„klassisch!“ mit dem Delian Quartett: Und dann war Schluss mit lustig nach einem „Tanz durch die Zeit“

Das Delian Quartett mit (von links) Adrian Pinzaru, Andreas Moscho, Lara Albesano und Hendrik Blumenroth im Ulmer Stadthaus.
Jürgen Kanold- Saisonauftakt 2026/27 in Ulm: Delian Quartett spielt „Tanz durch die Zeit“.
- Erster Teil mit Purcell, Bach, Haydn, Weill, Schnittke und Balakrishnan.
- Nach der Pause Schostakowitschs 3. Streichquartett – lange Stille, dann Applaus.
- Keine Zugabe nach dem Quartett, da der erste Teil viele „Zugaben“ enthielt.
- Ankündigung: Anna Prohaska singt am 14. Oktober im Stadthaus „Behind The Lines“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Publikum eines Streichquartett-Abends singt die deutsche Nationalhymne. Der Moderator fragt wie in einem Musik-Quiz nach dem Urheber der geklauten Melodie in Carlos Gardels berühmtem Tango „Por una cabeza“: Beethoven, Haydn? Nein, Mozart, aus dem C-Dur-Rondo für Violine und Orchester. Und zum ersten Mal in 59 „klassisch!“-Konzerten seit 2013 gibt's am Ende keine Zugabe. Aus Gründen. Was war das denn für ein außergewöhnlicher Saisonauftakt im fast voll besetzten Stadthaus?
Das Delian Quartett, das nicht zuletzt für seine besonderen Konzept-Konzerte bekannt ist, war zu Gast mit einem Programm unter dem Titel „Tanz durch die Zeit“. Eine Wundertüte – oder „ein Blumenstrauß“ an Tanz-Stücken, wie es der fröhliche Andreas Moscho (2. Violine) ankündigte. Gut 400 Jahre Musikgeschichte, unterhaltsam durchstreift: eine Pavane von Henry Purcell, das „Air“ von Johann Sebastian Bach oder das Menuetto aus Joseph Haydns „Kaiserquartett“ – genau, deshalb ließ der Moderator die Nationalhymne anstimmen, denn in diesem Werk finden sich im 2. Satz die Variationen über „Gott erhalte Franz den Kaiser“, der Melodie, die Heinrich Hoffmann von Fallersleben dann für sein „Lied sein Deutschen“ auswählte.
Nett. Aber dann kam das Tanz-Thema immer interessanter, spannender in Bewegung: mit einer herrlich schräg-ulkigen Polka von Alfred Schnittke. Oder mit Kurt Weills Foxtrott „Berlin im Licht“. Oder mit David Balakrishnans „Skylife“, einer jazzig groovenden Nummer des Turtle Island Quartets. Stark, bunt, virtuos, klangvielfältig.
Schluss mit lustig!
Nach der Pause noch ein zuversichtliches Gotteslob aus der Renaissance, „Sing joyfully“ von William Bird. Aber dann war „Schluss mit lustig“, wie es Moscho trefflich formulierte. Es folgte das 3. Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch, 1946 komponiert, im Gedenken an den Zweiten Weltkriegs, der in der Sowjetunion fast 30 Millionen Todesopfer forderte. Programmmusik geradezu in fünf Sätzen: letzte Sorglosigkeit, Vorahnung, zunehmende Angst, Aufmarsch der Truppen, das Inferno, der Blick über Gräber und Ruinen, eine herzzerreißende Klage, ein unerlöstes Verstummen. Das lässt sich alles hören in Schostakowitschs Schärfe und Eindringlichkeit. Ein großartiges, schockierendes, aktuelles Werk: so technisch zupackend, klangvoluminös wie aufrüttelnd gespielt vom Delian Quartett mit Adrian Pinzaru (1. Violine), Andreas Moscho (2. Violine), Lara Albesano (Bratsche) und Hendrik Blumenroth (Cello).
Lange Stille. Dann großer Applaus. Ein erstaunlich gerundetes Programm, gewissermaßen bis einem das Lachen vergeht. Ja, was sollte auf dieses erschütternde Verklingen folgen? Das Publikum stimmte Andreas Moscho zu. Und der erste Teil dieses „klassisch!“-Konzerts hatte ja praktisch aus lauter Zugaben bestanden.
Liederabend mit Anna Prohaska
Sie ist Ensemblemitglied der Berliner Staatsoper, gehört international zu den gefragten Sopranistinnen – und wurde 1983 in Neu-Ulm geboren! Als Tochter des damaligen Opernchefs am Ulmer Theater. Am 14. Oktober, 20 Uhr, kommt Anna Prohaska zu einem Liederabend der „klassisch!“-Konzerte ins Ulmer Stadthaus: mit ihrem Programm „Behind The Lines“, das einen emotionalen Bogen zwischen Krieg und Frieden spannt. Karten gibt es an der Tourist-Information im Stadthaus, an allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie unter swp.de/ticketshop. Schüler zahlen nur 9 Euro.
