Kammermusikreihe „klassisch!“
: „Tanz durch die Zeit“ in Ulm mit dem Delian Quartett

Das Publikum reist durch 500 Jahre Musikgeschichte: Am 16. September 2026 tritt das Delian Quartett im Stadthaus auf. Und spielt auch das emotionale 3. Streichquartett von Schostakowitsch.
Von
Burkhard Schäfer
Ulm
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Das Delian Quartett eröffnet am 16. September 2026 im Ulmer Stadthaus die neue Saison der "klassisch!-"-Konzerte.

Das Delian Quartett eröffnet am 16. September 2026 im Ulmer Stadthaus die neue Saison der "klassisch!-"-Konzerte.

Mathias Bothor
  • Delian Quartett eröffnet am 16. September 2026 im Ulmer Stadthaus die „klassisch!“-Saison.
  • Erste Hälfte als moderierte Revue: „Tanz durch die Zeit“ von Renaissance bis Jazz.
  • Nähe zum Publikum ist Programm – legerer Rahmen, spontane Moderation, keine formalen Zwänge.
  • Zweite Hälfte im Fokus: Schostakowitschs 3. Streichquartett op. 73, ernst und emotional.
  • Auftakt dazu: „Sing joyfully“ von William Byrd in Bearbeitung für Streichquartett.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Von Purcell, Beethoven und Strauß bis Schostakowitsch in einem „Tanz durch die Zeit“: Die neue Saison 2026/2027 der „klassisch!“-Reihe beginnt am 16. September (Mittwoch), 20 Uhr, mit dem prominenten Delian Quartett. Es gehört zu den angesehensten deutschen Kammermusikensembles und setzt auf besondere Programme; im vergangenen Jahr etwa traten sie mit der Schauspielerin Angela Winkler bei den Salzburger Festspielen auf. Was darf das Publikum im Ulmer Stadthaus erleben? Ein Gespräch mit Andreas Moscho, der in diesem Streichquartett die 2. Violine spielt.

Herr Moscho, wann und wie hat sich das Delian Quartett formiert?
Andreas Moscho: Die Initiative zur Gründung unseres Quartetts vor inzwischen beinahe 20 Jahren ging von unserer ersten Bratschistin Aida-Carmen Soanea und mir aus. Wir hatten uns kurz zuvor bei der gemeinsamen Arbeit in einem Kammerorchester kennengelernt und dachten, es wäre doch toll, auch Quartett zu spielen, und zwar auf professionellem Niveau – ein echtes Wagnis.

Spielt Ihr Ensemble immer noch in der ursprünglichen Formation?
Nein, denn vor sieben Jahren gab es zuletzt einen Wechsel der „unteren Hälfte“, seitdem ist Lara Albesano unsere Bratschistin und Hendrik Blumenroth ist der Cellist unseres Quartetts. Das war nicht nur menschlich ein wirklicher Glücksfall, denn mit Lara und Hendrik haben wir außerdem auch an Farbe und Volumen gewonnen.

Wie haben Sie die Anfänge des Quartetts erlebt? Mussten Sie sich „durchboxen“?
Einen Weg wie den unseren kann man nicht planen. Quasi über Nacht ging es mitten ins internationale Konzertgeschehen, ohne dass wir je einen Wettbewerb gespielt hätten. Damals gab es mutige Veranstalter, die ein noch unbekanntes Quartett wie uns eingeladen haben, und ein mutiges Plattenlabel, das uns mit unserem allerersten Projekt unter Vertrag nahm. Über unsere Konzerte und das Echo von Medien, Veranstalter und Publikum darauf sind wir dann sehr schnell prominent geworden und spielen heute international ganz oben mit.

Worauf bezieht sich Ihr Quartettname?
Es war damals eine große Herausforderung, einen Namen zu finden, der noch nicht vergeben war. Wir haben uns schließlich Apollon als Namenspatron ausgesucht, der der Sage nach auf der Insel Delos geboren wurde; deshalb wurde dieser Schutzgott der Musen auch Delian genannt. Der Name hat uns Glück gebracht (lacht).

