Abflug: Die Nationalmannschaft hat sich gestern auf den Weg in die USA gemacht.

Abflug: Die Nationalmannschaft hat sich gestern auf den Weg in die USA gemacht.

Florian Wiegand/dpa

Auf der Suche nach dem Sommermärchen

2. Juni 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

in der ZDF-Mediathek kann man sich aktuell eine sehenswerte Dokumentation anschauen: „Mission Sommermärchen“ dokumentiert, wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Land 2006 entgegen aller sportlichen Erwartungen in einen kollektiven Fußball-Jubel stürzte. Die Partylaune der Fans konnte schließlich auch das Halbfinal-Aus der deutschen Mannschaft nicht trüben.

In der Dokumentation geht es um viel mehr als um Fußball, es geht auch um Deutschland, wie es vor 20 Jahren war. Und die dreiteilige Serie macht etwas wehmütig: Die Zeit, die dort in inzwischen 20 Jahre alten, leicht körnigen Aufnahmen wieder lebendig wird, wünscht man sich heute zurück: ein optimistisches, begeisterungsfähiges Land, eine Gesellschaft, die nicht bloß um Probleme, Krisen und den bevorstehenden Abstieg kreist. Natürlich: Das Sommermärchen beschreibt ein paar denkwürdige Ausnahmewochen im Sommer. Dennoch fragt man sich beim Betrachten der alten Aufnahmen: Hätten wir diese Fähigkeit zur Begeisterung heute überhaupt noch in uns? Wäre ein Sommermärchen 2.0 im Jahr 2026 noch möglich?

Die WM im Trump-Reich (ebensowenig wie die vorige in Katar) wird voraussichtlich kaum geeignet sein, das Gemeinschaftsgefühl der Heim-WM 2006 noch einmal heraufzubeschwören. Dem deutschen Team, das gestern in die USA gestartet ist, kann man sportlich nur viel Glück wünschen. Und uns ein wenig von diesem Sommermärchen-Gefühl, das doch irgendwo ganz tief in uns noch schlummern muss. Oder?

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!

Herzliche Grüße aus der Chefredaktion

Ihre Judith Conrady