Büste im Theater Ulm
: „Fehlende Distanz zum NS-Regime“ – Karajan erhält Infotafel

Die Plastik des Dirigenten darf im Foyer bleiben, doch Intendant Kay Metzger hat einen Text am Sockel anbringen lassen. Ihm geht es um „kritische Reflexion“.
Von
swp/mgo
Ulm
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Jetzt mit Extra-Text: die Karajan-Büste im Theater Ulm.

Jetzt mit Extra-Text: die Karajan-Büste im Theater Ulm.

Theater Ulm
  • Theater Ulm belässt Karajan-Büste im Foyer – ergänzt um eine Info-Tafel zu NSDAP und NS-Nähe.
  • Entscheidung traf Intendant Kay Metzger mit Iris Mann und dem Stadtarchiv in gemeinsamer Abstimmung.
  • Begründung: Erinnerung wachhalten und kritische Reflexion ermöglichen, keine Entfernung wie in Aachen.
  • Chefdramaturg: Tafel erinnert an Werk und an fragwürdiges Verhalten in der NS-Diktatur.
  • Adresse bleibt vorerst „Herbert-von-Karajan-Platz 1“: die AG Straßenbenennung berät diesen Sommer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Jetzt hat Herbert von Karajan auch im Theater Ulm einen Warnhinweis: Intendant Kay Metzger hat in Abstimmung mit Bürgermeisterin Iris Mann und dem Stadtarchiv die Büste des Dirigenten im Foyer des Theaters Ulm mit einer Tafel versehen lassen, auf der auf dessen „NSDAP-Mitgliedschaft und fehlende Distanz zum NS-Regime“ hingewiesen wird.

Die vom Wiener Karajan Centrum gestiftete bronzene Büste ist ein Werk der Künstlerin Anna Chromy und war 2000 von damaligen Intendanten Ansgar Haag gemeinsam mit dem Generalmusikdirektor James Allen Gähres im Ulmer Theater enthüllt worden.

In Aachen musste er weichen

Der Österreicher Karajan (1908-1989) war von 1929 bis 1934 in Ulm Kapellmeister. In der NS-Zeit machte er Karriere, er wurde von Hermann Göring 1938 an die Berliner Staatsoper berufen. Nach dem Krieg ging sein Aufstieg weiter, 1955 wurde er Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Er gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts.

Doch seit einigen Jahren fordern einige Forscher wegen dessen NS-Vergangenheit einen anderen Umgang mit Karajan. Der Autor Klaus Riehle nennt ihn einen „glühenden Nazi und Hitler-Anhänger“. In Aachen, wo der Dirigent nach dem Abschied aus Ulm als erster Kapellmeister tätig war, hatte man schon 2023 seine Büste aus dem Theater entfernt.

In der aktuellen Debatte hatte sich Metzger gegen einen solchen Schritt in Ulm ausgesprochen: „Wir müssen die Erinnerung lebendig halten, auch und gerade die an dunkle Kapitel der Geschichte.“ Die Tendenz zum Verdrängen und Eliminieren problematischer Anteile menschlichen Handelns und Denkens aus dem allgemeinen Sichtfeld und Bewusstsein verhindere eine kritische Reflexion.

Der hinzugefügte Text macht diese laut Chefdramaturg Christian Katzschmann nun aber möglich: „Die Büste im Foyer erinnert an eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit und mit der Inschrift nun auch zugleich an ihr fragwürdiges Verhalten während der NS-Diktatur.“ In Anbetracht der deutlichen Tendenzen politischer Radikalisierung und von Antisemitismus in Deutschland und Europa sei es ihm und dem Intendanten wichtig, immer wieder auf der Bühne gerade auch diese Themen zu behandeln, wie zuletzt in der Bühnenadaption von Klaus Manns Roman „Mephisto“.

Die Adresse des Theaters Ulm hat sich übrigens noch nicht geändert: Sie lautet – auch wenn kein Schild darauf hinweist – weiter „Herbert-von-Karajan-Platz 1“. Doch über den Fall soll laut Bürgermeisterin Mann noch diesen Sommer die AG Straßenbenennung beraten.