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Was für uns genauso wichtig ist wie das gemeinsame Spielen, ist das Miteinander. Wir sind eng befreundet, haben zusammen persönliche Schicksalsschläge überstanden und wissen, was es heißt, füreinander da zu sein. Dabei sind wir musikalisch längst nicht immer einer Meinung, sondern ringen oft um jeden einzelnen Ton wie Sportler, die in den vier Ecken des Platzes stehen mit vollkommen unterschiedlichen Positionen. Was dann aber dabei herauskommt, wenn wir uns konstruktiv aufeinander zu bewegen, ist im Grunde nie ein Kompromiss, sondern etwas neues Gemeinsames. Das macht uns ebenso aus wie unsere ungewöhnliche Projektgestaltung jenseits ausgetretener Pfade, die so etwas wie ein Markenzeichen unseres Quartetts geworden ist.

Lassen Sie uns über die Werke sprechen, die Sie in Ulm spielen werden. Das Motto des Abends lautet „Tanz durch die Zeit“. Worauf darf sich das Publikum in der ersten Konzerthälfte freuen?
Die komplette erste Hälfte funktioniert wie eine Revue, über die ich gar nicht allzu viel verraten will, weil für unser Publikum die Überraschung hinter der nächsten Wegbiegung das halbe Vergnügen sein wird. Nur so viel: Das Programm wird von mir unterhaltsam kommentiert, die Moderation ist aber nicht im Detail vorbereitet oder gar aufgeschrieben, sondern lässt Raum für Spontaneität. Das Publikum hat maßgeblichen Anteil daran, in welche Richtung es jeweils geht. Ich erzähle etwas zu den Stücken, nie didaktisch, sondern eher anekdotisch, und dann erklingt die Musik. Die Reihenfolge der Werke steht zwar fest und folgt einer ausgeklügelten Dramaturgie, aber man weiß trotzdem nicht, was am Ende dabei herauskommt. Was wir machen, ist sozusagen „im freien Fall“ und soll nicht reproduzierbar sein. Und unser Publikum wird Teil einer gemeinsamen Sache.

Wie kam es zu diesem unkonventionellen Konzertformat-Konzept?
Ausgangspunkt unserer Idee war es, den Weg zur Klassik so kurz wie möglich zu machen. Im Prinzip kommt das von unseren Kinderkonzerten. Da zeigen wir den Kids, wie cool und lustig es sein kann, bei einem Klassik-Live-Konzert dabei zu sein, und wie viel Spaß es macht, sich mit dieser Art von Musik auseinanderzusetzen. Unsere Revue für Erwachsene funktioniert ganz ähnlich. Wir merken immer wieder, dass das in die Zeit passt; die Leute lachen und sind begeistert, sie bekommen aber gleichzeitig auch eine riesige Bandbreite präsentiert.

Was heißt „riesige Bandbreite“? 
Getreu dem Konzert-Motto „Tanz durch die Zeit“ spielen wir Tanzmusik aus der Renaissance bis hin zum Jazz. Das Publikum reist mit uns in nur zwei Stunden durch 500 Jahre Musikgeschichte, und das Spektrum reicht von alten Tanzformen wie einer Pavane über Walzer und Polka bis hin zum Foxtrott. Und ich verspreche: dabei gibt es echte Entdeckungen zu machen – mit Stücken, die man sich von allein vielleicht nie auf CD kaufen und dort auch kaum finden würde (lacht).

