„Moosland“ von Katrin Zipse
: Die deutschen Frauen von Island – Lesung bei Jastram in Ulm

In der Ulmer Buchhandlung stellt die Autorin ihren Roman vor, der ein außergewöhnliches Auswanderinnen-Schicksal der Nachkriegszeit aufgreift.
Von
Jürgen Kanold
Ulm
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Katrin Zipse stellt ihren Roman "Moosland" in der Buchhandlung Jastram vor.

Katrin Zipse stellt ihren Roman "Moosland" in der Buchhandlung Jastram vor.

Jürgen Kanold
  • Romanvorstellung in Ulm: „Moosland“ wurde in der Buchhandlung Jastram präsentiert.
  • Der Roman greift eine Anzeige von 1949 auf: Island suchte Dienstmädchen für Höfe.
  • Rund 300 deutsche Frauen reisten auf der „Esja“ aus, einige blieben und heirateten.
  • Protagonistin Elsa erlebt Fremdheit und Sprachverlust – Parallelen zu Geflüchteten heute.
  • Autorin recherchierte in Island, lebte auf Höfen und half sogar beim Lämmergebären.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Isländischer Bauer sucht Frau: Das ist jetzt mal keine RTL-Show, sondern das Leben. „Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte“, warb im April 1949 eine Anzeige in den „Lübecker Nachrichten“. Deutschland lag in Trümmern, die Männer waren im Krieg geblieben, Not und Elend. Auf Island wiederum herrschte auf den Höfen großer Frauenmangel. Viele waren in die Städte gezogen, nach Reykjavik – oder gleich in die USA mit den GIs. Die Amerikaner hatten seit 1941 auf der Insel fast 40.000 Soldaten stationiert, den Flugplatz in Keflavik gebaut und nicht nur Coco-Cola und Kinos ins Land gebracht.

Rund 300 Frauen folgten dem lukrativen Angebot, bestiegen den Dampfer „Esja“. Ein hartes Leben, aber nicht wenige Auswanderinnen blieben auf Island, heirateten. Eine außergewöhnliche, wahre Geschichte – Katrin Zipse hat sie recherchiert für ihren eindrucksvoll erzählten Island-Roman Moosland“ (Dumont, 224 Seiten, 24 Euro), den sie am Donnerstag (26. März 2026) in der Buchhandlung Jastram vorstellte.

Das Gefühl der Fremdheit

Katrin Zipse ist gebürtige Stuttgarterin (mit einem Großvater, der im Ulmer Münster getauft wurde), sie arbeitet als Hörfunk-Redakteurin beim Südwestrundfunk in Baden-Baden und hat schon Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Nein, sagte sie im Gespräch mit Christine Berenbeck und Sebastian Lehmann, Island habe sie erst für ihren Roman entdeckt: Elsa, ihre (fiktive) Protagonistin, die 1949 nach Island kommt, hat ihre Sprache verloren, schweigt, trauert um ihre Angehörigen, ihre Freundin; und mit der Bauersfamilie kann sie sich sowieso nicht verständigen. „So geht es heute den Geflüchteten, mit einem großen Gefühl der Fremdheit, der Verlorenheit.“

Das sei ihr Thema gewesen, dann habe sie sich um ein Stipendium in Island beworben, und als sie 2019 erstmals dorthin reiste, ohne Vorwissen, habe sie über das Land so gestaunt wie Elsa. Weitere Island-Aufenthalte folgten, in allen Jahreszeiten – und viele Erlebnisse, sie hat auch mitgeholfen, Lämmer auf die Welt zu bringen. So war das bei Jastram auch ein sehr anregender Island-Abend. Und „Moosland“ ist schlichtweg eine intensiv erzählte Geschichte.