Neues Album von Get Well Soon: „Man sollte das nicht tun, eine Rockplatte am Rechner machen“

Nicht mehr alleine: Konstantin Gropper hat ein neues Album aufgenommen, erstmals mit der gesamten Band.
Oskar Funke- Get Well Soon wird 20: Konstantin Gropper veröffentlicht dieses Jahr zwei Alben.
- „Minus The Magic“ erscheint am 22. Mai 2026 und klingt nach 90er-Indie mit Gitarren.
- Cover stammt von Fotografin Nina Röder, Gropper mochte die Verbindung zum Titel.
- Er reflektiert über Alter und Herkunft, Nostalgie solle keine Regression sein.
- Erstmals nahm er mit kompletter Band auf – Rockplatten sollten im Studio entstehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Irgendwann werden auch die Indie-Kids zu Jubilaren. Jetzt erwischt es Konstantin Gropper, Jahrgang 1982: Sein Projekt Get Well Soon wird 20. Zur Feier veröffentlicht der zuletzt eher als Film- und Fernsehkomponist ( „Achtsam morden“) aktive Musiker in diesem Jahr gleich zwei Alben. Das erste davon erscheint am 22. Mai 2026: „Minus The Magic“ ist überraschend zupackend geworden. Warum, erklärte Gropper im Videointerview mit der SÜDWEST PRESSE.
Ich habe eine Frage zum Cover und ich weiß offen gesagt nicht, welche Antwort mir lieber wäre: Wurde da mit KI herumgespielt oder hat da wirklich jemand drei Scheiben Fleischwurst über den Kopf einer Marienfigur gelegt?
Konstantin Gropper: Das ist ein bestehendes Kunstwerk, die Fotografin heißt Nina Röder. Das Bild habe ich in einer Ausstellung gesehen, es hat mich direkt angesprochen. Ich hatte sofort eine Assoziation zu meiner Oma – wegen der Figur und wegen der Wurst. Tatsächlich entstand das Foto, nachdem die Künstlerin die Wohnung ihrer Großmutter ausgeräumt hatte. Mir hat aber vor allem die Verbindung zum Albumtitel gefallen: Wahrscheinlich nimmt nichts mehr Magie weg als Lyoner!
„Ich würde nicht von Midlife Crisis sprechen“
KI-Ästhetik wäre ja auch das Gegenteil von dem, wofür Get Well Soon steht. Auf „Minus The Magic“ umso weniger. Die Songs klingen nach 90er-Jahre-Indie, Sie singen von „Teenage Angst“. Warum sind Sie in der Nostalgie-Phase Ihrer Karriere angekommen?
Ich hoffe nicht, dass es allzu nostalgisch ist! Ich würde nicht von Midlife Crisis sprechen, aber ich bin in einem Alter, wo man öfter nachdenkt: über den bisherigen Weg und wie es weitergeht. Ich wollte mich nicht wieder jung fühlen, aber herausfinden, wie ich gelandet bin, wo ich heute bin. Als Teenager habe ich diese Art Musik gehört – und beschlossen, dass ich jetzt auch eine Band gründen will.
Als Ihr vorheriges Album „Amen“ veröffentlicht wurde, sprachen wir über Ihren in der Pandemie neu entdeckten Optimismus. Inwiefern ist die Regression jetzt eine Antwort auf die tatsächliche Entwicklung der Welt?
Ich glaube, es hat weniger damit zu tun als mit dem eben erwähnten Drang, mich stärker mit mir selbst zu beschäftigen als mit der Welt um mich herum. Ich war nie ein Freund von Eskapismus und so ganz sind die aktuellen Entwicklungen auf dem Album auch nicht ausgespart, zum Beispiel in dem Song „When They Cheer You’re Wrong“. Mag sein, das einen aktuell oft ein Gefühl der Rat- oder Machtlosigkeit beschleicht, aber hier bin ich mir sicher: Regression ist nie die Antwort.
Wenn die reifen Männer im Proberaum noch einmal die Gitarrenverzerrer aufdrehen, ist das ein Klischee. Wie gut können Sie damit umgehen, für Jüngere langsam ein bisschen „cringe“ zu werden?
