21,5 Millionen Euro fehlen: Warum der Theater-Anbau wichtig für Ulm ist


Blick ins Innere: Der ursprüngliche Entwurf des Architekturbüros Max Dudler für die Erweiterung des Theaters Ulm (Probenräume, Werkstätten) und ein neues Kinder- und Jugendtheater.
Max Dudler GmbHIn München spricht die bayerische Landesregierung von einer „Redimensionierung“. Nach einer zweijährigen „Denkpause“ verkündeten CSU und Freie Wähler, dass das seit 2017 geplante Konzerthaus, nach bisherigen Entwürfen so eine Art gläserne Kathedrale, noch einmal neu gedacht werden müsse: für die Hälfte der Kosten. Auf zuletzt 1,3 Milliarden Euro war das Projekt berechnet worden. Jetzt erklärte Ministerpräsident Markus Söder: Es komme halt nicht alles, was man sich „de luxe gewünscht“ habe. Realistisch gesagt, aber auch geschichtsklitternd. Denn die CSU hatte partout ganz groß, freistaatsmäßig auftrumpfen wollen mit einem Konzerthaus für das Symphonieorchester seines Bayerischen Rundfunks, also mindestens der Elbphilharmonie Konkurrenz machen.
Was das mit Ulm zu tun hat? Nicht wenig: als Lehrstück über Anspruch und Wirklichkeit. Denn auch in Ulm ist bei einem kulturellen Projekt gewissermaßen von „Redimensionierung“ die Rede.
Schon 2014 konstatierte eine „Gefährdungsbeurteilung“, dass Auflagen des Arbeitsschutzes im Theater Ulm nicht ausreichend umgesetzt werden könnten. So ist ein Erweiterungsbau geplant für Werkstätten und mit Proberäumen. Und weil auch das Alte Theater am Scholl-Gymnasium, die Spielstätte der Jungen Ulmer Bühne, marode ist, folgten Beschlüsse, dass im Neubau zudem ein Kinder- und Jugendtheater Platz finden müsse. Vor zwei Monaten aber dann der Eklat im Bauausschuss: Die Kosten belaufen sich jetzt auf insgesamt 58,1 Millionen Euro. Das sind 26,9 Millionen Euro mehr als 2019 kalkuliert. Vor allem aber: Es fehlen für die Finanzierung 21,5 Millionen Euro.
Wichtige Investition
Dafür ist nicht allein die Baukosteninflation schuld, sondern das Nutzflächen- und Raumprogramm war erheblich zu gering angesetzt worden. Freie Wähler und CDU wollten das Projekt sofort stoppen, erlitten jedoch eine Niederlage im Bauausschuss. Auf einen Antrag der FWG hin berät aber an diesem Mittwoch der (alte) Gemeinderat noch einmal.
Und nun zu München: Der Ulmer Theater-Bau ist eben kein Prestige-Projekt, er war und ist nicht „de luxe“ geplant worden – auch wenn der Entwurf des Büros Dudler, diese „Zauberburg“, bundesweit Aufsehen erregen könnte. Es geht um eine auch bildungspolitische Investition in die Zukunft und aktuell darum, spielbar zu bleiben. „Redimensionierung“? Viel billiger wird's, bei Neuplanung und verstreichender Zeit, nicht werden. Was der (neue) Gemeinderat nun wirklich schnell leisten muss: den Ulmer Finanz- und Investitionsbedarf ermitteln und priorisieren.
