„klassisch!“-Konzert
: „Wunderbare Entdeckungsreise“ mit dem Amelio Trio in Ulm

InterviewDas Amelio Trio, Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs 2024, eröffnet am 19. September 2025 die Kammermusik-Saison im Stadthaus.
Von
Jürgen Kanold
Ulm
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Das Amelio Trio eröffnet am 19. September 2025 die Saison der "klassisch!"-Konzerte im Stadthaus Ulm.

Das Amelio Trio mit Johanna Schubert (Violine), Merle Geißler (Cello) und Philipp Kirchner (Klavier) eröffnet am 19. September 2025 die Saison der „klassisch!"-Konzerte im Stadthaus Ulm.

Irène Zandel

Nominiert von der Kölner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg, dem Barbican Centre London und der Philharmonie du Luxembourg ist das Amelio Trio zum „Echo Rising Star“ der Saison 2026/27 ernannt worden – verbunden mit Auftritten in den bedeutendsten Konzertsälen Europas. Das Ulmer Stadthaus gehört da wohl nicht dazu, dafür spielen Johanna Schubert (Violine), Merle Geißler (Cello) und Philipp Kirchner (Klavier) dort schon jetzt am Freitag, 19. September 2025: zum Auftakt der „klassisch!“-Konzerte. Ein Video-Interview mit den drei 1999 Geborenen, die gerade ihr „Camp“ im Kloster Frenswegen (Landkreis Grafschaft Bentheim, Niedersachsen) aufgeschlagen haben, um intensiv zu proben – unter anderem das „Erzherzog-Trio“ Ludwig van Beethovens, das sie im Stadthaus aufführen werden.

Schon seit Sie 13 Jahre alt waren und in Frankfurt am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teilnahmen, spielen Sie zusammen: die Hälfte Ihres Lebens! War das nie in Frage gestellt? 
Merle Geißler: Wir haben nie aufgehört, zusammen zu spielen, auch als wir ab einem bestimmten Punkt getrennte Wege gingen, in unterschiedlichen Städten studierten. Dann haben wir mit neuen Erfahrungen weitergemacht, um etwas Großes zu erreichen, zu dritt. Als wir 2023 den 2. Preis beim ARD-Musikwettbewerb gewannen, war spätestens klar, dass das etwas werden kann als Klaviertrio.

Sie hatten keine anderen Ziele und Träume, ob Solo-Karriere oder Orchestermusik?
Nicht wirklich. Als Jugendliche hatten wir einfach den Spaß und verschwendeten auch keinen Gedanken daran, was in 20 Jahren unser Lebensmittelpunkt sein könnte und wie wir unser Geld verdienen. Beim Studium musste jeder selbst viel lernen, individuell, aber das Klaviertrio war uns immer das Wichtigste in unserem musikalischen Leben. Wenn man sich vertrauen, wenn jeder sich auf den anderen verlassen kann, ist das ein Riesenglück.

Klaviertrios sind ja zumeist Vereinigungen von Solisten, während Streichquartette tatsächlich als feste, eigenständige Kammermusikensembles existieren. Wie ist das bei Ihnen?
Johanna Schubert: Wir haben für uns entdeckt, dass ein solches Leben auch als Klaviertrio möglich ist. Dieses gemeinsame Musizieren, das ist eine wunderbare Entdeckungsreise, wir nehmen uns die Zeit dafür, wollen als Ensemble unsere Interpretationen erarbeiten.

Lässt sich Ihr Interpretationsansatz, Ihr Klang definieren?
Sagen wir es so: Unser Anspruch ist es, einen natürlichen Klang zu erzeugen, nicht zu verkopft, auch nicht zu viel aus dem Bauch heraus. Es ist total abhängig von der Partitur, und wir entdecken jedes Stück immer wieder neu. Das soll auch in den nächsten 20 Jahren der maßgebliche musikalische Prozess sein.

Sie haben das Programm in Ulm mit „ungeahnt“ überschrieben?
Oh ja, in dieser Saison heißen unsere Programme „unerreicht“, „unverzichtbar“, unerhört“, „ungebändigt“ – „ungeahnt“ bezieht sich darauf, dass das alles Stücke sind, die einen überraschen, auch in dieser Kombination. Das Klaviertrio von Charles Ives etwa: Kaum jemand kennt dieses humorvolle Werk, das in eine besondere Klangwelt entführt. Es ist überhaupt nicht schwer zugänglich. Oder das von uns bei Birke Bertelsmeier in Auftrag gegebene Klaviertrio „vertrautes angezogensein“, das wieder neue Farben ins Spiel bringt, aber nicht im Gegensatz steht zu den viel älteren Werken.

Die zweite Hälfte ist Ludwig van Beethovens 1811 entstandenem Klaviertrio in B-Dur gewidmet, das er dem Erzherzog Rudolph widmete. Was zeichnet dieses 40-minütige Werk aus?
Philipp Kirchner: Ein solches Klaviertrio hat es zuvor nicht gegeben, so gewaltig, mit dieser Ausdrucksvielfalt. Beethoven erfindet die Gattung völlig neu, es ist eher eine Sinfonie als ein Kammermusikstück. Zu erleben ist nicht der rebellische Beethoven, das ist ein Gesang, der zu Herzen geht. Aber nicht im sentimentalen Sinne, diese Musik besitzt immer die enorme leuchtende Kraft des Komponisten.

Was bedeutet es für Sie, als „Echo Rising Stars“ in den berühmten Sälen Europas aufzutreten?
Klar, diese Säle haben eine besonders Ausstrahlung, die Tradition ist zu spüren. Aber wichtiger ist das Publikum, überall: Wenn die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Konzerten mitgehen, wenn ein Dialog zwischen uns und dem Publikum entsteht. Das sind die besonderen Momente.

„klassisch!“ im Stadthaus

Das Amelio Trio spielt am Freitag, 19. September 2025, 20 Uhr, in der Reihe „klassisch!“ im Stadthaus Ulm. Auf dem Programm stehen Klaviertrios von Charles Ives, Birke Bertelsmeier und Ludwig van Beethoven. Karten gibt es im Vorverkauf an der Tourist-Information im Stadthaus, an allen Reservix-Vorverkaufsstellen und unter swp.de/ticketshop.