Kultur in der Finanzkrise: Soll das Land die Staatstheater Stuttgart ganz allein finanzieren?

Das Land und die Stadt Stuttgart finanzieren die Staatstheater, darunter die Staatsoper, je zur Hälfte. Und was passiert, wenn die Landeshauptstadt immer mehr sparen muss?
Bernd Weißbrod/dpa- SPD-Politiker Rivoir will, dass das Land die Staatstheater Stuttgart komplett trägt.
- Aktuell finanzieren Land und Stadt je 50 %; Stuttgart kürzt 2026 über 4 Mio. Euro.
- Laut Vertrag würde dann auch das Land um 4 Mio. Euro weniger zahlen.
- Kunstministerin Olschowski: Land geht in Vorleistung, zahlt 59,4 Mio. Euro.
- Beispiele: Bayern teils 100 % (München), teils 50-50; Rivoir: „Qualität kostet“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Kultur spielt keine große Rolle im baden-württembergischen Wahlkampf – außer wenn's ums Geld geht. Ist das Milliardenprojekt Stuttgarter Oper bezahlbar? Martin Rivoir, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag und auch Vorsitzender des Finanzausschusses, aber hat jetzt gegenüber der SÜDWEST PRESSE einen überraschenden Vorschlag formuliert: „Weil Stuttgart mit der Finanzierung der Württembergischen Staatstheater überfordert ist, sollte das Land dieses kulturelle Flaggschiff mit internationaler Ausstrahlung ganz übernehmen.“
Was ist ein Staatstheater? Ein Theater, für das der Staat zahlt – und nicht die Stadt, in der es spielt. Aber so einfach ist es nicht. So werden die Staatstheater in Stuttgart, wie auch die Badischen Staatstheater in Karlsruhe, jeweils zur Hälfte vom Land und der Kommune finanziert. Und das kann ein Problem sein, wenn ein Partner in Finanznot gerät beziehungsweise sparen muss.
Wie jetzt in der Landeshauptstadt: So kürzt Stuttgart 2026 den Zuschuss für die Staatstheater um gut vier Millionen Euro, entsprechend wäre das Drei-Sparten-Haus doppelt getroffen, weil das Land laut 50-50-Vertrag dann auch vier Millionen Euro weniger zahlen müsste. Einstweilen hat Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne) erklärt, dass das Land in Vorleistung gehe, es die Zuschüsse in vorgesehener Höhe auszahle (59,4 Millionen Euro). Aber wie geht es weiter?
Und was macht Bayern?
Beim Blick in die deutsche Theaterlandschaft finden sich verschiedene Modelle. „Staatstheater“, keine Frage, ist ein Titel mit Anspruch, eine Statement. Aber deshalb zahlen die Länder nicht zwangsläufig allein für diese Bühnen. Auch Hessen finanziert seine Staatstheater in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel nur ungefähr zur Hälfte. In Niedersachsen trägt das Land das Staatstheater in Hannover komplett, in Oldenburg aber ist die Stadt mit einem Viertel der Kosten dabei, in Braunschweig mit einem Drittel. Bayern wiederum hat zuletzt Augsburg, Würzburg und Regensburg zu Staatstheatern befördert, finanziert diese aber nach dem 50-50-Modell. Die Bayerische Staatsoper und auch das Bayerische Staatsschauspiel in München aber werden zu 100 Prozent vom Freistaat getragen: mit Stolz, als kulturelle Vorzeigeeinrichtungen.
Derart stellt sich das Martin Rivoir in Stuttgart mit dem Württembergischen Staatstheater vor: „Qualität kostet.“ Was da wohl mitschwingt: dass das Großprojekt Opernsanierung ohne den Co-Partner Stuttgart viel schneller realisierbar wäre. Wobei Rivoir sowieso für einen Opernneubau im S21-Areal plädiert.
