„Die weiße Rose“: Wiederentdeckte Kammeroper ist „mutig und überraschend schroff“

Franz Brochhagen dirigiert die Aufführung in Dresden.
Privat- Die Hochschule für Musik Dresden zeigt die wiederentdeckte Urfassung der Kammeroper „Die weiße Rose“ von Udo Zimmermann.
- Die Partitur wurde im Archiv der Hochschule gefunden; die Originalfassung stammt aus 1967.
- Die Erstfassung unterscheidet sich stark von der bekannten Version von 1986.
- Aufführungen sind am 12. und 13. April 2025 im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs bringt die Hochschule für Musik Dresden die Kammeroper „Die weiße Rose“ von Udo Zimmermann (1943-2021) in der Urfassung von 1967 auf die Bühne. Ein Gespräch mit dem Dirigenten Franz Brochhagen, der die Aufführung leiten wird.
Warum hat es fast 60 Jahre lang gedauert, Zimmermanns Opern-Erstling wieder verfügbar zu machen?
Franz Brochhagen: Die Partitur und das komplette Aufführungsmaterial der Urfassung wurden erst kürzlich im Archiv der Dresdner Musikhochschule wiederentdeckt. Der damals 23-jährige Student hatte an dieser Hochschule mit „Die weiße Rose – Ein Stück für das Musiktheater“ 1967 seine Diplomarbeit vorgelegt. Das Libretto und die Idee zum Stoff stammten von Udo Zimmermanns Bruder Ingo. Das Stück wurde – nicht zufällig – am 17. Juni 1967 im Rahmen der DDR-Arbeiterfestspiele im Kleinen Haus der Dresdner Staatstheater durch Studierende der Hochschule für Musik Dresden uraufgeführt und war ein Sensationserfolg.
Wie unterscheidet sich diese Erstfassung der „Weißen Rose“ von der bekannten späten Fassung aus dem Jahr 1986?
Die beiden Stücke haben praktisch nichts miteinander gemein. Die Diplomarbeit ist ein eigenständiges Werk. Es ist in Szenen unterteilt, die durch Interludien angereichert und unterbrochen werden. Zimmermann bringt hier ganz realistische Szenen aus dem Jahr 1943 auf die Bühne, die jedoch nicht im Sinne einer historischen Rekonstruktion von Tatsachen zu verstehen sind. Vielmehr handelt es sich dabei um Begebenheiten, die so hätten stattfinden können. Im Unterschied dazu handelt es sich bei der Spätfassung um eine eher kontemplative und lyrische Auseinandersetzung mit dem Stoff.
Und wie unterscheiden sich die beiden Fassungen hinsichtlich ihrer Tonsprache?
Zimmermann verwendet in seiner Diplomarbeit atonale und über weite Strecken hinweg sogar zwölftönige Musik von einer großen Aggressivität, die in scharfem Kontrast stehen zu sehr lyrischen und innigen Passagen des Werks. Diese Klangsprache war für die damaligen Verhältnisse äußerst mutig, ambitioniert und schroff. Dass das Werk in der DDR-Presse als Erfolg gefeiert wurde, erstaunt im Nachhinein, denn die Dodekaphonie galt als dekadent.
Biedert sich Zimmermanns Opern-Erstling denn inhaltlich der sozialistischen Ideologie der DDR an?
Gar nicht! Die Protagonisten des Werks handeln aus einer humanistischen, religiösen und bürgerlichen Motivation heraus, genau wie das bei den Mitgliedern der „Weißen Rose“ der Fall war. Vor dem Hintergrund des Jahrestags des Kriegsendes möchten wir mit der Aufführung ein Zeichen der Erinnerung an das unermessliche Leid setzen, das die Nazis dem jüdischen Volk sowie Andersdenkenden und all denen, die als lebensunwert diffamiert wurden, zugefügt haben.
Die Premiere von Udo Zimmermanns „Die weiße Rose“ (Fassung 1967) ist am Samstag, 12. April 2025, 19.30 Uhr, im Kleinen Haus 1 des Staatsschauspiels Dresden. Weitere Aufführung: 13. April, Beginn: 19 Uhr.

