Sebastian Guggolz in Neu-Ulm
: „Es ist offensichtlich, dass Herr Weimer einen Kulturkampf führt“

Der Verleger und Vorsteher des Börsenvereins lässt bei „Literatur unter Bäumen“ kein gutes Haar am Kulturstaatsminister. Doch es gibt ja noch die Literatur.
Von
Marcus Golling
Neu-Ulm
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Neu-Ulmer Schwal: Verleger Sebastian Guggolz stellt seinen Guggolz Verlag vor (Literatur unter Bäumen)

Verleger Sebastian Guggolz (rechts) im Gespräch mit Moderator Florian L. Arnold.

Matthias Kessler
  • „Literatur unter Bäumen“ in Neu-Ulm: Gespräch mit Verleger Sebastian Guggolz.
  • Guggolz kritisiert Kulturstaatsminister Weimer – er spreche von Kulturkampf und Druck.
  • Eklat um den Deutschen Buchhandlungspreis: drei Läden gestrichen, Guggolz war Vorsteher.
  • Sein Verlag bringt Neuübersetzungen aus Ost- und Nordeuropa, zwei Bücher pro Halbjahr.
  • Lesungen aus Werken von Dagerman, Manner und Zemaitė, Jazz-Duo Blue Nose rahmte den Abend.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ihr Thema trägt die Reihe „Literatur unter Bäumen“ im Namen. Doch an diesem Abend geht es nicht nur um Kultur, sondern auch um ihre Feinde. Absurderweise ist einer davon der amtierende Kulturstaatsminister. „Es ist offensichtlich, dass Herr Weimer einen Kulturkampf führt“, sagt Sebastian Guggolz. Den Inlandsgeheimdienst auf Buchhandlungen anzusetzen, kenne man sonst nur aus Diktaturen und Autokratien. Wolfram Weimer wolle nicht, wie seine Vorgängerinnen, die Freiheit der Kultur schützen, „er versucht seine Vorstellungen von Kunst und Kultur durchzudrücken“.

Seit Oktober 2025 ist Guggolz Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, war also mittendrin, als es im März 2026 wegen der Streichung von drei Buchläden von der Gewinnerliste des Deutschen Buchhandlungspreises zum Eklat kam. „Ich war live in den Tagesthemen!“, sagt der in der Nähe von Ravensburg aufgewachsene Guggolz mit einem Grinsen. So etwas hätten seine Eltern sicher nicht erwartet, als er 2014 seinen Verlag gründete.

Viel los auf dem Schwal

Guggolz ist die Idealbesetzung für die von Verleger, Autor und Illustrator Florian L. Arnold für die Stadt Neu-Ulm organisierte „Kultur unter Bäumen“, entsprechend groß ist der Andrang beim vom Jazz-Duo Blue Nose umrahmten Auftakt am Donnerstag. Die Reihe geht dieses Jahr zum zehnten Mal über die Bühne. „Go East!“ lautet das Saisonmotto auf dem Schwal, in Bezug auf den Guggolz Verlag sollte man aber zusätzlich nach Norden blicken: Er veröffentlicht ausschließlich Neuübersetzungen literarischer Klassiker aus Ost- und Nordeuropa.

Keine Mainstream-Bücher, aber so schön gestaltet, dass die Buchhandlungen gar nicht anders könnten, als sie gut sichtbar zu platzieren, erklärt Guggolz seine Strategie. Ein „Business“ ist der Guggolz Verlag eigentlich nicht: ein Ein-Mann-Betrieb, nur zwei Bücher pro Halbjahr. Finanziert wird Guggolz' Leidenschaft durch seinen Brotjob, seit 2022 ist er Lektor bei S. Fischer. Und beim Anschub half indirekt das ZDF: 2015 gewann Guggolz 250.000 Euro in der Show „Der Quiz-Champion“.

„Bücher sind ein ganzer Kosmos“

Das Publikum folgt aufmerksam dem Gespräch von Arnold und Guggolz, das sich natürlich auch um Guggolz-Bücher dreht. Aus drei neuen trägt Edith Ehrhardt von der Theaterei Herrlingen Passagen vor: Beschreibungen einer Kindheit im ländlichen Schweden von Stig Dagerman (1923-1954), Flirrend-Poetisches der Finnin Eeva-Liisa Manner (1921-1995), Erinnerungen an das bäuerliche Leben im Litauen des 19. Jahrhunderts von Zemaitė (1845-1921). Mit Guggolz kann man in fremde, auch untergegangene Welten reisen. „Bücher sind ein ganzer Kosmos“, sagt der Verleger.

Der nimmt zum Schluss noch ein besonderes Geschenk entgegen: einen alten Stuhl. Er ist eine Gabe vom Buchhändlerpaar Thomas und Angelika Mahr aus Langenau, die von Guggolz' Sammelleidenschaft wissen. Darüber muss Moderator Florian Arnold schmunzeln: Er sei gespannt, wie Guggolz den mit öffentlichen Verkehrsmitteln heim nach Berlin bringe.

„Literatur unter Bäumen“ geht weiter: Am Samstag, 29. August, 19 Uhr, ist der Friedrich Mauke Verlag aus Weimar zu Gast, am Sonntag, 30. August, 11 Uhr, gibt es einen Literatur-Gottesdienst auf dem Schwal.