„1999 Meter über dem Meer“
: Was kann der neue Roman von Caroline Wahl?

Die Bestsellerautorin hat ihren vierten Roman in vier Jahren veröffentlicht. Dieses Mal geht es in die Berge, ins luxuriöse Sankt Moritz. Unsere Redakteurin hat ihn vorab gelesen.
Von
Lotta Bürker
Sankt Moritz
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Autorin Caroline Wahl im Portrait. Fotografiert am 06.11.2025 im Social Studio bei RTL News GmbH in der Koreastraße. Die Autorinnenfotos von Caroline Wahl dürfen für Buchbesprechungen und Interviews zu ihren in der Rowohlt Verlagsgruppe erschienenen Publikationen mit dem Copyright Domenic Driessen bis zum 31.3.2029 verwendet werden. Online dürfen die Autorinnenfotos ebenfalls nur in diesem Zusammenhang, mit dem Copyright, zeitlich befristet und nicht zum Downloaden verwendet werden.

Caroline Wahl hat ihren vierten Roman in vier Jahren geschrieben. Ob er wohl genau so ein Bestseller wird, wie seine Vorgänger?

rowohlt/DOMENIC DRIESSEN
  • Neuer Roman „1999 Meter über dem Meer“: Schauplatz Berlin, Allgäu und St. Moritz.
  • Samara flieht aus der Influencer-PR, fährt in die Berge und bleibt in St. Moritz.
  • Sie erfindet Identitäten, bewegt sich in einer reichen Clique und fotografiert erfolgreich.
  • Ton: trockener Witz, Gegenwartssprache, Kritik an Instageneration und KI wie ChatGPT.
  • Kritik im Text: teils Längen, bekannte Blaupause, dennoch aktuelle Beobachtungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wasser ist einfach nicht mein Element“, so beginnt der neue Roman „1999 Meter über dem Meer“ von Caroline Wahl. Samara ist mehr so der „Typ Berge“, dabei war sie selbst noch nie dort. Bisher waren die Wahl'schen Protagonistinnen allesamt Wasserratten. Zum ersten Mal zieht es eine ihrer Heldinnen also in die Höhe, genauer gesagt nach Sankt Moritz.

Worum geht’s? Der Roman beginnt als Road Novel: Samara, gerade aus Bali (Fazit: „scheiße“) zurückgekehrt, zieht mit dem Auto los. Vorerst landet sie in Berlin in einer PR-Agentur, die sich auf Influencer spezialisiert hat. Eine absurde Welt, in der Ideen wie „Therapie-Speeddating“ oder eine „Techno-Ecke mit Microdosing“ ernst genommen werden. Spätestens da wird deutlich, dass Wahl diese Welt genüsslich aufs Korn nimmt. Eine Welt, die ihr inzwischen selbst nicht völlig fremd sein dürfte: Der Bestsellerautorin folgen auf Instagram über 60.000 Menschen und sie soll jetzt auch Markenbotschafterin von Mercedes-Benz werden. (Nicht nur Samara fährt gerne schnelle Autos...)

Samara hat jedenfalls keine Lust mehr auf die Influencer-Bubble und beschließt, in die Berge zu fahren. Also ihr komplettes Hab und Gut ins Auto packen und los geht’s! Erster Stopp: Allgäu. Danach geht’s weiter in die Schweiz, ins besagte St. Moritz. Wahl war übrigens selbst dort, um für den Roman zu recherchieren. Eigentlich will Samara nur ein paar Tage bleiben, bleibt aber hängen. Sie lernt eine gossipgirlesque Gruppe reicher Leute kennen, solche, die Privatjet fliegen und auf Partys gehen, auf denen der Koch eingeflogen wird. Samara gibt sich als Künstlerin aus. Denn die Heldin (oder vielleicht eher Antiheldin) ist alles andere als glatt gebügelt. Sie lügt gerne. Mal heißt sie Sam, mal Resa, ein anderes Mal Lena. Mal ist sie Musikproduzentin, und mal ist sie eben Fotografin.

Caroline Wahl folgt ihrer Blaupause

Die 31-jährige Autorin bleibt in ihrem vierten Roman ihrem Schreibstil treu. Die Dialoge kommen ohne viel Chichi aus; gerade in den absurden Begegnungen entwickelt sich daraus ein trockener Witz, der den Leser durchaus mal laut kichern lässt.

Wie schon in den anderen Romanen – als wäre es eine Blaupause – ist es so, dass, sobald sich die Protagonistin emanzipiert (in diesem Fall von ihren eigenen Ängsten und der Berufswelt), sie schließlich mit ihrer Superpower erfolgreich wird (hier: dem Fotografieren). Und die Blaupause verlangt es, dass auch ein bisschen Liebe ins Spiel kommt. Samara hat sich nämlich in den wunderschönen Fritzi verguckt. Dabei nimmt Wahl sich immerhin selbst auf die Schippe, wenn sie schreibt: „Das hier ist kein Liebesroman!“

Wahls große Stärke bleibt, die Gegenwart und ihre Sprache einzufangen und diese gleichzeitig in ihrer unverhohlenen Darstellung nackig zu machen – von fragwürdigen Dadfluencern, generell dieser ganzen Instageneration, bis KI-Gedöns wie ChatGPT. Ganz ohne Längen kommt der Roman allerdings nicht aus. 368 Seiten sind für Samaras Suche nach sich selbst dann doch ziemlich viel, und nicht jede Schleife ihrer Reise hätte es gebraucht. Fans werden sagen: Caroline Wahl bleibt sich treu. Kritiker könnten es weniger freundlich formulieren: Sie erzählt schon wieder das Gleiche. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen – oder eben „1999 Meter über dem Meer“.

Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer. Rowohlt, 368 Seiten, 24 Euro.