Bayerische Staatsoper
: Erstaunlich konventionell, diese „Rigoletto“-Premiere

Und was bietet die Musik? Eine Kritik der Neuinszenierung von Barbara Wysocka im Münchner Nationaltheater.
Von
Jürgen Kanold
München
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Angst um die missbrauchte Tochter: Ariunbaatar Ganbaatar (Rigoletto) und Serena Sáenz (Gilda).

Angst um die missbrauchte Tochter: Ariunbaatar Ganbaatar (Rigoletto) und Serena Sáenz (Gilda).

Geoffroy Schied
  • Neuinszenierung „Rigoletto“ an der Bayerischen Staatsoper, Premiere am Samstag (7. März 2026)
  • Regie: Barbara Wysocka; Bühne: Barbara Hanicka – kühl, abstrakt, konventionell
  • Star des Abends: Bekhzod Davronov mit „La donna è mobile“ – großer Applaus
  • Serena Sáenz (Gilda) und Ariunbaatar Ganbaatar (Rigoletto) mit umjubelten Debüts
  • Dirigent Maurizio Benini (74): klangvoluminös, robust, wirkungsvoll – „Bene. Aber nicht mehr.“

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In München hat auch schon einmal eine Regisseurin, die Filmemacherin Dorris Dörrie, den „Rigoletto“ auf einem Planeten der Affen inszeniert, mit Gilda als Geliebter ungefähr King Kongs, gefangen in einer Weltraumkapsel. Das Publikum hätte damals am liebsten die ganze Produktion auf den Mond geschossen.

Denn es gibt ja wohl keinen realistischeren, packenderen, heutigeren Opernstoff, den Giuseppe Verdi vertonte: Ein sich für absolut unangreifbar haltender Machtmensch, der Herzog von Mantua, nimmt sich skrupellos junge Frauen. Gilda liefert sich ihm unschuldig aus, sich nach Liebe sehnend - und wird doch nur missbraucht. Und ihr Vater Rigoletto, mit körperlichen Gebrechen ein Außenseiter im Apparat, glaubt als Hofnarr, als zynischer Berater, mit dem Tyrannen und in seinem System mitspielen zu können, wenn er nur alle Moral fahren lässt - aber er bleibt nur ein Opfer.

Männer treffen sich zu Orgien, Frauen sind Objekte sexueller Gewalt. Und wer am besten lügt, hat die Macht und ist unantastbar. Das sind die Mechanismen. Epstein, #MeToo, Trumpismus, der Zuschauer denkt das alles mit. Muss er auch.

Denn Barbara Wysocka erzählt zwar davon, aber hauptsächlich im Programmbuch. Ihre Neuinszenierung, die am Samstag (7. März 2026) an der Bayerischen Staatsoper Premiere feierte, fällt erstaunlich librettohaft bis konventionell aus: in eiskalt-stählern abstrakter Architektur und auch im weiten, leeren Raum (von Barbara Hanicka).

Ein Altmeister aus Italien am Pult: bene

Ein Gesellschaftsdrama? Es ist die Tragödie Rigolettos, der seine Tochter einsperrt, aber dann verliert, weil Gilda ausbrechen, leben will und sogar in den Tod geht für den Herzog– in völliger Abhängigkeit verführt.

Und es ist in München allemal ein Arien-Reigen. Das Publikum applaudiert begeistert, wenn der jung-solide, prächtig fokussierte usbekische Tenor Bekhzod Davronov „La donna è mobile“, das frauenverachtende Credo des Duca, ins Nationaltheater schmettert. Eine Inszenierung ohne diffizile Personenführung, in die man praktikabel Gäste einwechseln kann.

Wobei die Premierenbesetzung umjubelt erstklassig war: die Spanierin Serena Sáenz als mädchenhafte Gilda mit durchschlagendem Sopran und technischer Brillanz, auch feinen Tönen des Leidens. Ariunbaatar Ganbaatar aus der Mongolei gelang mit eher bassbaritonaler Härte, aber auch belcantischer Emotionalität in der Partie des Rigoletto ein starkes München-Debüt.

Am Pult: ein Kapellaltmeister aus Italien, der 74-jährige Maurizio Benini. Musikdrama für große Häuser: klangvoluminös, robust, wirkungsvoll, agogisch dienlich, für ein Cantabile das Staatsorchester in die Zeitlupe bremsend, um dann mit Karacho die Szene zu beschließen. Bene. Aber nicht mehr.