Ein Abend im Roxy Ulm: „Vom Glück, im Chor zu singen“ – ja, wirklich

Der Chorgesang kann auch so eine Art natürliches Antidepressivum sein.
Martin Schutt/dpa- Lesung in Ulm: Stefan Moster stellt „Vom Glück, im Chor zu singen“ am 19. Mai 2026 im Roxy vor.
- Moster beschreibt Chorsingen als gemeinschaftsstiftend und potenziell stimmungsaufhellend.
- Inhalte des Buchs: Repertoire, Dirigent:innen, Proben sowie Alters- und Kinderstimmen.
- Auftritt im Roxy mit Publikumsgesang, angeleitet von Benno Schachtner – dazu Gesprächsrunde.
- Mit dabei: SWU-Chor unter Siyou Isabelle Ngnoubamdjum und der Mediziner Dr. Wolfgang Steinmüller.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rund 4,1 Millionen erwachsene Deutsche singen in einem Chor. Allein 13.000 Chöre sind Mitglied im Deutschen Chorverband. Auch werden, zum Beispiel, im Fußballstadion gemeinschaftlich Fangesänge angestimmt. Und Patrick Bopp animiert vor großem Publikum bei „Roxy singt!“ unter dem Motto „Aus voller Kehle für die Seele“ selbst jene zum Singen, die denken, dass sie gar nicht singen können. Also das muss ja großen Spaß machen.
„Vom Glück, im Chor zu singen“: Davon könnten unzählige Menschen erzählen. Stefan Moster hat es getan, in einem so empathisch wie mitten aus dem Leben geschriebenen, erkenntnisreich reflektierten Buch. Und am 19. Mai 2026 (ein Dienstag, 20 Uhr) liest er daraus im Roxy.
Er konnte dem „Chorgesang nicht entkommen“
Der Schriftsteller, 1964 in Mainz geboren, ist in einer Familie aufgewachsen, in der man „dem Chorgesang gar nicht entkommen konnte“. So erinnert sich Moster im ersten Kapitel an ein offenbar unvergessliches Kindheitserlebnis: wie die Männergesangvereine „Heiterkeit“ und „Einigkeit“ seinem Großvater zum runden Geburtstag ein Ständchen brachten – „Oh wie schön ist deine Welt“. Die Ergriffenheit, erinnert sich Moster, war allgemein, „sie packte jeden und jede, sie stiftete Gemeinschaft.“
Ja, unbezweifelt. Und was passiert da noch? Das Singen „mache Freude, bereite gute Laune, steigere das Wohlbefinden, wirke entspannend, baue Stress ab, könne sogar Ängste und seelische Belastungen mindern. Überdies wirke es erhebend, befreiend, beglückend und sorge für einen klaren Kopf“. So fasst Moster viele Stimmen zusammen. Bisweilen seien auch ambitionierte Äußerungen gefallen, wie die, „man tauche in eine andere Welt ein, das Singen sei ein Weg, die eigene Mitte zu finden, der Chorgesang mithin ein natürliches Antidepressivum, weil man alles aus sich heraussinge“. Wer diesen Aussagen mit Skepsis begegne, meint Moster, sollte einfach ein Chorkonzert besuchen und die Sängerinnen und Sänger bei der Arbeit betrachten.
Bis in hohe Alter
Klar, viele Menschen, die im Chor singen, sagen: Das wissen wir alles. Aber Stefan Moster bestätigt in seinem Buch nicht nur die Erfahrungen vieler Menschen, die im Chor singen. Er beleuchtet das Thema vielfältig, schürft tiefer, beschäftigt sich etwa mit dem Repertoire der Chöre, den Dirigenten, dem Proben. Oder er fragt im Kapitel „Altersstimmen“, wo denn die Grenze liege beim Mitsingen: So plädiert Moster für Varianten eines „weichen Rückzugs“ und für Chöre ohne Altersgrenzen in einer breiten Palette, „damit ältere Menschen nicht gezwungen werden, bloß einstimmig simple Liedchen zu trällern, nachdem ihr Herz jahrzehntelang an Bach und Bruckner gehangen hat“. Es gebe übrigens einen Ü-70-Chor in Hamburg, der durch einen Film berühmt geworden sei: „Heaven Can Wait!“
Ebenso befasst sich Moster mit den Knabenstimmen oder den Mädchenchören, die erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts gegründet wurden. In der katholischen Liturgie waren Frauen nämlich nicht vorgesehen, im christlichen Europa war ihnen das öffentlichen Chorsingen untersagt. So besteht keine Tradition wie bei den Knaben, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Oder?
Im 18. Jahrhundert gab es in Venedig in den Ospedali, karitativen Einrichtungen, Mädchenchöre, in denen Waisenkinder und ausgesetzte arme Mädchen sangen – auch Goethe hat davon berichtet. Und im Ospedale della Pietà wirkte sogar der große Antonio Vivaldi. So ist Mosters Buch auch eine kleine Kulturgeschichte des Singens. Um erstklassige Mädchenchöre zu hören, müsse man heutzutage nicht mehr Venedig reisen, schreibt der Autor pointiert: Deutsche Städte zählt er auf, auch Ulm. Er meint die Ulmer Spatzen.
„Vom Glück, im Chor zu singen“: Nein, eine Kultur, in der nicht gesungen wird, gebe es auf diesem Planeten nicht. Das ist mal eine Ansage. Und auch bei Stefan Mosters Lesung im Roxy soll gesungen werden. Das Publikum: angeleitet vom Countertenor und Dirigenten Benno Schachtner.
Lesung, Gespräch, Chormusik mit Siyou
Stefan Moster liest am Dienstag, 19. Mai 2026, 20 Uhr, im Ulmer Roxy aus seinem Buch „Vom Glück, im Chor zu singen“. Aber der Abend bietet noch viel mehr: So ist der von der Ulmer Gospel-Sängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum geleitete SWU-Chor dabei, das SingWerkUlm mit Mitarbeitenden der Stadt und der Stadtwerke. An einer Gesprächsrunde nehmen zudem Benno Schachtner (Countertenor, Dirigent, Leiter des Roggenburger Festivals Diademus und der Diademus Chorakademie sowie Professor für historischen Gesang in Bremen) und der Freiburger Musikermediziner Dr. Wolfgang Steinmüller teil. Natürlich wird Schachtner auch gleich mit dem Publikum in der Praxis testen, wie glücklich es macht, im Chor zu singen. Der von Jürgen Kanold moderierte Abend ist eine Roxy-Veranstaltung in Kooperation mit der Langenauer Buchhandlung Mahr.

Stefan Moster: Vom Glück, im Chor zu singen. Insel, 219 Seiten, 20 Euro.
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