Junge Ulmer Kunst: Die Welt als Hülse – Matthias Gmeiner in der Sebastianskapelle

Illusionsmalerei beherrscht er auch: Matthias Gmeiner vor seinem Bild „Angel“.
Marcus Golling- Matthias Gmeiner zeigt „Backwood“ in der Galerie Sebastianskapelle in Ulm.
- Neun neue Werke, meist Öl auf Leinwand; Thema: Hülse/Umhüllung.
- Motive: entfärbte Plastikbehälter, Google-Street-View-Bunker als „Betonzigarren“.
- Techniken: Shaped Canvases, Frottage mit Atelierstaub; Illusionsmalerei („Angel“).
- Bis 22. März 2026, Fr 17–19, Sa/So 11–15 Uhr, Eintritt frei.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Den Ausstellungstitel „Backwood“ könnte man wörtlich mit „Hinterwald“ übersetzen. Aber es ist nicht so, dass Matthias Gmeiner das Heimspiel in Ulm als Besuch in der Provinz versteht: Er ist für die Chance dankbar. „Es ist schön, zurückzukommen, ich habe hier Freunde und Familie.“ Und die Ausstellung ist ja auch Teil der Belohnung für seine Arbeit: Im vergangenen Jahr wurde Gmeiner mit dem Förderpreis Junge Ulmer Kunst in der Kategorie Bildende Kunst ausgezeichnet.
Die Jury hatte den Preis geteilt, Lea Stephany hatte ihre vernähten Leinwände schon im November in der Galerie Sebastianskapelle präsentiert. Nun folgt ihr der 27-Jährige, der kurz vor seinem Abschluss an der Karlsruher Akademie steht. Doch während die Kollegin ihre Position bereits ziemlich klar definiert hat, ist Gmeiner ein Suchender, der manches ausprobiert. Und dabei bemerkenswerte Entdeckungen macht.
Getupft und gespritzt
In „Backwood“ zeigt er eine konzentrierte Auswahl, nur neun eigene, brandneue Arbeiten, überwiegend Öl auf Leinwand. Thematisch kreist die Schau lose um die Idee der Hülse oder Umhüllung. Sie zeigt sich in den Motiven, etwa in der entfärbten Darstellung von Plastikbehältern in einem Regal. Oder in den gespritzten und getupften Abmalungen von Google-Street-View-Motiven, in denen Bunker in „Betonzigarren“-Form irritieren: Überzeugend, wie hier die impressionistische Technik die gezeigten Unorte konterkariert.
Gmeiner versteht aber auch das Bild an sich als Hülse, darum arbeitet er mit „Shaped Canvases“. Für das sechseckige „Biface“ hat der Künstler Staub vom Atelierboden mittels Frottage auf die Oberfläche übertragen. Dieselbe Technik verwendete er für die Fußbodenarbeit im großen Kapellenraum. Der Künstler bringt also den Arbeitsplatz mit in die Galerie – und einen Gast: Drumherum lehnen fünf Plastik-Klappstühle mit Hinterglasmalerei von Bettina Winter. Kunst, so beiläufig, dass auf der Vernissage manche die Werke als Sitzgelegenheit nutzen wollten.
Bis 22. März 2026. Geöffnet Fr 17-19, Sa/So 11-15 Uhr. Eintritt frei.

