„Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“
: Das große und das stinknormale Elend von Heinz Strunk

Ihm ist nichts zu peinlich: In seinem Band „Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“ erzählt der Hamburger Schriftsteller traurig und komisch vom Scheitern.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Heinz Strunk und sein neuer Erzählungsband "Kein Geld Kein Glück Kein Sprit".

Heinz Strunk und sein neuer Erzählungsband „Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“.

Christian Charisius/dpa, Rowohlt
  • Heinz Strunks Kurzgeschichtenband „Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“ beleuchtet tragikomisches Scheitern.
  • Figuren wie Sonja scheitern an Selbstliebe und Achtsamkeit – geprägt von Isolation und Verzweiflung.
  • Geschichten zeigen Horror und Groteske: Knochenbruch im Flieger, Selbstjustiz im Supermarkt.
  • Strunk verbindet schwarzen Humor mit einzigartiger Literatur – keine platte Comedy.
  • Rowohlt-Verlag, 192 Seiten, Preis: 23 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sonja empfindet nur noch Abscheu für sich selbst: „Sie nimmt eine Art abschließender Bestandsaufnahme vor: ein ledrige Frau mit ausgelaugten Brüsten und extraschlaffen Oberarmen. Ihre Schamhaare sind wie die Kinnflusen einer Greisin, man sieht schon förmlich den Katheter hervorlugen.“ Sie ist weder freundlich noch charmant, sie hat „keine Interessen, keine Talente, keinen Ehrgeiz“. Das einzige, was sie noch hat, ist ein chronischer Schluckauf. Seit Jahren. Seit Jahrzehnten.

„Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“ heißt Heinz Strunks neuer, großartiger Band mit Kurzgeschichten, in denen es wimmelt von Figuren wie Sonja, an denen Trends wie Selbstliebe, Enthalt- und Achtsamkeit spurlos vorübergegangen sind. Irgendwie schaffen es diese traurigen Menschen, im Leben immer die falsche Abzweigung zu nehmen. Sie können nicht anders, weil sie eben so sind. Es ist zum Weinen und Schreien.

Horror im Flieger und im Supermarkt

Bei Strunk wird trotzdem kein fatalistischer Elendsporno daraus, weil er und seine Sprache aus dem gleichen dunklen Loch kommen. Dieses beschrieb Strunk schon in seinem Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004), in dieses kehrt er in seinen Geschichten wieder zurück: zu den Nachbarn, die nahezu unbemerkt gelebt haben und dann einfach gestorben sind; zu den Eltern eines Jugendfreundes, die er im Zustand lebendiger Verwesung vorfindet.

Es steckt ordentlich Horror in den überwiegend kurzen bis sehr kurzen Erzählungen: Einem Riesen brechen im Flieger die Knochen, weil er in der Holzklasse eingepfercht ist. Eine arrogante Touristin wird im Supermarkt zum Opfer einheimischer Selbstjustiz.

Aber Strunk, nicht nur Schriftsteller, sondern auch Musiker und Komiker, ist vor allem fantastisch darin, mit (gerne auch grobem) Humor die kleinen Momente des Scheiterns zu schildern. Den jungen Stardirigenten, der im Hipster-Café nur ein uncooler Spießer ist. Die reifen deutschen Urlauber, die auf Gran Canaria um Scampi-Pfannen konkurrieren. Der Single-Mann, der auf einem Date versehentlich ein Handy-Sexvideo startet.

„Sollte sich jemand die peinlichste Peinlichkeit aller Zeiten ausdenken, wäre es genau die. Die Situation ist so abartig, dass sie ins Unwirkliche abschmiert.“ Heinz Strunk macht daraus keine platte Comedy, sondern einzigartige Literatur.

Heinz Strunk: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit. Rowohlt, 192 Seiten, 23 Euro.