In der Villa Borsig in Berlin einigte sich die Koalition ihren Sprit-Kompromiss.

In der Villa Borsig in Berlin einigte sich die Koalition ihren Sprit-Kompromiss.

RALF HIRSCHBERGER/AFP

Der Sprit-Unsinn

13. April 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

nun also hat sich die Koalition doch geeinigt. Um 17 Cent sollen die Steuern auf Benzin und Diesel gesenkt werden. Für zwei Monate. Da jubelt das Autofahrer-Herz. Verständlich – wirtschaftlicher Unsinn bleibt diese Maßnahme dennoch. Aus zweierlei Gründen. Der eine ist ganz banal: Ölkonzerne sind keine caritativen Einrichtungen. Wittern sie Gewinn, kassieren sie ihn auch. Es ist derselbe Prozess wie bei einer Senkung der Mehrwertsteuer: Ein nicht unbeträchtlicher Teil der gewünschten Entlastung für die Verbraucher bleibt bei den Anbietern hängen. Ärgerlich, aber so etwas nennt man Marktwirtschaft. Der Politik ist das gerade recht. Wir haben doch etwas getan, heißt es dann. Die Bösen sind die anderen. Sind sie nicht. Sie verhalten sich – ärgerlicherweise, aber vorhersehbar – nur marktkonform. Der andere Grund ist grundsätzlicher Natur: Wir haben uns daran gewöhnt, bei jeder Störung unseres satten Alltags nach dem Staat zu rufen. Der reagiert brav und packt ins Steuersäckel, um Bürgerinnen und Bürger zu beruhigen. Allmählich sollte uns aber dämmern, dass das nicht endlos weitergehen kann. Diese Krise lässt unsere Gesellschaft ärmer werden – und das führt irgendwann zu Konsequenzen, für die jeder Einzelne aufkommen muss. Die Politik der finanziellen Wohltaten ist nur ein Verschieben der Rechnung auf morgen. Und die zahlen am Ende unsere Kinder und Kindeskinder. Unfairer geht es nicht. Hier lesen Sie mehr.

Kommen Sie gut in diesen Dienstag!

Ihr Ulrich Becker