Das klingt ja fast so, als dürfe das Publikum zu Ihrer Musik tanzen…
Getanzt wurde bei uns zwar noch nicht, aber es braucht auch niemand stillzusitzen. Die Leute dürfen den Konzertsaal betreten wie ein Wohnzimmer, gerne auch leger gekleidet in Jeans und in T-Shirt. Der Wohlfühl-Aspekt und die Nähe zum Publikum waren uns schon immer wichtiger als Formalitäten. Das ist auch ein Grund dafür, dass wir nie in Frack und Anzug auftreten, von unserer Gründung an, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass das Distanz schafft. Wir wollen aber nicht museal und verstaubt rüberkommen.

Dann lassen Sie uns nun über die zweite Konzerthälfte sprechen, in der das dritte Streichquartett op. 73 von Dmitri Schostakowitsch im Zentrum steht.
Das Werk aus dem Jahr 1946 setzt im doppelten Sinne des Wortes einen Kontrapunkt zur ersten Hälfte, weil es ernst und ungeheuer emotional ist. Dieses dritte Streichquartett ist das zweite in Schostakowitschs Werk, das den Krieg zum Thema hat. Die Musik ist tief erschütternd und regelrecht kathartisch. Sie kann niemanden kaltlassen, der sich auf sie einlässt. In der ersten Hälfte gibt es für das Publikum ganz viel zu lachen; bei diesem dunkel-verhangenen Werk wendet sich die Welt. Ich finde dieses Quartett – und das sage ich ohne Übertreibung – unfassbar stark.

Schostakowitschs „populärstes“ Quartett, sein achtes, spielen Sie ganz bewusst nicht?
Aus unserer Perspektive ist das dritte Quartett noch eindringlicher und facettenreicher als das achte. Es ist aufgebaut wie eine Art Programmmusik. Der erste Satz spielt vor dem Krieg und ist – auf eine doppelbödige Weise – heiter und sorglos. Der zweite ist voll dunkler Vorahnung und Angst, und das darauf folgende Scherzo entfesselt das Inferno des Kriegs in seiner ganzen Brutalität. Das innige Adagio, das dann folgt, ist eine herzzerreißende Klage, wie ein Blick über Gräber und Ruinen, und der fünfte, letzte ist die ewige Frage nach dem Warum – mit einem Thema, das immerfort um sich selbst kreist, ohne Ausgang, und am Ende den Hörer vollkommen unerlöst zurücklässt.

Beginnen werden Sie die zweite „Halbzeit“ aber nicht mit Schostakowitsch, sondern mit dem kurzen Stück „Sing joyfully“ von William Byrd. Die Gattung Streichquartett gab es zu Byrds Zeiten ja noch gar nicht…
Im Original handelt es sich bei dem Werk um eine Motette über den Psalm 81 für sechsstimmigen Chor a cappella. Schon zu Byrds Lebzeiten war sie das beliebteste Werk des Komponisten. „Sing joyfully“ ist ein berückendes, schillerndes Gotteslob voll Enthusiasmus und Licht. Der italienische Komponist Stefano Pierini hat es in unserem Auftrag für Streichquartett bearbeitet.

Was spricht dafür, diesen „freudigen Gesang“ vor das Schostakowitsch-Quartett zu setzen?
Wir haben das Stück für Ulm ausgesucht, weil es den unbekümmert-sorglosen Beginn von Schostakowitschs so viel jüngerem Quartett atmosphärisch perfekt vorbereitet und dabei gleichzeitig einen jubelnden Kontrapunkt zum tiefen Ernst der übrigen Sätze setzt. Für das Publikum wird so die Kontinuität der Musikgeschichte über 400 Jahr hinweg in einem einzigen Augenblick nachvollziehbar.

Der Vorverkauf

Karten für das Konzert mit dem Delian Quartett am 16. September 2026, 20 Uhr, im Ulmer Stadthaus gibt es in der Tourist-Information im Stadthaus, an allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie unter swp.de/ticketshop. Die  „klassisch!“-Konzerte sind eine Veranstaltungsreihe der SÜDWEST PRESSE in Kooperation mit dem Ulmer Stadthaus.