Kirche braucht Geld: Eintritt am Kölner Dom gestartet – so reagieren die Besucher

Anstehen Kölner Dom: Am Hauptportal werden jetzt die Tickets kontrolliert.
Rolf Vennenbernd/dpa- Kölner Dom erhebt seit dem 1. Juli Eintritt für Touristen – zwölf Euro mit Ermäßigungen.
- Ziel ist die Deckung eines Teils der Erhaltungs- und Unterhaltskosten von 44.000 Euro pro Tag.
- Am Starttag wurden rund 500 Online- und 2400 Kassentickets verkauft, online zuvor 4000 reserviert.
- Nordportal bleibt kostenlos für Gebet geöffnet, der übrige Bereich ist für Zahlende abgetrennt.
- Reaktionen sind gemischt: Einige finden die Gebühr „blöd“, andere zeigen Verständnis und zahlen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine Kindergartengruppe hat sich auf den grauen Stufen zum Foto aufgestellt. „Kölner Dooom!“, rufen die Mädchen und Jungen in die Kamera. Bunte Schirmmützen schützen sie vor der Sonne, die bald über den Kirchtürmen hinter ihnen hervorscheinen wird. Noch liegt der Platz vor dem Kölner Dom im Schatten, noch ist das Hauptportal geschlossen. Wenn es an diesem Morgen öffnet, werden es nur Menschen mit einem Zugangsticket durchschreiten dürfen. So ist das seit dem 1. Juli 2026.
Der Kölner Dom kostet zwölf Euro Eintritt für Touristen, wobei es Ermäßigungen und Ausnahmen gibt. Mit dem zusätzlichen Geld will das Domkapitel die Finanzen der Kathedrale verbessern. Das Riesenbauwerk verursacht nämlich mehr Kosten, als es Einnahmen bringt. In diesem Jahr rechnen die Kirchenverantwortlichen mit einer Lücke von vier Millionen Euro, die mit der Eintrittsgebühr geschlossen werden soll.
Online-Ticketverkauf läuft schleppend an
Ob das gelingt, wird sich vermutlich erst zum Jahresende abzeichnen. Am Mittwochmorgen will Dompropst Guido Assmann jedenfalls noch nicht hochrechnen. Seit etwa zwei Wochen können Touristen online ein Ticket für einen Besuch ab dem 1. Juli kaufen. Bislang wurden so 4000 Eintrittskarten verkauft – ein eher maues Ergebnis.
Assmann will positiv bleiben. Wer von weither kommt, der wird den Dom sehen wollen und ein Ticket lösen, ist er sich sicher. Der Online-Shop sei noch nicht lange beworben worden, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Dass es in den ersten zwei Wochen schon 4000 Reservierungen gibt für Tickets online, macht mich eigentlich dankbar.“ Seit Mittwoch hat zusätzlich eine Ticketkasse in der Nähe des Doms geöffnet.
Am Abend dann aufatmen: Der Kölner Dom hat das vom Domkapitel vorgegebene Ziel erreicht, die Hälfte seiner täglichen Erhalt- und Unterhaltskosten durch Eintrittspreise zu erwirtschaften. Die liegen bei insgesamt 44.000 Euro pro Tag. Im Verlauf des Mittwochs wurden laut einer Dom-Mitteilung rund 500 Online-Tickets und 2400 Eintrittskarten an der neuen Zentralkasse verkauft.
Besucherin: „Ich finde das blöd“
Schon um kurz vor 10 Uhr morgens hat sich vor dem Dom eine Schlange gebildet. Als das Hauptportal öffnet, löst sie sich schnell wieder auf. Im Verlauf des Vormittags müssen Menschen immer wieder kurzzeitig anstehen. Reges Treiben, aber kein Ansturm. Immer wieder stellen Besucherinnen und Besuchern den Domschweizern Fragen. Ansonsten wirkt der Zugang zum Kölner Dom von außen beinahe wie an jedem anderen Tag auch.

Die Tickets lassen sich auch vorab online erwerben – ein Angebot, das zum Start nicht stark angenommen wurde.
