Männer bis 45, die länger als drei Monate ins Ausland wollen, müssen sich künftig bei der Bundeswehr abmelden.

Männer bis 45, die länger als drei Monate ins Ausland wollen, müssen sich künftig bei der Bundeswehr abmelden.

Marijan Murat/dpa

Reisen nur mit Genehmigung der Bundeswehr?

6. April 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

es ist erstaunlich: Seit dem 1. Januar gilt das neue Wehrpflicht-Gesetz – und erst jetzt, mehr als drei Monate später, wird in Politik, Medien und Öffentlichkeit eine Regelung diskutiert, die nachvollziehbarerweise für Aufsehen sorgt: Männer bis 45 müssen sich Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten von der Bundeswehr genehmigen lassen.

Noch erstaunlicher ist allerdings, dass in der Regierung und im Verteidigungsministerium niemand so genau zu wissen scheint, wie diese Regelung denn genau gemeint ist und wie sie konkret umgesetzt werden soll: Greift sie, wie die SPD-Fraktion meint, erst dann, wenn eine Wehrpflicht eingeführt wird (das steht so nicht im Paragraphen)? Soll die Genehmigung bis auf Weiteres automatisch als erteilt gelten? Besteht dann trotzdem eine Mitteilungspflicht an die Bundeswehr? Das Verteidigungsministerium beantwortet Anfragen mit der Ankündigung, man werde die Sache demnächst per Verwaltungsvorschrift regeln (heißt wohl: Aktuell weiß man es selbst noch nicht so genau). Doch der Schaden ist längst angerichtet: Der Staat wirkt planlos, und Populisten können sich über neue Munition gegen „die da oben“ freuen. Die Sache ist ein kommunikatives Desaster, übrigens schon das zweite nach der Diskussion um ein Losverfahren für die Musterung.

Hat die schwarz-rote Koalition die Brisanz der Regelung einfach übersehen und es deshalb nicht für nötig gehalten, den Bürgern zu erklären, ob sie künftig für ihr Work-and-Travel-Jahr oder das Auslandsstudium einen Bundeswehr-Stempel brauchen? Oder hat sie gehofft, der Satz werde schon nicht auffallen? Beides ist wohl kaum dazu geeignet, das Vertrauen in die Politik zu erhöhen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!

Herzliche Grüße aus der Chefredaktion

Ihre Judith Conrady