Vielleicht ist eine der größten Veränderungen beim Älterwerden, dass man nicht mehr so viel darüber nachdenkt, was andere denken. Wieso muss ich jetzt hier noch groß was beweisen? Wieso kann ich nicht einfach machen, worauf ich Lust habe? Also von daher: Ja, ich kann gut damit umgehen. Als es mit Get Well Soon los ging, habe ich mich schon manchmal gefragt, wie etwas bei den Leuten ankommt. Ich bin mit jedem Album ein bisschen lockerer geworden.

Get Well Soon: "Minus The Magic" (Recordjet/Edel)
Nina RöderSie sagen selbst: „Das ist Musik von Menschen mittleren Alters für Menschen mittleren Alters.“ Wie fühlt sich das an?
Unser Publikum auf den Konzerten war ja schon immer nicht ganz so jung, am Anfang meistens älter als wir auf der Bühne. Ich persönlich finde es sowieso albern zu denken, dass nur junge Menschen Popmusik hören. Man muss doch eher aufpassen, dass man sich nicht bei der Jugend anbiedert. Ich habe selbst einen Teenagersohn – der fände es wahrscheinlich schrecklich, wenn ich versuchen würde, seine Altersgruppe erreichen. Das wird auch nicht funktionieren, die Codes funktionieren anders. Warum sollte ich mich also nicht in einem Feld bewegen, in dem ich mich auskenne?
„Alles musste immer Indie und DIY sein“
Bei Indie-Konzerten ist das inzwischen Alltag: überall graumelierte Typen, die noch den „Musikexpress“ lesen. Muss man sich da Sorgen um die Zukunft machen?
In der Musik junger Bands wie Royel Otis oder sogar Olivia Rodrigo stecken viele 90er-Einflüsse, wie auch auf „Minus The Magic“. Vielleicht fühlen sich deshalb ein paar ältere Semester im Publikum wohl – aber die werden natürlich auch von sehr jungen Leuten gehört. Als ich Teenager war, waren alle musikalisch total engstirnig, alles musste immer Indie und DIY sein. Ich finde es super, dass die Einflüsse jetzt viel freier sind – man darf heute in der Musik alles. Ein richtiger Spielplatz!
„Minus the Magic“ haben Sie erstmals mit der kompletten Band aufgenommen. Ist das „ehrlich Handgemachte“ die richtige Antwort auf die KI-Beliebigkeit?
Mit Sicherheit, aber mir ist das jetzt keine ultimative Tendenz. Es hat einfach Spaß gemacht, so zu arbeiten, und das Jubiläumsjahr war ein Antrieb.
Auf dem Album sind einige Songs, die sie schon 2014 auf „The Lufthansa Heist“ veröffentlicht haben.
Ich mochte immer die Songs auf der EP, aber ich mochte nie, wie sie klingen. Man sollte das einfach nicht tun, eine Rockplatte alleine am Rechner machen. Sie sollte gemeinsam im Studio entstehen. Das hat jetzt eine bessere oder richtigere Energie für mich.
„Minus the Magic“ ist nur eines von zwei Alben in diesem Jahr. Wie wird das zweite, „Séance“?
Es ist noch nicht ganz fertig, aber es wird tatsächlich von KI handeln. An dem Thema führt ja aktuell kein Weg vorbei. Natürlich kann man das verteufeln, zu Recht sogar. Doch das ist etwas, was bleiben wird. Ich bemühe mich, dazu eine Haltung zu finden. KI wirklich für den musikalischen Prozess zu benutzen, hat für mich aber so gut wie gar nicht funktioniert. Es ist also ein Album über und nicht mit KI.
Im Juni auf Tour
Konstantin Gropper wurde 1982 in Biberach geboren. Nach einiger Zeit in Berlin lebt er heute mit seiner Familie in Mannheim. „Minus The Magic“ (Recordjet/Edel) ist sein siebtes Album. Mit ihm geht er auch auf Tour: Stationen sind unter anderem das Ampere in München (2. Juni), das „About Pop“-Festival in Stuttgart (13. Juni) und das Ulmer Zelt (20. Juni).