Rolf Vennenbernd/dpaIm Innenraum hat sich jedoch etwas verändert. „Ich finde das blöd“, sagt eine Besucherin und deutet um sich. Sie und ihre Begleiterin sind über das kostenfreie Nordportal in die Kathedrale gekommen. Hier haben Besucher nur Zugang zu einem eingeschränkten Bereich: zur Schmuckmadonna, um davor zu beten, und zu mehreren Kerzenbänken, um ein Licht anzuzünden. Eine Holzabtrennung versperrt den Zugang zum restlichen Kirchenraum, den nur zahlende Gäste betreten können.
„Ich kenne den Dom, seitdem ich so klein war“, sagt die Frau und streckt ihre Hand auf Hüfthöhe aus. Sie und ihre Begleiterin kämen aus der Region und gingen regelmäßig in den Dom, wenn sie in Köln seien. Die Freundin äußert sich positiv. „Hier kann man das Richter-Fenster schön sehen“, sagte sie. „Das ist ohnehin das schönste Fenster.“ Das kostenfreie Nordportal liegt gegenüber dem berühmten Kirchenfenster, das der Künstler Gerhard Richter gestaltet hat.
Gratis zum Gebet in den Kölner Dom
Unterdessen versucht ein Lehrer, seine Schulklasse gratis in den Dom zu schleusen. „Zum Gebet“, sagt er dem Sicherheitsmann am Eingang. „Wie bitte?“, fragt der. „Zum Gebet“, wiederholt der Lehrer. Einige Schüler kichern. Es entspinnt sich eine Diskussion, ob einige der Mädchen in Hotpants und Träger-Top zu freizügig angezogen seien für einen Besuch in der Kirche. Aber es sieht so aus, als dürfte die Klasse grundsätzlich über den Nordeingang eintreten.
Die Sonne hat es über die Türme geschafft. Mittagszeit am Kölner Dom. Ein Domschweizer scannt die QR-Codes der Online-Tickets vor dem Hauptportal. Nach kurzer Zeit können die Besucher eintreten. In der Kathedrale ist es an diesem Mittwoch ruhig. Vereinzelt sitzen Touristen in den Kirchenbänken. Einige Menschen laufen in den Seitenschiffen und machen Fotos.
Einen Tag zu spät – Eintritt bezahlt
Ein junges Paar aus Schweden schaut sich die Kirchenfenster an. „Wir waren ein bisschen überrascht, dass es Eintritt kostet, weil in unserem Reiseführer steht, dass es umsonst ist. Wir hätten besser gestern herkommen sollen“, sagt die Frau.
Trotzdem zeigen die beiden Verständnis. In anderen Ländern kosteten Kirchen auch Eintritt. Die Zugangsgebühr zum Kölner Dom würden sie wieder bezahlen, denn: „Der Dom war einer der Gründe, warum wir überhaupt nach Köln gereist sind.“
Eintritt ist in Deutschland eine Ausnahme – noch
Anders als in Köln setzen die meisten großen katholischen Kirchen in Deutschland weiterhin auf freien Zugang. Wie eine Recherche des Portals katholisch.de zeigt, sind Eintrittsgelder bei den Kathedralen in Mainz, München, Dresden und Speyer kein Thema. Auch der Zugang etwa zur bayerischen Wieskirche, die zum Weltkulturerbe gehört, ist kostenlos. Anders klingt es im Bistum Aachen: Eine Sprecherin des Aachener Domes schließt eine Einführung von Eintrittsgeldern in Zukunft nicht aus. Bei den evangelischen Kirchen sieht es teilweise anders aus. Im Berliner Dom ist ein Besichtigungsticket ab 15 Euro zu erwerben; das Ticket ist ein Jahr gültig. Fünf Euro müssen Erwachsene seit Mitte Mai in der evangelischen Kirche Sankt Sebald in der Nürnberger Altstadt zahlen. In der mehr als 700 Jahre alten Kirche wurde schon Albrecht Dürer getauft. Medienberichten zufolge denkt auch die Nachbargemeinde der Lorenzkirche darüber nach

