Künstler aus Ulm: Wacher Blick und frecher Strich – Burkhard Tümmers ist tot

Burkhart Tümmers in seiner Ausstellung „Ernst und heiter – neun Jahrzehnte usw.?“ im Jahr 2020 im Kunstverein Ulm.
Foto: Volkmar Koenneke- Ulmer Dermatologe und Künstler Burkhart Tümmers starb mit 101 Jahren am 9. Juli 2026.
- Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung ist am 29. Juli um 11 Uhr auf dem Hauptfriedhof Ulm.
- Er zeichnete bevorzugt Menschen, humorvoll und freundlich, und stellte bis ins hohe Alter aus.
- 2023 erhielt er den Gildepreis der Künstlergilde Ulm, zeigte neue Arbeiten mit farbigem Fond.
- 2020 blickte er im Kunstverein Ulm auf neun Jahrzehnte mit 170 Zeichnungen zurück.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eigentlich hätte Burkhart Tümmers um den Jahreswechsel noch an der Mitgliederausstellung im Kunstverein Ulm teilnehmen sollen. Er, mit 101 Jahren das zu diesem Zeitpunkt älteste aktive Mitglied, sogar ein hochaktives: Bis zuletzt malte und zeichnete der Dermatologe und passionierte Künstler, auch dann noch, als er seinen Lebensabend in der Seniorenresidenz Friedrichsau verbrachte. Doch zum Zeitpunkt der Schau war der 1924 geborene Tümmers schon schwerkrank. Am 9. Juli 2026 ist er gestorben, wenige Wochen vor seinem 102. Geburtstag. Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet am 29. Juli, 11 Uhr, auf dem Hauptfriedhof Ulm statt.
Burkhart Tümmers wurde am 27. Juli 1924 in Thüringen geboren und nach dem Abitur 1942 zur Wehrmacht eingezogen. 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst vier Jahre später freikam. Danach studierte Tümmers Medizin in Berlin und Frankfurt, beendete seine Facharztausbildung in Tübingen und eröffnete schließlich 1959 in Ulm eine eigene Hautarzt-Praxis. Ab 1992 genoss er seinen Ruhestand und widmete sich ganz der Kunst.
Putin als Zentaur
Tümmers malte Landschaftsbilder, vor allem aber war er ein leidenschaftlicher Zeichner, der Menschen mit wenigen Strichen porträtieren und karikieren konnte. In unzähligen Ausstellungen konnte man das bestaunen, zuletzt etwa 2023 im Landratsamt Alb-Donau: Putin als Zentaur, Angela Merkel, deren Handy von den USA abgehört wird, der damalige Dekan Ernst-Wilhelm Gohl mit den umstrittenen Heiligen Drei Königen von Martin Scheible aus dem Münster. Er nahm auch in hohem Alter mit wachen Augen wahr, was um ihn herum passierte – und brachte es mit Humor aufs Papier.
2023 war Tümmers auch mit dem Gildepreis der Künstlergilde Ulm prämiert worden, unter anderem für ein Porträt von „Sonny Boy Frei“ (Schauspieler Walter Frei) mit einem Weinglas in der Hand, vor monochrom orangefarbenem Hintergrund. Das war damals neu in Tümmers' Werk. Auch mit seinerzeit 98 Jahren probierte er noch etwas.
2020 hatte er schon einmal im Schuhhaussaal des Kunstvereins auf sein Lebenswerk zurückgeblickt: 170 Zeichnungen aus neun Jahrzehnten hatte er dafür gesichtet, teils aus Skizzenbüchern geschnitten und selbst gerahmt. Schon als Sechsjähriger zeichnete er Schiffe, später verlegte er sich auf seine Mitmenschen, vor allem Prominente, von großkopferten Ulmern bis zur großen Politik. „Die Leute wollen sich schön sehen“, sagte Tümmers anlässlich der Ausstellung der SÜDWEST PRESSE. „Wenn man zu arg karikiert, kriegt man eins aufs Dach.“
Es blieb ihm erspart. Tümmers blieb auch mit dem Stift freundlich und bei seinen Mitmenschen beliebt. Wolfgang Röhr, der heutige Vorsitzende des Kunstvereins, kannte ihn schon seit Kindertagen. „Ein bewundernswerter und liebenswerter Mensch“, findet er. „Für den Kunstverein ist sein Tod ein großer Verlust. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.“

