„klassisch!“ im Stadthaus Ulm
: Das Amelio Trio reißt die Klangfenster auf und lüftet durch

Auf dem Weg zur internationalen Karriere: Mit Werken von Ives, Bertelsmeier und Beethoven begeistert das Trio das Publikum.
Von
Jürgen Kanold
Ulm
Jetzt in der App anhören
Bejubeltes Konzert in Ulm: Das Amelio Trio mit Johanna Schubert (Violine), Merle Geißler (Cello) und Philipp Kirchner.

Bejubeltes Konzert in Ulm: Das Amelio Trio mit Johanna Schubert (Violine), Merle Geißler (Cello) und Philipp Kirchner.

Matthias Kessler
  • Das Amelio Trio eröffnete die „klassisch!“-Reihe im Ulmer Stadthaus vor begeistertem Publikum.
  • 2024 gewann das Trio den Deutschen Musikwettbewerb; eine CD mit Werken von Ives, Bertelsmeier und Beethoven entstand.
  • In der Saison 2026/2027 tritt das Trio als „Rising Star“ in renommierten Konzerthäusern wie der Elbphilharmonie auf.
  • Am Freitag (19. September 2025) überzeugten sie mit Ives, Beethoven und Bertelsmeier sowie dem „Erzherzog-Trio“.
  • Nächstes Konzert der Reihe: Felix Klieser Trio am 22. Oktober 2025 mit Werken von Brahms und Schumann.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie gehören zu den „aufsteigenden Sternen“ der Kammermusik-Szene. Jedenfalls haben die 22 großen, in der European Concert Hall Organisation (ECHO) vernetzten Konzerthäuser das Amelio Trio für die Saison 2026/2027 als „Rising Star“ nominiert und eingeladen: So werden Johanna Schubert (Violine), Merle Geißler (Cello) und Philipp Kirchner (Klavier) bald auf Tour gehen, in der Hamburger Elbphilharmonie oder dem Barbican Center London gastieren. Aber schon jetzt eröffnete das junge Trio, alle sind sie 1999 geboren, die neue Saison der „klassisch!“-Reihe im Ulmer Stadthaus. Das jubelnde Publikum war sich sicher: Ja, da war am Freitagabend (19. September 2025) tatsächlich ein Ensemble zu erleben, das vor einer internationale Karriere steht.

Das Amelio Trio hat 2024 den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen, verbunden mit einer CD-Produktion (bei Genuin erschienen) – und drei Werke daraus erklangen im ersten Teil des Programms, und zwar „attacca“, wie man so schön sagt, also ohne Pause durchgespielt. Eine geradezu komponierte Erzählung.

Zunächst das absolut eigenwillige, skurrile Klaviertrio von Charles Ives (von 1911), in dem der US-Komponist seine Collegezeit verarbeitete: ernste Ansprachen des Professors, heiße Partys, Studentenlieder, der besinnliche sonntägliche Gottesdienst und auch zarte Romanzen. Wild modernes Durcheinander, Klangexperimente, jazzige Rhythmen und spätromantische Träumereien. Wieder eine Entdeckung in der „klassisch!“-Reihe. Und das Amelio Trio agierte expressiv-perfekt – schon seit sie mit 13 Jahren bei „Jugend musiziert“ teilnahmen, spielen sie zusammen. Dieses blinde Verständnis ist zu hören.

Eine Brise Unbeschwertheit

In nostalgischem B-Dur verklingt der Ives – und so beginnt dann Ludwig van Beethovens Allegretto (WoO 39). Eine ruhiges, bezaubernd heiteres Fünf-Minuten-Stück. Eine tolle Wirkung nach dem Ives. Als habe da jemand ein Fenster aufgerissen, um zu lüften: Sommer weht herein, eine Brise Unbeschwertheit aus alter Zeit. Und gleich darauf eine zeitgenössische Klangerkundung, ein Werk, das Birke Bertelsmeier (1981) für das Amelio Trio komponiert hat: „vertrautes angezogensein“. Jetzt klopfen die Akkorde des Beethoven-Allegrettos an. Sphärische Harmonien, der Pianist bringt auch ein gefülltes Weinglas zum Klingen. Dann ist alles abrupt vorbei, als sollte dem Glück nicht zu trauen sein. Ein offener Schluss. Spannend. Der Stoff für Pausengespräche.

Danach aber beantwortete das Amelio Trio sozusagen alle weiteren Fragen: eindrucksvoll, bestaunenswert, mit dem gewaltigen „Erzherzog-Trio“ Beethovens. Nein, es war keine „gewaltige“ Aufführung, immer wieder legten Johanna Schubert, Merle Geißler und Philipp Kirchner mit Intensität und leiser Besinnung den Fokus auf innerliche Passagen, drückten nicht einfach das Tempo durch, sondern machten, sehr reif, Beethovens kompositorische Auseinandersetzungen spürbar. Mitreißend, dieses auch virtuos agierende Klaviertrio. Ein Haydn-Finale als Zugabe.

Das nächste „klassisch!“-Konzert der SÜDWEST PRESSE im Stadthaus Ulm: Der Hornist Felix Klieser spielt im Trio mit Martina Filjak (Klavier) und Andrej Bielow (Violine) am 22. Oktober 2025, 20 Uhr, Werke von Brahms, Schumann und anderen.