Christoph von Dohnányi: Dirigent mit Haltung

Mit 95 Jahren gestorben: Christoph von Dohnányi
Maurizio Gambarini/dpa-Zentralbild/dpa- Der weltberühmte Dirigent Christoph von Dohnányi ist im Alter von 95 Jahren in München gestorben.
- Er leitete bedeutende Orchester, darunter das Cleveland Orchestra (1984–2002) und das NDR Sinfonieorchester.
- Von Dohnányi dirigierte fast 80 Aufführungen bei den Salzburger Festspielen (1962–2014).
- Der gebürtige Berliner wurde in Deutschland teils unterschätzt, galt aber als klangsinnlicher Perfektionist.
- Er entstammt einer prominenten Familie, u. a. mit Widerstandskämpfern und Künstlern in seiner Ahnenreihe.
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Was für eine Familie! Der Vater Hans von Dohnányi war ein von den Nationalsozialisten im KZ Sachsenhausen ermordeter Widerstandskämpfer, seine Mutter eine Schwester des Theologen und ebenfalls hingerichteten Dietrich Bonhoeffer. Sein Bruder ist der frühere Hamburger SPD-Bürgermeister Klaus von Dohnányi, sein Großvater der große österreichisch-ungarische Komponist und Pianist Ernst von Dohnányi. Und der war es, der den Enkel, der mit einem Jurastudium in München begonnen hatte und dann auf die Musikhochschule wechselte, entscheidend förderte.
Man könnte jetzt auch noch berichten, dass der Schauspieler Justus von Dohnányi sein Sohn aus erster Ehe ist und dass er in zweiter Ehe mit der Sopranistin Anja Silja verheiratet war – aber der jetzt kurz vor seinem 96. Geburtstag in München gestorbene Christoph von Dohnányi war einer der großen deutschen, weltweit anerkannten Dirigenten seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diesem „Grandseigneur“, wie etwa der Salzburger Festspielintendant Markus Hinterhäuser in seinem Nachruf schreibt, wäre solch boulevardeskes Namedropping sowieso nicht angenehm gewesen.
Fast 80 Auftritte in Salzburg
Christoph von Dohnányi dirigierte die wichtigsten Orchester in Europa und den USA und leitete allein in Salzburg, vor allem am Pult der Wiener Philharmoniker zwischen 1962 und 2014 fast 80 Opernaufführungen und Konzerte, darunter die Uraufführung von Hans Werner Henzes „Bassariden“.
Doch der gebürtige Berliner war kein Jetset-Star und kein gehypter Senkrechtstarter. Er erarbeitete sich mit viel Elan seine Karriere: War Generalmusikdirektor (schon mit 27 Jahren) in Lübeck, dann in Kassel, Köln und Frankfurt; von 1977 bis 1984 leitete er die Hamburgische Staatsoper. 2004 kehrte er in die Hansestadt zurück und übernahm bis 2011 als Chef das NDR Sinfonieorchester.
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda würdigt ihn als einen „Architekten der Musikstadt Hamburg“, als einen Wegbereiter der Elbphilharmonie. Die Deutschen freilich unterschätzten diesen eher publicityscheuen, klugen, klangsinnlichen, perfektionistischen Dirigenten zuweilen. Aber er war ein Großer: nicht zuletzt von 1984 bis 2002 als Chef des Cleveland Orchestra.

