasst! Im „Import Export“ ist es toll, da gibt es Mittagstisch, außen herum sind Ateliers, da ist immer etwas los. So war das auch bei den Aufnahmen. Es hat sich angefühlt, als ob die Leute einfach so vorbeischauen würden. Obwohl natürlich alles geplant war!
„Im Nachhinein war das sogar kreativer“
Die Platte wurde mit der gesamten Band aufgenommen. Sieben feste Mitglieder, dazu die Gäste, alles innerhalb nur einer Woche. Wie organisiert man das?
Markus Acher: Natürlich war Glück dabei. Chris (Tianping Christoph Xiao, d. Red.), der für uns Klarinette gespielt hat, hatte sich die Achillessehne gerissen und einen Riesengips. Er ist trotzdem gekommen, mit Krücken. Doch es war viel Arbeit von Cico und allen, das zu koordinieren. Was auch noch anders war: Früher haben wir einfach angefangen – und dann hat sich aus dem Spielen und Herumschneiden ein Stück entwickelt. Um in einem so kurzen Zeitraum aufnehmen zu können, brauchten wir aber fertige Songs und feste Strukturen. Im Nachhinein war das sogar kreativer.
Hat der Input der anderen Mitglieder auch Euch überrascht?
Cico Beck: Das war toll, dass jeder die Gelegenheit hatte, die Lieder zu spielen, ohne Klick im Ohr, von vorne bis hinten, und sie dabei auch zu interpretieren. Da hatte jeder seinen Raum.
Ist „News From Planet Zombie“ durch dieses Setting ein Rock-Album geworden?
Markus Acher: Nein, darauf hatten wir einfach Lust. Weil „Magnificent Fall“ – die Compilation, die wir im Herbst veröffentlicht haben – sehr elektronisch ist. Und weil es uns nach Corona ein Bedürfnis war, so zu spielen.
Deswegen auch die zwei Coverversionen?
Markus Acher: „Red Sun“ haben wir ursprünglich für ein Theaterstück gemacht. Neil Young ist ein großer Name und ein großes Vorbild – und klingt auch dann noch nach Neil Young, wenn man ihn nachspielt. Für uns war die Herausforderung, ein Arrangement zu finden, in dem das anders ist. Das andere Cover kam als Gegenpol zu diesem romantischen Lied dazu: die unbekannte Frauen-Indie-Band Lovers mit einem sehr wütenden Song.
Nach den Aufnahmen gab es direkt ein Konzert mit den neuen Songs im „Import Export“. Wären Sie am liebsten gleich auf Tour gegangen?
Micha Acher: Das geht leider nicht, wir müssen warten, bis die Platte fertig ist! Wir haben danach aber noch ein paar Konzerte mit der Pocketband (die Acher-Brüder und Drummer Andi Haberl, d. Red.) gespielt. Das war eine komische Situation, weil unsere Mitmusiker dann zum Teil vor uns standen. Als Max (Punktezahl, Gitarrist und Keyboarder, d. Red.) in Hamburg im Publikum war, hat uns das wirklich verwirrt. Ihn hat es gefreut, er hatte die Band ja auch schon lange nicht mehr live gesehen!
Ab dem Frühjahr auf Tour
The Notwist wurden 1989 im oberbayerischen Weilheim gegründet. Nach einer Hardcore-Anfangsphase wandte sich die Gruppe dem Indie zu und öffnete sich Einflüssen aus Jazz und Elektronik. Aus der Originalbesetzung sind noch die Brüder Markus und Micha Acher dabei. Cico Beck kam 2014 dazu. Live hat die Band aktuell sieben Mitglieder.
Mit „News From Planet Zombie“ sind The Notwist 2026 auch auf Tour: Konzerte sind unter anderem am 25. April in Heidelberg, am 9. Juni in München und 2. November in Stuttgart geplant.


